Datum: | Tests 2016

Onda Obook 11

In unserer neuen Serie „Gefunden auf“ stellen wir Hardware und Gadgets vor, welche wir als Privatperson in asiatischen Webshops bestellen. Wir prüfen, ob die Schnäppchen halten, was sie versprechen, oder mit Porto, Zoll und weiteren Kosten doch gar nicht so günstig sind. Den Anfang macht das  Onda oBook 11, ein Hybrid aus Tablet und Notebook, gefunden auf Gearbest.

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Männerspielzeug

Technikkataloge von Anbietern wie Pearl, Reichelt oder Conrad lassen Männerherzen höher schlagen, finden sich in diesen doch neben nützlichen und günstigen Produkten oft auch kuriose Technik-Gadgets, die man eigentlich nicht braucht, aber unbedingt haben muss.

Die Webangebote der zuvor genannten Anbieter laden aber aus unserer Sicht nicht gerade zum Stöbern ein und sind allesamt gegenüber den Printausgaben nicht die erste Wahl. Punkten können vorrangig asiatische Webshops, welche sich auf Elektronik und Gadgets spezialisiert haben, darunter Seiten wie FastTech, GeekBuying oder Gearbest.

Günstige Preise, aber…

Wer in diesen Webshops surft, findet sehr viele tolle Sachen, teilweise zu erstaunlich günstigen Preisen. Aber Achtung: Die Preise sind oft in US-Dollar angegeben. Zudem wird  bei Waren ab 26 Euro Einfuhrumsatzsteuer von 19% fällig. Dazu kommen noch Zollgebühren bei einem Einkaufswert ab 150 Euro, welche sich aus dem jeweils aktuellen Zoll-Umrechnungskurs und den Einfuhrabgabensätzen, abhängig von der Warengruppe, ergeben. Ein Tablet für 200 Euro würde um 38 Euro Einfuhrumsatzsteuer teurer, bei anderen Warengruppen wie z.B. Bekleidung gibt es wiederum anderen Zollgebühren. Einen guten Überblick gibt z.B. der Zollrechner von Pandacheck.

Der zunächst günstige Preis stellt sich beim Nachrechnen dann oft als gar nicht so günstig heraus. Hier sollte man daher vorher auf jeden Fall die Preise vergleichen, da der Kauf von Waren im Nicht-EU-Ausland auch weitere Probleme und Nachteile mit sich bringen kann.

Garantie, Gewährleistung, Rückgabe

Innerhalb der EU sind Garantie, Gewährleistung und Rückgabe weitgehend einheitlich geregelt. Was hier gilt, muss aber z.B. nicht in China gelten. Die dortigen Händler zeigen sich zwar ähnlich kulant und bieten in einigen Fällen sogar längere Rückgabezeiten wie der Branchenprimus Amazon, übernehmen aber nicht die Kosten für den Rückversand, der nach Asien – je nach Gewicht – schnell teuer werden kann. Auch bei Garantie und Gewährleistung ist die Entfernung zum Versender das größte Problem.

Bezahlung

In Sachen Bezahlung sollte man auf Nummer sicher gehen. Das Maß aller Dinge ist hier PayPal mit seinem Käuferschutz. Das Risiko bei Problemen, z.B. nicht erhaltener Ware, ist hier relativ gering. Zahlungen mit Kreditkarte verursachten bei uns auch keine Probleme. Der Käuferschutz von 180 Tagen bei PayPal ist aber das Argument gegen andere Zahlungsmethoden. Von Zahlungen per Vorkasse würden wir generell abraten, egal wo sich der Shop befindet.

Dennoch einen Kauf wert?

