Datum: | Tests 2014

Nachdem die im Jahre 2010 erschienene Fassung des Acronis Disk Director 11 zwischenzeitlich veraltet war und viele Anwender auf andere Produkte ausgewichen sind, hat Acronis überraschend eine neue Version des Disk Director veröffentlicht, welcher nach einer Fitnesskur für kommende Aufgaben wieder gut gerüstet ist. Wir stellen die Toolbox rund um Partitionen aus dem Hause Acronis näher vor.

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Alte Technik, Alternativen

Im Jahre 2010 hatten wir den Acronis Disk Director 11 mit viel Freude vorgestellt und kamen zu dem Fazit, dass es sich bei dem Tool um ein sehr gutes Werkzeug rund um Partitionierung handelt. Hier hatten wir aber bereits angemerkt, dass der Disk Director starke und vor allem kostenlose Konkurrenz bekommen hat: sowohl in der Datenträgerverwaltung mit den neuen Möglichkeiten seit Windows Vista selbst als auch aus dem Linux-Lager mit Parted Magic.

Acronis hat aber die Chance nicht genutzt, seinen vor allem durch Acronis True Image geprägten starken Markennamen auch auf dem Sektor der Partitionierung weiter auszubauen. Vielmehr hat man das Produkt veralten lassen. Zuletzt mussten Nutzer von UEFI-Systemen oder Windows 8 auf andere Produkte ausweichen.

Wiedersehen mit einem alten Freund

Nach fast 4 Jahren hat Acronis seine Marke aber wiederbelebt. Bereits nach dem ersten Start kommt einem alles sehr vertraut und bekannt vor: wie ein Wiedersehen mit einem alten Freund.

Die Oberfläche ist nach wie vor sehr klar strukturiert und nicht so überladen, wie wir es zuletzt bei dem Paragon Festplatten Manager 14 bemängelt hatten, welcher allerdings auch wesentlich mehr Funktionalität bietet.

Benutzeroberfläche von Acronis Disk Director 12

Benutzeroberfläche von Acronis Disk Director 12

Die Laufwerke und Partitionen werden im oberen Bereich nach physikalischen Datenträgern sortiert und darunter in einer grafischen Ansicht angezeigt. Die möglichen Aktionen finden sich der dynamischen Werkzeugliste linksseitig.

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Größenänderung interaktiv

Auf dem Screenshot sieht man beispielhaft die Größenänderung eines Datenträgers. Mittels der Maus oder Eingabe der Zahlenwerte kann die Größe des Datenträgers angepasst werden. Die Laufwerksinformation darunter ist eine „Live-Vorschau“ und passt sich jederzeit den aktuellen Änderungen an. Trotzdem ist die Software noch im „Simulationsmodus“, da alle Veränderungen erst dann vorgenommen werden, wenn ausstehende Aktionen (auch mehrere) ausgeführt werden.

Features – wie bisher

Zu den Features und Möglichkeiten des Acronis Dik Director 12 zählen:

  • Unterstützung von NTFS, FAT32, EXT2, EXT3, ReiserFS, LinuxSwap
  • Partitionen vergrößern, verkleinern, zusammenführen, teilen, verschieben
  • Klonen von Partitionen
  • Erstellung von Laufwerken mit MBR oder GPT-Partitionsschema sowie Konvertierung von GPT zu MBR und umgekehrt
  • Partitionstypen ändern (primär, logisch)
  • Unterstützung von dynamischen Datenträgern und  Konvertierung in Basisdatenträger bzw. umgekehrt
  • Automatisches Alignment (4K-Sektoren) bei Erstellung von neuen Volumes

Neue Funktionen

Neue Funktionen sucht man in dem Disk Director 12 allerdings vergeblich. Lediglich die Zertifizierung für Windows 8.1 sowie die volle Kompatibilität zu UEFI-Systemen einschließlich des passenden Rettungsmediums sind dazugekommen.

Was wir (nicht) vermissen

Der früher zum Lieferumfang gehörende Bootmanager Acronis OS Selector ist weggefallen. Sicherlich ist dies verschmerzbar, da UEFI-Systeme den integrierten Bootmanager verwenden, alte „BIOS-Systeme“ dagegen mit dem Bootmanager von Windows ganz gut fahren.

