Datum: | Artikel 2016, WT-News

SSD

Solid State Drives werden immer erschwinglicher und sorgen auch auf älteren Systemen für einen enormen Performanceschub. In dem folgenden Artikel beschreiben wir die verschiedenen Arten von SSDs, deren Vor- und Nachteile und geben Tipps zum Umzug von Festplatte auf SSD.

Vorteile, viele Varianten, günstige Preise

Seit unserem letzten Artikel zum Thema SSD unter Windows 7 und Windows 8 aus dem Jahr 2011 hat sich der Markt rasant weiterentwickelt. Die Kapazität der SSDs ist von anfangs mageren 128 GByte auf nun über ein TB gewachsen, die Preise dafür sind erheblich gefallen. Ein SSD  ist schon ab ca. 40 Euro zu bekommen, wenn auch nur mit 128 GB Kapazität und Transferraten, welche „nur“ 300% über denen von Festplatten liegen.

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Aber nicht nur die hohen Transferraten sind ein enormer Vorteil eines SSD. Gegenüber herkömmlichen Festplatten besitzt ein SSD keine Mechanik, da die Speicherzellen elektrisch ausgelesen werden. Damit ergibt sich faktisch keine Verzögerung. Die bei Festplatten gefürchtete Fragmentierung, welche den Schreib-Lesekopf immer wieder zu Neupositionierungen zwingt und damit die an sich schon mäßigen Transferraten weiter einbrechen lässt, spielt bei einem SSD keine Rolle. Im Gegenteil: Defragmentierung kann einem SSD sogar schaden, da die Speicherzellen nur begrenzt oft beschrieben werden können. Die Hersteller geben die Lebensdauer sehr unterschiedlich an. Damit die Speicherzellen gleichmäßig genutzt werden, kümmert sich die Elektronik darum, wohin die Daten jeweils geschrieben werden. Defragmentierung würde hier also gar nichts bringen. Moderne Betriebssysteme erkennen allerdings, ob sie sich auf einem SSD befinden und schalten entsprechende Automatismen ab.

Verschiedene Formfaktoren

SSDs gibt es nicht nur in der herkömmlichen Variante als Festplattenersatz mit SATA-Anschluss, welcher Datenraten bis zu 6 GBit pro Sekunde erlaubt. SSD mit solchen Anschlüssen werden in aller Regel im 2,5-Zoll-Format oder als M.2-Karte angeboten.

 

M2 SSD

M2 SSD, Oliver Sved – Fotolia.com

Noch schneller und kompakter geht es mit SSDs als PCIe-Steckkarten, welche das NVMe-Protokoll unterstützen. Diese Laufwerke bieten auch bessere Zugriffszeiten und können dank des neuen Protokolls auch komplexere Befehlssequenzen schneller als SATA-Geräte abarbeiten.

Von Dmitry Nosachev - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47185490

Von Dmitry Nosachev – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47185490

 

Solche SSDs lassen sich aber problemlos nur ab Windows 8 und auch nur auf 64-Bit-Systemen betreiben. Für Windows 7 wäre das Update KB2990941 notwendig, welches auch noch in das Installationsmedium, z.B. mit NTLite, eingebunden werden müsste. Selbstverständlich muss auch das Mainboard einen passenden freien Steckplatz besitzen.

Am einfachsten ist daher, gerade zum Aufrüsten bestehender Systeme, der Anschluss eines SSD analog zu normalen Festplatten über die SATA-Schnittstelle.

Auf z.B. ssdfestplatte.eu können SSD verglichen werden, um für Sie das beste Laufwerk in Sachen Performance oder Preis/Leistung zu finden.

