Datum: | Tests 2016

Synology RT1900ac schräg

Synology, eigentlich bekannt für ausgereifte und innovative NAS-Systeme, hat nun auch einen WLAN-Router vorgestellt, welcher wie seine NAS-Brüder vor allem mit einer tollen Weboberfläche aufwarten kann. Aber auch die technische Seite machte uns neugierig auf den Newcomer.

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Synology = NAS mit DSM

Bei dem Hersteller Synology denken computeraffine Anwender sofort an NAS-Systeme, ist das doch seit Jahren das Kerngeschäft von Synology, durchaus erfolgreich. Auch WinTotal hatte in der Vergangenheit eine Vielzahl von Systemen vorgestellt, z.B. das DS415play.

Allen NAS-Systemen gemeinsam ist die komfortable Weboberfläche DiskStation Manager, welche sich wie ein Desktop-Betriebssystem bedienen lässt, viele  Erweiterungen bietet und Hand in Hand mit Apps auf mobilen Plattformen interagiert.

Router oder NAS?

Mit dem Router RT1900ac  betritt Synology aber Neuland und trifft im „Fritz!Box“- und „Speedport“-Land auf starke Gegner. Hier gilt es also mit Technik und Bedienung zu überzeugen und so neue Kunden zu gewinnen.

Hands on

Bei dem Router handelt es sich um einen WLAN-Router für Heimanwender, aber auch kleinere Büroumgebungen. Der Router ist ganz in Schwarz gehalten und auf der Rückseite mit drei geschraubten WLAN-Antennen ausgestattet.  An der Front finden sich neun grüne Statusleuchten.

RT1900ac Front

RT1900ac Front, Bildquelle: Synology

Rechtsseitig ist der Router mit einer USB 3.0-Schnittstelle und einem SD-Kartenleser (SDXC, SDHC) ausgestattet.  Die USB-Schnittstelle liefert dabei mit 5 V und 1.5 A genug Strom, um eine 2.5“-Festplatte direkt am Port zu betreiben.

Synology RT1900ac rechts

Synology RT1900ac rechts, Bildquelle: Synology

Rückseitig finden sich neben einem Einschalter und Stromanschluss 4 x Gigabit LAN- (RJ-45) sowie ein Gigabit WAN-Port, da der Router über kein integriertes DSL-Modem verfügt. Linksseitig befinden sich ein Schalter zum Ein-/Ausschalten von WLAN sowie die WPS-Taste.

Synology RT1900ac Rückseite

Synology RT1900ac Rückseite, Bildquelle: Synology

Technik

Der  RT1900ac ist sehr potent ausgestattet und wird von einer  Dual Core-CPU mit  1,0 GHz Takt angetrieben, dem 256 MB DDR-Speicher zur Verfügung stehen. Der Router unterstützt IEEE 802.11a/b/g/n/ac und verfügt über zwei Funkmodule, kann also 2,4 GHz und das 5 GHz-Band gleichzeitig bedienen.  Dabei unterstützt der Router für WLAN die Beamforming-Technologie: Statt die WLAN-Signale in alle Richtungen gleichmäßig abzustrahlen, fokussiert der Synology RT1900ac WLAN-Signale auf bis zu sechs unterstützte Geräte, verringert damit die Latenz, senkt den Stromverbrauch und verbessert die WLAN-Reichweite.

