Datum: | Tests 2015

DiskStation DS415play

Die Vorstellung des 4-Bay NAS DS411 von Synology ist bereits einige Jahre her. Grund genug für uns, ein aktuelles Produkt aus dem Portfolio des NAS-Spezialisten Synology zu testen. Die Wahl fiel auf die DiskStation DS415play, welche nicht nur als riesige Dateiablage, sondern auch als ultimatives Medien-Center im Heimnetz eine gute Figur macht.

Vorzüge von Network Attached Storage

Waren NAS-Systeme früher nur für Firmen und größere Arbeitsumgebungen von Interesse, haben die fallenden Preise und zunehmende Vernetzung im Heimsegment dazu geführt, dass auch viele Privatanwender ein NAS-System einsetzen, was viele Vorzüge bietet:

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  • Gespeicherte Daten werden zentral vorgehalten und erlauben von jedem System aus den Zugriff.
  • Backups der Daten lassen sich mit Hilfe verschiedener Festplatten in einem NAS im Gerät und auch auf externen Datenträgern wie USB-Festplatten am NAS zentral erledigen.
  • Je nach Hersteller agieren die NAS-Systeme nicht nur als zentraler Datenspeicher, sondern bieten darüber hinaus noch weitere Dienste wie Webserver, Cloud-Funktionalität, Medienplayer und vieles mehr an.

Vorsprung durch geniales Betriebssystem: DiskStation Manager

Gerade im letzten Punkt hebt sich Synology seit Jahren positiv hervor. Deren Betriebssystem DiskStation Manger (DSM), welches zuletzt in Version 5.2 veröffentlicht und von uns vorgestellt wurde, ist nicht nur so intuitiv wie ein modernes Desktop-Betriebssystem zu bedienen, sondern bietet auch eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, z.B.:

  • komfortable Datensicherung & Replikation mit Cloud-Sicherung und -Sync
  • Multimedia-Funktionen für Fotos, Musik und Filme inklusive DLNA- oder iTunes-Server
  • Surveillance Station zur Steuerung und Überwachung von IP-Kameras
  • verschiedene Serverlösungen wie Proxy-, DHCP-, DNS-,RADIUS-, Web-, Mail- und Druckserver
  • VPN und QuickConnect-Dienst für Zugriffe von außen, auch bei dynamischer IP
  • Erweiterungsmöglichkeit für viele Anwendungsfälle durch nachinstallierbare Pakete (z.B. WordPress, Antivirus, Dupal, MediaWiki, Joomla, MariaDB, Perl) über das Paketzentrum.
Paketzentrum DSM

Paketzentrum DSM

Dabei lässt sich der DiskStation Manager wie ein Desktop-Betriebssystem bedienen, bietet verschiebbare Fenster, Taskleiste und bindet auf Wunsch sogar lokale Laufwerke in den Dateimanager auf dem NAS (File Station) ein.

DSM 5.2

DSM 5.2

Selbst Drag&Drop zwischen dem lokalen Rechner und der NAS-Oberfläche von Dateien ist möglich, um so z.B. Fotos oder Musik direkt in die passenden Ordner zu kopieren.

Kopieren in die FileStation

Kopieren in die FileStation

Für Backupaufgaben bietet das NAS selbst passende Lösungen wie Backups von Dateien auf dem NAS, wenn man beispielsweise kein RAID nutzen möchte, wichtige Daten aber dennoch zeitgesteuert auf eine andere Platte/Volume im NAS oder auf externe Datenträger kopieren will. Hierdurch spart man sich Speicherplatz und erhöht selektiv die Datensicherung für wirklich wichtige Daten. Selbst in verschiedene Cloud-Dienste sind Backups möglich, wenngleich das bei der üblichen Uploadrate von DSL eher die Ausnahme bleiben dürfte.

Backup

Backup

Die Datensicherung kann dabei über den File Version Browser sogar eine Versionsverwaltung aktivieren, um von einer Datei eine ältere Version wiederherzustellen.

File Version Browser

File Version Browser, Bildquelle: Synology

Natürlich kann die DiskStation auch als Backupziel von „Sichern und Wiederherstellen“ unter Windows dienen, da hier auch Netzwerkpfade als Backupziele akzeptiert werden (jeweils nur Pro-Version). Für Mac-Systeme kann die DiskStation auch als Ziel für Time Machine verwendet werden.

Sichern und Wiederherstellen Windows 7

Sichern und Wiederherstellen Windows 7

Der Funktionsumfang des DSM ist gewaltig und würde den Rahmen dieser Vorstellung, bei der wir den Schwerpunkt auf Heimnetz und Multimedia gelegt haben, sprengen.