Nach den bisherigen Ausführungen stellt sich die Frage, warum man dann überhaupt in den Asia-Webshops etwas bestellen sollte. Der Grund ist die Tatsache, dass viele Produkte dennoch (viel) günstiger sind. Die Händler dort kommen günstiger an die Ware vor Ort, der Import und die Zwischenhändler fallen weg. Zudem werden in den Shops auch Produkte angeboten, welche aus verschiedenen Gründen den Weg nach Europa nur spät oder gar nicht finden. Prominentes Beispiel sind z.B. die Smartphones von Xiaomi, welche in Asien einen sehr hohen Marktanteil besitzen, in Europa aber fast unbekannt sind.

Kurzum: Wer sich etwas auskennt und auch ein Risiko nicht scheut, dass die Qualität doch nicht den Erwartungen entspricht, kann mitunter ein gutes Schnäppchen machen.

Onda oBook 11 bei Gearbest

Für unseren ersten Test suchten wir ein Windows-10-Tablet mit brauchbarer Tastatur zum günstigen Preis. Die Tastatur an dem TrekStor SurfTab wintron 10.1 war im Dauerbetrieb eher nervig, da die Tasten nicht immer wie gewünscht reagierten, einen sauberen Druckpunkt vermissen ließen.

Unsere Wahl fiel auf das Onda oBook 11 Ultrabook Tablet PC von Gearbest für 218,89 Dollar, respektive 192,39 Euro. Das Gerät weckte unser Interesse, weil es vom Aufbau her einem Ultrabook entspricht (feste Tastatur), mit 11.6 Zoll und FullHD ein praxistaugliches Display hat, Windows 10 vorinstalliert ist und auch die sonstigen Daten für den Preis überzeugen konnten.

Technische Daten

CPU Intel Cherry Trail Z8300 1.44GHz,Quad Core
GPU Intel HD Graphic(Gen8)
RAM 2 GB
SSD 32 GB
Display 11.6 Zoll Retina, IPS, 1920 x 1080 (FHD)
Abmessungen 28,8 cm x 19,5 cm x 1,6 cm (zugeklappt)
Gewicht 1190 Gramm
Anschlüsse USB 3.0, USB 2, Micro HDMI, SD-Kartenslot, 3.5 Klinkenstecker für Kopfhörer, Stromanschluss
Funktionalität Eingebaute Lautsprecher und Mikrophon, Frontkamera 2 MP mit Videofunktion
Konnektivität WiFi 802.11b/g/n, Bluetooth 4.0
Akku 30 Wh Leistung, 7 Stunden Laufzeit maximal

Technische Betrachtung

Das Ultrabook Tablet hat auf den ersten Blick so rein gar nichts von einem Tablet. Grund ist die feste Verbindung zwischen dem 11.6 Zoll großen FullHD-Schirm und der Tastatur mit üblichen Scharnieren.

Onda Obook 11

Onda Obook 11, Bildquelle Onda

Der Clou liegt aber darin, dass der Anwender die Tastatur um 360 Grad umklappen kann und diese dann quasi die Rückseite vom Tablet bildet.

Onda Obook 11

Onda Obook 11, Bildquelle Onda

Damit ist das Gerät vom Einsatzzweck her vorrangig ein Notebook, welches auch als Tablet genutzt werden kann. Lenovo bietet mit der Yoga-Serie vom Aufbau her vergleichbare Geräte, wenn auch mit größeren Bildschirmen und schnellerer Hardware.

Onda Obook 11

Onda Obook 11, Zelt-Modus, Bildquelle Onda

Onda oBook 11, Tablet-Modus

Von Abmessungen und Gewicht her kann das oBook gefallen. Die Tastatur kann über einen Schalter für den Tablet-Modus deaktiviert werden.

Anschlüsse

Anschlüsse, Bildquelle: Gearbest

Im Inneren findet sich aktuelle, aber sparsame Kost: Es kommt eine Intel Cherry Trail Z8300 Atom-CPU mit 4 Kernen mit 2 GB RAM zum Einsatz.