Die weiteren technischen Daten wären:

Ausstattung  Synology RT1900ac
CPU-Modell Dual Core 1,0 GHz
Speicher 256 MB DDR3
Antennen 3×3 MIMO omnidirektionale, abnehmbare Dipolantenne mit hoher Verstärkung (2,4/5 GHz)
Antennenverstärkung 2.4GHz 3.5dBi, 5GHz 4.6dBi
LAN-Ports Gigabit (RJ-45) x 5, davon einer für WAN
Externe Ports USB 3.0 x 1 (5 V, 1,5 A Stromausgang)
SD Kartenleser x 1(SDXC, SDHC)
Abmessungen 66 mm x 206 mm x 160 mm (H*B*T)
WLAN
IEEE 802.11ac Kategorie 1900 IEEE 802.11a/b/g/n/ac
Simultan-Dual-Band-WLAN
2,4 GHz: 600 MBit/s (256-QAM unterstützt)
5 GHz: 1300 Mbps
Weitere Funktionen Beamforming, WPS 2.0 (Wi-Fi Protected Setup 2.0), Gäste-WLAN
Maximaler MAC Filtereintrag 64
wählbare Kanäle 5 GHz 36-112
Betriebsmodi Router, Access Point, WLAN-Client (Bridge)
Netzwerk
Internetverbindung Dynamische IP, Statische IP, PPPoE
Portweiterleitung Einrichtung über manuelle Verwaltung und UPnP
Port Triggering ja
DMZ ja
IPv6 IPv6 DHCP Server/Client, IPv6 tunneling
DHCP Server-/Client-Modus, Client-Liste, MAC-Adressreservierung
VPN VPN Server/Client (PPTP, OpenVPN, L2TP/IPSec)
VPN pass-through (PPTP、IPSec、L2TP)
Sonstiges Kindersicherung und Zeitbeschränkung, Sicherheitsberater, DNLA-Medienserver, Fileserver, Download-Station, Radius Server, VPN Server, Druckserver, mobile Apps, Datenfluss-Steuerung

Die Ausstattung, vor allem CPU und die Funkmodule, hat aber auch ihren Preis. Im Betrieb verbraucht der Router dennoch über 10 Watt pro Stunde. Für einen Router ein eher hoher Wert.

Funktionalität

Bereits die Einrichtung des Routers ist sehr schon gelöst. Der Anwender verbindet sich mit dem Router per LAN-Kabel oder WLAN über den Browser und gibt zunächst den Benutzernamen und das Kennwort für die Administration ein.

Einrichtung Synology RT1900ac

Einrichtung Synology RT1900ac

Im Anschluss legt man das WPA-Kennwort sowie die Betriebsart fest.

Einrichtung Synology RT1900ac

Einrichtung Synology RT1900ac

Neben dem Router-Modus kann das Gerät auch als Access-Point oder  WLAN-Client betrieben werden.

Betriebsart

Betriebsart

Für den Router-Betrieb sind weitere Angaben dazu notwendig, wie das Gerät eine Verbindung mit dem Internet herstellen kann. Für unseren Test haben wir den RT1900ac über den WAN-Port mit einer Fritz!Box verbunden, deren IP (192.168.1.1) als Gateway und DNS-Server verwendet und den Synology-Router mit einer IP-Adresse (192.168.2.1)  außerhalb des Adressbereichs des „Fritz! Netzes“ (192.168.1.x) als DHCP-Server für die daran angemeldeten Clients eingerichtet.

Manuelle IP

Manuelle IP

Alternativ kann auch ein DSL- oder Kabel-Modem direkt am Router angeschlossen und die notwendigen Zugangsdaten können in der Maske eingegeben werden. Über die USB-Schnittstelle am Router kann auch ein 3G-/4G-(LTE)-USB-Modem verwendet werden. Die Liste der unterstützten Geräte ist derzeit aber noch überschaubar, sie umfasst Modelle, welche von der Telekom oder Vodafone vertrieben werden. Eventuell gehen auch andere Geräte, Synology gibt hierfür aber keine Gewähr.

3G/4G Dongle

3G/4G Dongle

Intrografik: Synology

Mobile Einrichtung  und Administration

Zur Einrichtung  kann man auch DS router auf einem Android- oder iOS-Gerät installieren  und damit die notwendigen Schritte durchführen. Die App dient dann später auch zur Administration und Überwachung des Routers, zeigt z.B. den aktuellen Traffic  des Routers und der verbundenen Clients an.