DSM 5.2

DSM 5.2

Synology bietet ergänzend eine breite Vorstellung des DSM auf seiner Webseite und hier sogar eine Vielzahl von Videos der verschiedenen Möglichkeiten.

Hardware

Bei der DiskStation DS415play handelt es sich um ein 4-Bay-NAS in klassischer Bauform mit einem Leergewicht (ohne Festplatten) von 2 Kilogramm und den Abmessungen 165x203x233.2 mm.

DS415play

DS415play Frontansicht, Bildquelle: Synology

Gegenüber den NAS-Systemen aus dem Jahre 2011 hat Synology die Geräte der DSXXX-Serie optisch sehr ansprechend überarbeitet.

DiskStation DS415play

DiskStation DS415play, Bildquelle: Synology

Als Arbeitsspeicher bekam das NAS 1 GB RAM und eine DualCore CPU mit einem Takt von 1.6 GHz spendiert, welche mit Hilfe einer integrierten Gleitkommaeinheit für eine höhere Verarbeitung von Vorschaubildern und auch Durchsatzraten beim Lesen und Schreiben im Raid mitverantwortlich ist. Synology gibt einen Wert von 112,35 MB/s lesend und 98,58 MB/s schreibend unter einer RAID-5-Konfiguration in einer Windows-Umgebung an, wobei diese Werte je nach System (Hardware, Betriebssystem etc.) variieren können. Die Werte konnten wir mit ATTO Disk Benchmark nicht ganz bestätigen, verwendeten aber auch eine „normale“ Testumgebung aus Windows 7 und normalen Desktop-Festplatten. Lesend kamen wir auf bis zu 92 MB/sec und schreibend auf 64 MB/sec bei Messung mit ATTO Disk Benchmark.

ATTO Disk Benchmark

ATTO Disk Benchmark

Die Werte können je nach Programm und Umgebung erheblich variieren, so dass wir folgend die Messwerte von Synology zum Vergleich mit anderen Systemen verwenden.

Performanceübersicht des Herstellers für 4-BAY-NAS.

Benchmark 5 GB Transfer

Benchmark 5 GB Transfer, Bildquelle: Synology

Benchmark 1 MB x 5000

Benchmark 1 MB x 5000, Bildquelle: Synology

Wie sehr die Werte abhängig sind von der Dateigröße und der Frage, ob Verschlüsselung eingesetzt wird, verdeutlicht der Vergleich der Werte für 1MB x 5000 Files ohne (oben) und mit AES-Verschlüsselung (unten).

Benchmark 1 MB x 5000 AES

Benchmark 1 MB x 5000 AES, Bildquelle: Synology

Ursächlich hierfür sind die bessere CPU-Ausstattung und mehr RAM in den größeren NAS-Systemen. Gegenüber der DS415+, welche mit einen QuadCore-Prozessor und dem Doppelten an RAM ausgestattet ist, schlägt sich die DS415play aber mehr als gut. Wer in großen Mengen mit kleinen Dateien in Arbeitsgruppen arbeitet oder die Daten immer hardwareverschlüsselt abspeichern will, sollte diese Leistungswerte beachten und mitunter zu einem größeren System greifen. Für ein Heimnetz, welches als Zielgruppe der DS415play klar anvisiert ist, reichen die Werte aber mehr als aus, zumal meist die Netzwerkanbindung (LAN zu WLAN) der bremsende Faktor ist.

Den Leistungsverbrauch im Ruhezustand der Festplatten gibt der Hersteller mit 17 Watt an, wobei die beiden Lüfter mit einer Abmessung von 92×92 mm je nach Bedarf im Kühl- oder Silentmodus arbeiten. Als Geräuschpegel gibt der Hersteller 20.dB(A) an.

Anschlüsse und Einschübe

An der Frontseite bietet das NAS einen USB-2.0-Port und auf der Rückseite zwei USB-2.0- sowie zwei USB-3.0-Ports. Die LAN-Schnittstelle entspricht dem 1GbE LAN-Standard. Über ein WLAN-Dongle (Kompatibilitätsliste) kann das NAS auch per WLAN angebunden werden. Ein USB-3.0-Anschluss an der Frontseite wäre aus unserer Sicht die bessere Lösung gewesen.