Stark im Team

Die mitunter auf das Gigabyte gerechnet doch deutlich höheren Preise von SSDs gegenüber magnetischen Festplatten kompensiert man im Idealfall damit, dass man das System und die Programme auf ein SSD installiert, für die Datenablage aber weiterhin eine normale Festplatte verwendet. Der Zeitverlust durch das Laden der Daten von einer Festplatte statt von einem SSD ist hier zu vernachlässigen, wobei es auch Ausnahmen gibt: Wer viel mit virtuellen Maschinen arbeitet, profitiert gerade bei einem SSD von dessen Unempfindlichkeit gegenüber Fragmentierung, da die Snapshot-Dateien von Virtualisieren wie VMWare schnell ein paar Gigabyte belegen können und bei Fragmentierung auf einer normalen Festplatte die ganze VM ausbremsen können.

Mysterium TRIM

Um den TRIM-Befehl gibt es viele Mythen und Unklarheiten.

Konkret geht es um ein systembedingtes Problem von SSDs: Gegenüber herkömmlichen Festplatten können SSDs den Inhalt von Speicherzellen nicht einfach überschreiben. Vielmehr muss ein SSD den Inhalt einer Speicherzelle erst löschen, bevor diese neuen Daten aufnehmen kann. Bei zunehmender Nutzungsdauer und Belegung eines SSD tritt dieser Effekt immer häufiger auf und würde zu Performanceeinbußen führen.

Um das Problem zu entschärfen, gibt es den TRIM-Befehl. Damit wird das SSD angewiesen, als „frei“ markierte Speicherzellen zu löschen, so dass diese bei einer späteren Verwendung direkt beschrieben werden können.
Erste Generationen von SSDs mussten noch mit Spezialtools der Hersteller angewiesen werden, den als frei markierten Speicher auch wirklich zu löschen.

Neuere Generationen von SSDs kennen dagegen den TRIM-Befehl im Befehlssatz zusammen mit anderen Neuerungen wie Native Command Queuing, S.M.A.R.T. und Co.

Ob die eigene SSD TRIM unterstützt, können z.B. die Tools CrystalDiskInfo oder Trim Check auslesen.

crystaldiskinfo

crystaldiskinfo

Neuinstallation unproblematisch

Eine Neuinstallation auf einem SSD ist unproblematisch, da sich ein SSD wie eine normale Festplatte verhält. Dennoch raten wir vom Einsatz auf Systemen älter als Windows 7 ab. Grund hierfür ist, dass ältere Systeme für den Einsatz auf SSD nicht optimiert sind, viele Mechanismen wie Defragmentierung, PreFetch und Co. erst von Hand abgeschaltet werden müssten. Dazu kommt noch das Problem des Alignment auf Systemen bis Windows XP. Hierunter versteht man die Ausrichtung der Partitionen auf der Festplatte/SSD. Windows XP richtet das Alignment noch so ungünstig aus, dass die Performance darunter leidet.  Ob das Alignment stimmt, lässt sich über die Kommandozeile  prüfen.

Alignment von Festplatten über die Kommandozeile prüfen

Alignment von Festplatten über die Kommandozeile prüfen

Umzug auf SSD

Auch der Umzug eines bestehenden Systems auf ein SSD ist heute meist unproblematisch.

Vor dem Umzug sollten Sie prüfen, ob die alte Festplatte von der Größer her überhaupt auf die neue SSD geht – in aller Regel nicht, da Festplatten von 2 oder 3 TB Kapazität keine Seltenheit mehr sind. Lagern Sie Ihre Daten daher zunächst auf einen externen Datenträger aus, um eine Belegung der Systempartition zu erreichen, die auch auf das SSD passt.

Hilfsmittel ist hier entweder ein Tool des SSD-Herstellers, welche sich oft im Lieferumfang befindet, oder eine der vielen z.T. kostenlosen Image-Lösungen, welche wir zuletzt in dem Artikel Imageprogramme im Vergleich –  es muss nicht immer kostenpflichtig sein vorgestellt haben.

So bietet z.B. EaseUS Todo Backup Free  einen speziellen Assistenten zum Klonen von Datenträgern (Umzug auf SSD) und darüber hinaus auch noch eine ggf. notwendige Ausrichtung des Alignment.