Eine echte Funktion zum Ausrichten des Alignements gibt es ebenfalls nicht. Auch dies ist verschmerzbar, das das Problem einzig dann zum Tragen kam, wenn man Festplatten mit 4K-Sektoren unter Windows XP partitionierte. Mit neueren Systemen ist das Alignement dagegen bereits korrekt ausgerichtet. Um für das durch Windows XP fehlausgerichtete Volume mit Hilfe von Acronis Disk Director ein korrektes Alignment zu erreichen, kann man das Laufwerk zuerst auf ein anderes Laufwerk klonen und dann wieder zurückschreiben. Acronis Disk Director verschiebt nach dem Klonen den Start des ersten Volumes um einen Offset von 1 MByte – was dazu führt, dass alle Volumes des Laufwerks ein korrektes Alignment haben.

Verbesserte Wiederherstellungsfunktionen durch Acronis Recovery Expert

Der Acronis  Recovery  Expert kommt als Helfertool für Acronis Disk Director daher und dient zur Partitionswiederherstellung Er kann auf einem Basis-MBR-Laufwerk  ein Volume wiederherstellen, wenn dieses irrtümlich gelöscht oder beschädigt wurde. Mehr, vor allem im Bereich „Datenwiederherstellung“, hat der Acronis Recovery Expert nicht zu bieten.

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Recovery Expert

Notfallmedium

Das neue Notfallmedium kann auf Linux oder Windows-PE-Basis (WinPE 4.0 und WinPE 5.0) erstellt werden. Die dafür notwendigen Windows Assessment and Deployment Kits müssen aber zuvor heruntergeladen werden, wie es auch im KB47031-Eintrag bei Acronis beschrieben ist.

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Notfallemdium, auch auf PE-Basis

Bei der Erstellung können noch eigene Treiber z.B. für Massenspeicher mit eingebunden werden.

Die Erstellung ist als Datenträger (CD, USB-Wechselspeicher) oder als ISO-Image möglich. Ist auf dem System auch ein Acronis True Image vorhanden, kann dieses in den Notfalldatenträger mit aufgenommen werden, allerdings nur für die Linux-Variante des Notfallmediums.

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Integration weiterer Acronis-Produkte

Fazit

Acronis Disk Director 12 ist nach wie vor ein tolles und vor allem handliches Werkzeug rund um die Partitionsverwaltung. Dennoch wird es die neue Version schwer haben, da einige Hersteller wie z.B. EaseUS mit dem Partition Master Free eine Partitionssoftware mit eingeschränktem Funktionsumfang verschenken oder Parted Magic über die Jahre soweit gereift ist, dass es auch die Downloadgebühr von 5 US Dollar aus unserer Sicht wert ist.

Für den Disk Director sprechen dagegen die langjährige Erfahrung des Herstellers rund um Datenträger und Partitionen, der Umgang mit dynamischen Datenträgern, vielfältige Konvertierungsmöglichkeiten sowie das Rettungsmedium auf Windows-PE-Basis, welches den ganzen Funktionsumfang des Produkts wiederspiegelt. Ein echter Shredder, welcher Inhalte von Festplatten und SSD restlos überschreiben kann, hätte die neue Version weiter aufgewertet.

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Acronis Disk Director 12

Download der Demo über WinTotal

Hersteller: Acronis
Preis ca. 40 Euro
System: Windows 8(.1),7, Vista, XP
Positiv: Unterstützung von UEFI-Systemen, dynamischen Datenträger, einfache Bedienung, gutes Rettungsmedium
Negativ: Gegenüber der Vorversion kaum neue Features, kein Löschtool zum Sicheren Löschen von SSD oder HDD

Intrografik: Acronis.de

2 Antworten auf “Acronis Disk Director 12 – Wiedersehen mit einem alten Freund”

  1. Peter Fuhrmann

    Disk Direktor 12 erkennt Externe Festplatten mit 4K Sektoren nicht.

  2. rhj

    Daran hat sich auch mit build 12.0.3270 – März 2016 nichts geändert, nachdem 4k Platten (in meinem Fall WD Mybook 3 TB) seit vielen Jahren auf dem Markt.
    Fazit: Schrott, wie der Rest von Acronis (True Image).
    Im letzteren Fall empfehle ich macrium.com.

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