CPU-Z

CPU-Z

Als Grafikkern verwendet das Gerät Intel HD Graphic in der 8. Generation, welche gegenüber der 7. Generation um bis zu 50% mehr Leistung bringen soll und bereits DX12 unterstützt. Für 3D-Spiele ist der Kern aber nicht tauglich, da er mager nur mit 64 Bit an das System angebunden ist und eher zur unteren Leistungsklasse gehört. Dennoch ist die Grafikeinheit in der Lage, K/H.265-Videomaterial flüssig wiederzugeben.

GPU-Z

GPU-Z

Die verbaute SSD gehört nicht zu den schnellsten ihrer Zunft, reicht für den Einsatzweck als mobiler, einfacher Reisebegleiter aber aus, was ein Benchmark über ATTO zeigt. Speziell beim Schreiben bleibt die SSD recht blass.

ATTO Benchmark

ATTO Benchmark

Praxistest

Natürlich gibt es schnellere, bessere und edlere Tablets mit Tastatur. Unser Ziel war aber, ein brauchbares Gerät als Notebook-Alternative für unterwegs zu beschaffen, welches für „Standardaufgaben“ wie Mails, Surfen, Office herangezogen werden sollte. Auf brachiale CPU- und GPU-Leistung konnten wir daher gut verzichten.

Vom Handling her hat uns das Gerät begeistert. Trotz des geringen Preises wirkte alles gut verarbeitet. Das oBook erfüllte als kleines Subnotebook für unterwegs mit seinem Gewicht von knapp 1200 Gramm hervorragend seinen Zweck. Der Akku ist mit einer Laufzeit von etwa 7 Stunden ausreichend, das IPS-Display mit 11.6 Zoll und FullHD ausreichend groß und mäßig hell, aber vor allem gestochen scharf. Für den Außeneinsatz im direkten Sonnenlicht war das Display nicht hell genug, mit etwas Schatten oder in Räumen aber ok.

An Anschlüssen haben wir mit Bluetooth 4.0, Wireless LAN sowie 1x USB 3.0 und 1x USB 2.0, Micro HDMI, MicroSD-Card-Reader und 3.5-Zoll-Klinkenstecker auch nicht wirklich etwas vermisst.

Die verbaute CPU Intel Cherry Trail Z8300 (Intel Atom-X5 Z8300) bietet schon mehr Leistung als das zuletzt vorgestellte TrekStor SurfTab und erfüllt die Standardaufgaben ohne Probleme.

Der Arbeitsspeicher mit 2 GB war da schon eher ein Problem, wenn man mehrere Programme gleichzeitig nutzt. Hier sollte man etwas Disziplin an den Tag legen und nicht mit vielen großen Programmen gleichzeitig agieren. Die verbaute SSD minimiert zwar die Zugriffszeiten auf die Auslagerungsdatei, ist mit 32 GB aber auch knapp bemessen. Für den geplanten Einsatzzweck reichte sie aber dennoch aus und zeigte nach Installation von Office 365 mit allen Komponenten einen Füllstand von 16.2 GByte. Der Speicher kann allerdings über den MicroSD-Card-Reader mit schnellen Karten erweitert werden.

Gearbest bietet das Gerät für einen geringen Aufpreis auch mit 4 GB RAM und einer 64 GB SSD an, was eventuell eine gute Alternative darstellt.

Die Grafikeinheit von Intel konnte FullHD-Videos ruckelfrei wiedergeben, was angesichts des Displays auch ausreichend ist. Der verwendete Micro-HDMI-Anschluss unterstützt übrigens auch 4K-Auflösungen, welche die GPU ebenfalls bewältigt.

Das vorinstallierte Windows war zwar in englischer Sprache, konnte aber durch die „Zurücksetzen-Funktion“ problemlos eingedeutscht werden. Bei der Tastatur kommt dann das Problem: Der Hersteller liefert die Geräte für den asiatischen Markt nur mit englischer Tastaturbelegung. Wer blind schreiben kann, dürfte hier kein größeres Problem haben, lässt sich das Tastaturlayout in Windows doch auf ein deutsches Layout umstellen. Für alle anderen Anwender würden wir aber vom Kauf eines Geräts mit nicht deutscher Tastatur abraten.