Aber auch Partitionierungsprogramme wie Minitool Partition Wizard Free bieten sich an. Das kostenlose Tool besitzt einen Migrationsassistenten genau für solche Anwendungsfälle und kann auch die Größenunterschiede zwischen Festplatte und SSD anpassen.

Wizards von MiniTool Partition Wizard

Wizards von MiniTool Partition Wizard

Nach dem Umzug klemmen Sie die Festplatte ab oder ändern im BIOS/UEFI-Menü die Bootreihenfolge, damit Windows nun von dem SSD startet. Wenn alles geklappt hat, können Sie die Windows-Partition der Festplatte löschen und eventuell dahinter befindliche Datenpartitionen mit dem oben genannten Minitool Partition Wizard auch „nach vorne“ vergrößern.

Größenänderung MiniTool Partition Wizard

Größenänderung MiniTool Partition Wizard

Jetzt ist noch etwas Handarbeit notwendig, da Windows 7 ff.  ein SSD nur bei einer Neuinstallation problemlos als solches erkennt. Die in der Folge beschriebenen Optimierungen sind daher bei einem Transfer bestehender Installationen notwendig.

Defrag-Dienst abschalten, aber nicht unter Windows 8 oder Windows 10

Prüfen Sie zunächst, ob Windows 7 den Dienst zur automatischen Defragmentierung abgeschaltet hat. Dieser ist für SSD unnötig, da hier Fragmentierung keine Rolle spielt.  Wechseln Sie dazu in die Dienstverwaltung über services.msc in der Kommandozeile oder über die Systemsteuerung unter System -> Verwaltung -> Dienste.

Defrag Dienst

Defrag Dienst

Beenden Sie den Dienst und stellen Sie den Starttyp auf „Manuell“.

Sollten Sie herkömmliche Festplatten weiterhin defragmentieren wollen, können Sie dies über das Defragmentierungstool oder mit Hilfe zahlreicher, guter Alternativen erledigen.

Ab Windows 8 gibt es hier eine Änderung zu beachten: Der neue Storage Optimizer (Laufwerke optimieren) seit  Windows 8 defragmentiert und optimiert Laufwerke. Dort ist auch das SSD-Laufwerk aufgelistet. Windows 8 erkennt aber, dass es sich um ein SSD-Laufwerk handelt und defragmentiert dieses nicht. Vielmehr sendet Windows 8 an das SSD den TRIM-Befehl. Schalten Sie die Optimierung unter Windows 8 für SSDs daher nicht ab. Weitere Infos finden Sie in dem Tipp Optimierung von SSDs unter Windows 8 aktiv.

Superfetch

Auch Superfetch von Windows Vista, Windows 7 , Windows 8 und Windows 10, welches sich um die Analyse und Optimierung des Startverhaltens von System und Applikationen kümmert, sollte beendet und dauerhaft abgeschaltet werden, da das SSD von allen Stellen des Laufwerks die Daten gleich schnell laden kann. Sie finden den Dienst unter „SysMain“ bzw. „Superfetch“.

Superfetch

Superfetch

Weitere Optimierungen?

Ob es wirklich Sinn macht, den Ruhezustand über powercfg -h off oder die Indexierung abzuschalten, wie in vielen Foren und Webseiten zu lesen ist, muss jeder selbst entscheiden. Wir raten davon aber ab, da der Ruhezustand das System quasi einfriert und ein Fortsetzen an der Stelle erlaubt, wo man zuvor war, und der Indexdienst in Bruchteilen von Sekunden Dateitypen und -inhalte auflistet.

Intrografik: © Vector_Master – Fotolia.com

2 Antworten auf “Solid State Drives (SSD) unter Windows”

  1. blue1765

    Sehr schön beschrieben.
    Aber ein Fehler habt ihr drin, nicht sachlich.

    Bei ssdfestplatte.eu gibt es keine Verbindung, jedenfalls bei mir.
    Der Fehler ist ne falsche ADR. FF schreibt mir unten https..
    Richtig ist aber http://ssdfestplatte.eu/ ohne „s“. Jedenfalls erreiche ich ohne „s“ die Seite.

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