DS415play

Rückansicht DS415play, Bildquelle: Synology

Das Innenleben fasst bis zu 4 Festplatten (SATA II) mit einer Größe von 2.5 und 3.5 Zoll, welche ohne Werkzeug montiert und sehr einfach ein- und ausgebaut werden können. Die Laufwerke sind HotSwap-fähig, können demnach im laufenden Betrieb gewechselt werden.

Festplatteneinbau im DS415play

Festplatteneinbau im DS415play,Bildquelle: Synology

Die maximale Kapazität beträgt derzeit 32 TB bei Nutzung von 4 Festplatten mit je 8 TB als Einzelgröße. Ein einzelnes Volume kann maximal 16 TB fassen. Als Dateisystem für interne Laufwerke wird EXT4 verwendet, externe Datenträger werden in EXT3, EXT4, FAT, NTFS und auch HFS+ akzeptiert. Als Betriebsart für die Volumes kennt Synology neben den klassischen Standards Basic, JBOD und RAID 0, 1, 5, 6 und 10 auch den Synology Hybrid RAID, welcher gegenüber den klassischen RAID-Leveln den maximal nutzbaren Speicher erhöht, indem SHR jedes Festplatten-Volume in kleinere Bereiche und zusätzlichen redundanten Speicher erstellt.

Für ein Gerät dieser Leistungsklasse üblich, unterstützt das NAS auch WOL (Wake on LAN), um das Gerät aus dem Schlafmodus zu holen, wenn es benötigt wird. Dies kann mit Hilfe von WOL-Tools unter Windows, speziellen WOL-Apps oder dem Synology Assistant erfolgen.

Synology Assistant

Synology Assistant

Mit diesem Tool wird auch die Ersteinrichtung des NAS vorgenommen. In unserem Test konnten wir die Festplatten aus einer defekten DS411 einfach in die DS415play einbauen, neu einrichten und Daten sowie Einstellungen problemlos übernehmen.

Installation

Installation

Multimediazentrale

Wie alle NAS aus dem Hause Synology glänzt auch die DS415play mit einer breiten Unterstützung von Netzwerkprotokollen für Windows, Linux und Mac (wie FTP, SMB2, AFP, NFS sowie WebDAV) und lässt sich auch in einer Active Directory oder ein LDAP-Verzeichnis einbinden.

Das Play im Namen verdankt das NAS aber seinen Multimediafähigkeiten: Die DS415play bietet eine Hardwaretranskodierung von Videomaterial mit bis zu 1080p und damit beste Qualität auf unterschiedlichen Geräten.

Transkodierung

Transkodierung, Bildquelle: Synology

Mit der Hardwaretranskodierung wandelt die Hardware im NAS das Video in ein Format um, welches das Zielgerät wiedergeben kann. Synology zählt die DS415play damit zu den Geräten der Gruppe 1. In einer Übersicht wird beschrieben, wie sich die Gruppen – je nach Zielgerät – verhalten. Wird beispielsweise ein Video auf einen Apple TV gestreamt, konvertiert die Hardware das Video in MP4 bis zu 1080p. Für DLNA-Geräte, welche über den Medienserver bedient werden, transkodiert das NAS auf TS mit bis zu 1080p.

Medienserver

Medienserver

Damit muss sich der Anwender in aller Regel keine Sorgen machen, dass sein Videomaterial auf dem Zielgerät nicht wiedergegeben werden kann.

Robuster Medienserver

Herzstück der Medienverteilung im Netz ist der DLNA-zertifizierte UPnP-Medienserver. Dieser stellt freigegebene Medieninhalte wie Videos, Fotos und Musik im Netzwerk zur Verfügung, welche in benutzerdefinierten Bibliotheken oder als Dateiordner auf einer Vielzahl von Endgeräten direkt wiedergegeben werden können, darunter z.B. Spielekonsolen wie die Playstation 3 oder Playstation 4 oder Xbox360, aber auch viele Smart-TV-Geräte, z.B. von Panasonic oder Samsung.

Für viele Geräte bietet der Medienserver auch eigene Profile.

Profile

Profile

Mobile Helfer

Für andere Endgeräte wie z.B. Smart TV, Chromecast, Apple TV oder ROKU bietet Synology auf den Plattformen jeweils eigene Softwarelösungen, welche die Wiedergabe der Medieninhalte bequem ermöglichen. DS photo, DS video und DS audio sind dabei auf die Besonderheiten der jeweiligen Plattformen zugeschnitten und bieten vielfältige Sortier-, Such- und Abspielmöglichkeiten:

DS Video

DS Video, Bildquelle: Synology

 

DS Photo

DS Photo, Bildquelle: Synology

Die mobilen Apps können die Inhalte vom NAS auch herunterladen und damit offline, mobil wiedergeben.