DS Router

DS Router

DS router

DS Router

DS router

DS Router

Willkommen auf dem SRM

Das Betriebssystem mit seiner desktopartigen Oberfläche nennt sich Synology Router Manager (SRM) und steht dem großen Bruder DSM auf den NAS-Systemen in nichts nach. Statt Webbuttons und Textlinks bietet Synology hier gewohnte Qualität: Die Oberfläche bedient sich wie ein Desktopbetriebssystem mit Taskleiste, verschiebbaren Fenstern, Verknüpfungen auf dem Desktop und vielem mehr.

SRM

SRM

Der Button oben links ist quasi das Startmenü und zeigt die installierten „Pakete“ auf dem Router an.

SRM

SRM

Im Netzwerkcenter hat man die wichtigsten Einstellungen des Routers im Überblick.

Netzwerkcenter

Netzwerkcenter

Netzwerkcenter, WLAN

Netzwerkcenter, WLAN

Neben normaler WLAN-Funktionalität kann der Administrator auch Gästenetze öffnen, den Zugriffspunkt vom übrigen LAN-Verkehr isolieren und den Zugang pauschal befristet freischalten.

Gästenetzwerk

Gästenetzwerk

Das lokale Netz bietet einen DHCP-Server mit Funktionen wie DHCP-Reservierung, statischen Routen und IPv6-Unterstützung.

Lokales Netzwerk

Lokales Netzwerk

Im Bereich Kindersicherung können für bestimmte Rechner Benutzungszeiten und Filterlisten für Webzugriffe festgelegt werden, wobei die Clients über die MAC-Adresse identifiziert werden.

Zeitbeschränkung

Zeitbeschränkung

Kindersicherung

Kindersicherung

Gerade für Streaming oder andere zeit- oder volumenintensive Anwendungen kann die Datenfluss-Steuerung für jeden Netzwerk-Client gesondert eingestellt werden. Für bestimmte Ziele oder Traffic-Arten wie YouTube oder Spotify kann  eine Bandbreitenbeschränkung festgelegt werden, um andere Anwendungen nicht zu stören.

Datenfluss-Steuerung

Datenfluss-Steuerung

Sicherheitsberater und weitere Möglichkeiten

Ein Novum ist der Sicherheitsberater des SRM. Dahinter verbirgt sich eine Analysesoftware für Router- und Netzwerkeinstellungen in Bezug auf mögliche Sicherheitslücken durch falsch konfigurierte Firewall- oder Dateifreigaben über z.B. WebDAV. Sie gibt Hinweise bzw. Verbesserungsvorschläge, beispielsweise WebDAV nur für https freizugeben

Sicherheitsberater

Sicherheitsberater

Sicherheitsberater

Sicherheitsberater

Das Betriebssystem bietet bereits einige sinnvolle Erweiterungen, z.B. die Netzwerktools, mit denen man Ping, Traceroute oder WOL für Clients nutzen kann.

Tools

Tools

Mit QuickConnect, dem DynDNS-Dienst von Synology, kann man – analog zu den NAS-Systemen – auch von extern auf den Router bzw. die Dateifreigaben zugreifen, sofern man dies möchte.

Erweiterungen

Die Funktionalität des Routers lässt sich durch Pakete jederzeit erweitern. Zum Zeitpunkt der Vorstellung bietet Synology selbst fünf Erweiterungen an: Download Station zum Download von Dateien aus dem Internet über BT, FTP, HTTP, NZB, Thunder, FlashGet, QQDL und eMule, Media Server als DLNA-konformen Zuspieler für das heimische Netz (zuletzt gesondert vorgestellt im Zusammenhang mit der ds415play), VPN Server mit Unterstützung von PPTP, OpenVPN und L2TP, DNS Server sowie Radius Server. Wie auch für die Synology-NAS dürfte die Nutzergemeinde noch eigene Lösungen anbieten, welche sich nach Erweiterung der Quellen auch direkt über den Router auswählen und installieren lassen.

