Datum: | Artikel 2015

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Der Trend mobiler Applikationen war von Anfang an nicht aufzuhalten: Heute befinden sich mehr mobile Apps denn je auf Smartphones, Tablet-PCs, ja sogar „echten Rechnern“. Doch geht der Mobile-Trend an mancher Stelle doch zu weit? Das Zurückrudern von Microsoft in Sachen Windows 8.1 (kein Zwangsbooten mehr zur Modern UI-Oberfläche) und nun bei Windows 10 (weitestgehende Rückkehr zum guten alten Startmenü) zeigt exemplarisch, dass man es mit dem „Mobile-Wahn“ auch zu weit treiben kann. Wie genau lassen sich also die Grenzen zwischen „cool & sinnvoll“ und „zu weit gesprungen“ ausloten?

Apps sollten Miniprogramme für kleine Aufgaben sein…

Der ursprüngliche Gedanke hinter Apps war zumindest für die meisten Nutzer ein kleines (abgespecktes) Programm, welches schnell und effizient bestimmte Aufgaben erledigt -beispielsweise ein Taxi rufen, das morgige Wetter abrufen, einen abgespielten Song identifizieren oder auch ganz einfach die letzten News zu einem bestimmten Thema lesen. Darüber hinaus dienen manche Apps auch als quasi abgespeckte Version von „richtigen Programmen“. Gerade für Power-User waren Apps seit jeher eher eine portable Ergänzung als tatsächlich ein Ersatz für echte Software, wie sie in der Regel auf dem Desktop-PC läuft. Für viele technisch versiertere Nutzer besteht also eine klare Trennlinie zwischen App und richtigem Programm.

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Appstore von Microsoft

Appstore von Microsoft

… sowie Spiel, Spaß, Wetten & Unterhaltung dienen

Ein zweiter großer Grund für die rasante Verbreitung von Apps ist neben dem Nutzwert in Bezug auf kleine Alltagsaufgaben auch der Faktor Spaß. Egal, ob es um Minispiele (hier eine Topliste von Android-Games bei pcwelt.de) geht, man mobil an Sportwetten teilnehmen möchte (gute Apps dazu z.B. bei Sportwettentest.net) oder ob man eine App einfach dazu nutzt, seine Stimme wie Darth-Vader klingen zu lassen – die Welt der mobilen Applikationen bietet für jeden die richtige Abwechslung. Ähnlich wie bei Programmen verhält es sich dabei auch in Bezug auf Spiele: Während man am PC oder der Konsole eher die komplexen Games zockt, für die man sich dann auch gerne mal einen Nachmittag Zeit nimmt, sind es mit dem Smartphone eher kurzweilige Games, die man nicht erst lange erlernen muss, sondern innerhalb von Sekunden verstanden hat. Hier geht es also um das schnelle Spiel zwischendurch oder Lite-Versionen von umfangreicheren Spielen. Auch hier gibt es damit vom Prinzip her eine klare Trennlinie.

Microsofts „Geschmacksverirrung“ mit Windows 8

Genau diese Trennlinien (vor allen in Bezug auf Software) hat Microsoft jedoch im Jahr 2012 mit Windows 8 ganz schön verwässert. Mit der Metro-Oberfläche versuchte man viele User quasi zu „zwingen“, sich damit anzufreunden, Apps auch auf ganz normalen Desktop-PCs intensiv zu nutzen und dies teilweise als Ersatz für Programme. Zwar gibt es auch seit Windows 8 nach wie vor den Desktop, doch war dieser eigentlich nur noch als Nebenerscheinung/Notlösung für ältere Programme gedacht. Stattdessen sollten sich die Nutzer fortan primär auf der Modern UI-Oberfläche aufhalten.

Windows 8.1 Oberfläche

Windows 8.1 Oberfläche

Die Überlegung hat Microsoft allerdings ohne seine Zielgruppe gemacht. Diese war in der Mehrzahl mehr als enttäuscht davon, sich ins „Metro-Gefängnis“ einsperren zu lassen, und wollte stattdessen eigentlich nur den klassischen Desktop wie gehabt nutzen. Lediglich für Mobil- bzw. Touchgeräte wurde vieles einfacher. Spätestens seit dem Erscheinen von Windows 8.1 (Durch-booten auf den Desktop wieder auf regulärem Wege möglich) wird jedoch deutlich, dass Microsoft das Feedback seiner Nutzer verstanden hat. Mit Windows 10 führt Microsoft nun auch wieder das Startmenü (neu) ein.

Windows 10 TH1 Version 10240

Windows 10 mit Startmenü

Rückblickend betrachtet war Windows 8 wohl eine Art Kurzschlussreaktion von Microsoft, die darauf abzielte, verlorenen Boden auf dem Mobile-Sektor wieder gutzumachen. Die parallel dazu gestarteten Bemühungen, im Bereich Tablet-PCs und Smartphone verstärkt aktiv zu werden, waren wohl der Hauptgrund für die mit Windows 8 verfolgte Strategie, die insgesamt nur in Teilen aufging.

Fazit

Das Fazit für Microsofts Versuch, den Durchbruch im Bereich Mobile zu schaffen und sich gegen Konkurrenten wie Apple (iOS) und Google (Android) behaupten zu können, kann nur sein, dass man (wieder) zu einer klaren Trennlinie zwischen Mobile und Desktop kommen muss – und das scheint Microsoft mit Windows 10 indirekt vorzuhaben: Zwar erhalten jetzt alle Endgeräte ein einheitliches OS, doch passt es sich stark auf die jeweiligen Gegebenheiten an. So ist der Desktop auf einem PC also wieder Windows-7-ähnlich mittels Startmenü zu nutzen und nur auf expliziten Wunsch gelangt man zur Metro-Oberfläche, die extra aufgerufen werden muss. Auf kleinen mobilen Geräten ist es hingegen genau umgekehrt.

Schlussendlich rudert man also ein Stück weit zurück im Hause Microsoft und besinnt sich wieder mehr darauf, mobile Apps genau dort zu nutzen, wo sie sinnvoll sind, und ansonsten wieder klassische Desktop-Programme zu bevorzugen.

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