Multimedia direkt vom NAS

Unterstützt werden die mobilen Apps wie auch der Medienserver durch die Video Station, Audio Station und Photo Station auf dem NAS selbst.

Jede dieser Anwendungen bietet Verwaltungsmöglichkeiten und das Anlegen und Indizieren eigener Medienbibliotheken, welche dann wiederum dem Medienplayer und den Apps zur Verfügung stehen. Die Inhalte können direkt über die Webanwendung im Browser oder auf erkannten Digitalen Media Adaptern (DMA) wie z.B. einem Smart-TV, Apple-TV oder anderen Geräten wiedergegeben werden. Der dritte Weg ist natürlich über die zuvor genannten Apps direkt auf dem Endgerät, z.B. Tablet oder Smart-TV.

Video Station organisiert die Film- und Seriensammlungen und bereitet sie mit Covern und Informationen aus dem Internet selbstständig auf. Dazu kann der Anwender eigene Sammlungen, z.B. Filme, Serien, Privatvideos, erstellen und angeben, wo auf dem NAS sich die Inhalte befinden.

Video Station

Video Station

Nach dem Scan der Verzeichnisse versucht die Video Station anhand der Dateinamen und Meta-Informationen zu erkennen, um welchen Film oder welche Serie es sich handelt, und vervollständig die Datenbank optisch sehr ansprechend mit Covern und Informationen zu den Filmen oder Serien.

Video Station

Video Station, Filme

Video Station

Video Station, Serien

Für erkannte Serien gibt es sogar einen ausführlichen Episodenguide.

Video Station Serien

Video Station Serien

Audio Station bietet Zugriff auf die eigene Musik auf dem NAS, gefiltert nach eigenen Playlists, Album, Interpret, Genre oder Ordner.

Audio Station

Audio Station

Audio Station

Audio Station

Neben lokaler Musik kann Audio Station auch Webradio wiedergeben. Dabei greift Audio Station auf das Shoutcast-Verzeichnis zurück.

Das Musikverzeichnis beinhaltet aber keine deutschen, regionalen Sender. Aber auch dies ist kein Problem: Dazu legt man einfach einen benutzerdefinierten Radiosender an.

Audio Station, Webradio

Audio Station, Webradio

Die dazu notwendigen URLs bieten Webseiten wie Stream-URL.de

Photo Station ist für Bilder zuständig und erlaubt die Verwaltung eigener Fotos in virtuellen Alben sowie verschiedene Arten der Präsentation.

Photo Station

Photo Station

Photo Station

Photo Station

Weitere Multimedia-Server

Für Apple-Nutzer steht ein iTunes Server bereit, welcher die Medieninhalte in iTunes im Netzwerk einbindet und auch an iTunes-Clients gestreamt werden kann.

Daneben bietet Synology die beliebten Plex Media Server, Logitech Media Server oder z.B. den DVBLink Server als weitere Erweiterungen an.

Medienpakete

Medienpakete

Cloud und Co.

Neben den lokalen Anwendungsgebieten bietet der DiskStation Manager noch viele Funktionen rund um die Cloud und Konnektivität über das Internet auf das NAS. Diese stellen wir in Kürze in einem gesonderten Artikel vor.

Fazit

Wie alle NAS aus dem Hause Synology profitiert auch die DS415play von dem enormen Leistungsumfang des DiskStation Mangers mit all seinen Möglichkeiten, wobei wir uns in dieser Vorstellung auf die Multimedia-Funktionen und sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten in Heimnetzen beschränkt haben. Die Wahl des richtigen NAS hängt damit vom Einsatzgebiet und den Leistungsansprüchen ab. Funktionell gibt es dank des DSM grundsätzlich fast keine Unterschiede.

Für den Preis von etwa 400 Euro bekommt man mit dem DS415play ein leistungsfähiges 4-BAY-NAS dieser Klasse. Wer die Hardwaretranskodierung nicht braucht, kann allerdings auch zu einem günstigeren NAS wie dem DS414 greifen, welches statt der Hardwaretranskodierung ein Hardware-Verschlüsselungsmodul bietet und dadurch bei verschlüsselten Dateien bessere Durchsatzraten erzielt. Mit Leistungsabstrichen wäre auch noch das DS414slim eine Alternative. Für echte Multimedia-Fans führt aber bei der NAS-Wahl kaum ein Weg am DS415play vorbei.

Intrografik: Synology

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