Erweiterungen

Erweiterungen

Sobald man eine der Erweiterungen installiert, welche z.B. neue Filterregeln für die Firewall erfordert, meldet sich diese mit einem Popup-Fenster.

Firewall

Firewall

Speicher, Medien und Drucker

Der Router kann einen USB-Drucker mitunter auch netzwerkfähig machen, welcher dann für alle Clients im LAN nutzbar ist. Die Auswahl der Drucker, welche von Synology bisher für den Router getestet wurden, ist aber noch sehr mager. Hier hilft einfach Probieren.

Angeschlossene Datenspeicher (USB) oder eingelegte Speicherkarten lassen sich unter Speicher und Drucker verwalten.  Hier werden angeschlossene Speicher angezeigt und sind – entsprechende Freigaben vorausgesetzt – als Dateifreigabe oder über den Webbrowser abrufbar. Auch der mobile Zugriff mit dsFile ist möglich.

Speicher

Zugriff auf Speichermedien über Dateibrowser oder Webbrowser

Für den Zugriff bietet Synology die bereits vom DSM bekannten Möglichkeiten der Rechteverwaltung.

Rechteverwaltung

Rechteverwaltung

Beim Zugriff auf Dateien schlägt dann die Stunde des RT1900ac: Während viele Router mit angeschlossenen Datenspeichern eher nur tröpfchenweise die Daten durch das Netz leiten, kommt der RT1900ac hier für einen Router auf sehr gute Werte. Die Daten von unserer USB3-Festplatte konnten per Windows-Netzwerkzugriff mit bis zu 40 Mbyte/sec gelesen und geschrieben werden.

Unter „Speicher und Drucker“ wird bei installiertem Medienserver auch festgelegt, welche Ordner auf dem Datenspeicher indiziert und für welchen Medientyp freigegeben werden.

Medienindizierung

Medienindizierung

Fazit

Mit dem RT1900ac ist Synology ein gelungener Einstand gelungen. Der Router kann sowohl für „SoHo“- wie auch für Heimanwender gleichzeitig punkten, bietet er doch viele Funktionen aus beiden Welten. Neben den ausgereiften Netzwerkfunktionen, schnellem WLAN und toller Oberfläche ist auch der schnelle Transfer von Dateien angeschlossener Datenspeicher in der Preisklasse ein echtes Highlight und dürfte gerade für Heimanwender im Zusammenspiel mit dem Medienserver die Einrichtung eines echten NAS eventuell entbehrlich machen. Ob Synology damit im Heimsegment aber der große Durchbruch gelingt, bleibt fraglich. Gerade für Heimanwender, welche vorrangig Router mit integriertem (V)DSL-Modem einsetzen, dürfte der Einsatz eines Routers ohne DSL-Modem nicht ganz so trivial sein. Kabelkunden dagegen kennen in aller Regel die Trennung von Modem und Router, sie dürften weniger Anschlussprobleme haben.

Für den Soho-Bereich fehlt aus unserer Sicht noch die Möglichkeit, den Router auch für VoiP einzusetzen und herkömmliche Telefone am Router weiter zu benutzen. Gerade in diesem Punkt spielen in Deutschland Geräte der Telekom oder AVM ihre Stärken aus.

Wer „nur“ einen guter Router für WLAN und Medienverteilung sucht, sollte den Synology RT1900ac aber auf jeden Fall in die engere Wahl einbeziehen.

Synology RT1900ac schräg

Synology RT1900ac

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Hersteller: Synology
Preis ca. 160 Euro
System: Windows, Linux, MacOS
Positiv: Tolle Benutzeroberfläche, gute WLAN-Funktionalität, hoher Datendurchsatz für angeschlossene Datenspeicher, mobile Apps
Negativ: Nur ein USB-Anschluss

Intrografik: Synology

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