Die Tastatur selbst machte einen guten Eindruck. Die Tasten sind in etwa so groß, wie man es von den früheren Netbooks gewohnt war – und damit nicht in der Normgröße. Es sind auch keine mechanischen Chiclet-Tasten, wie sie aktuell Microsoft für sein Surface Pro 4 oder Surface Book verwendet. Bei dem Preis durfte man das auch nicht erwarten. Dennoch schreibt es sich auf dem Gerät sehr zielsicher und problemlos. Das Mauspad funktioniert, wurde in unserem Test aber oft durch eine Bluetooth-Maus ersetzt und abgeschaltet.

Erfahrungen zu Gearbest

Gearbest zählt zu einem der größten Anbieter von Elektroartikeln in China, führt aber auch andere Produktgruppen wie Kleidung etc. Die Bezahlung der Ware ist mit Paypal oder Kreditkarte möglich. Wir haben uns für Paypal wegen des Käuferschutzes entschieden. Der Versand kann einige Tage und auch Wochen dauern, da viele Produkte direkt aus Asien verschickt werden, andere aber aus Außenlagern, z.B. in England, kommen. Gearbest bietet verschiedene Versandarten an. Für deutsche Kunden empfiehlt sich Germany Direct Express als sichere und schnelle Versandart. Bei dieser Versandart übernimmt GearBest das Zollhandling, was für den Kunden über einen Partner in England. Diese Versandart kostet einen kleine Aufpreis, ist für den Kunden aber insgesamt billiger.

Damit die Produkte in die EU überhaupt eingeführt werden dürfen, hat der Versender einige Auflagen zu erfüllen, unter anderem Prüfprotokolle für die Akkus in dem Gerät. Das alles packte Gearbest vorbildlich der Sendung bei, deren Extra-Gebühren (Einfuhrzoll) entweder beim Zoll oder beim Paketboten zu bezahlen sind. DHL berechnet für den Service übrigens nochmals 28.50 Euro! Unser Rat ist daher, die Ware beim Zollamt selbst abzuholen.

In Sachen Gewährleistung zeigt sich Gearbest sehr offen und bietet auch 40 Tage Rücknahme an, wenngleich der Kunde das Rückporto zahlt.  Ob die Garantieabwicklung im Ernstfall problemlos erfolgt, müssen wir offen lassen.

Fazit

Hersteller wie etwa TrekStor bieten mit dem „Volkstablet“ Surftab Duo W 10.1 zu einem Preis von ca. 250 Euro Geräte mit vergleichbaren Leistungswerten, haben aber in aller Regel nur 10,1 Zoll Displaydiagonale und qualitativ schlechtere Anstecktastaturen, sind also eher Tablet mit Anstecktastatur als leichtes Ultrabook mit Tablet-Funktion. Geräte mit einer Displaygröße von 11 Zoll mit FullHD-Auflösung sind eher selten – und wenn, dann kosten diese deutlich über 300 Euro, sind dafür aber auch besser ausgestattet, z.B. das SurfTab Duo W2 von TrekStor. Notebooks mit 11.x Zoll-Display beginnen – von einigen Discounter-Angeboten abgesehen, bei 400 Euro. So bleibt das oBook eine Alternative zwischen zwei Welten zu einem günstigen, aber keinem Schnäppchenpreis und dem Pferdefuß einer englischen Tastatur. Die Mehrausgabe für das 4-GB-Modell ist so marginal, dass sich der Kauf der 2-GB-Variante auch kaum rechnet.

Onda Obook 11

Onda Obook 11

Onda oBook 11

 

Hersteller: Onda
Preis ca. 238 Euro inklusive Steuer und Zoll
System: Windows 10
Positiv: Geringes Gewicht, gutes Display, gute Tastatur, USB-Anschlüsse
Negativ: SSD sehr langsam, nur mit US–Tastatur-Layout verfügbar

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