Datum: | Tests 2017

Windows 10 Fall Creators Update

Wohl im September 2017 wird das nächste Feature-Upgrade für Windows 10 verfügbar sein, welches den Namen Fall Creators Update (intern Redstone 3) trägt und einige Neuerungen bieten wird. Wir haben uns die aktuelle Build-Version 16251.1000 angeschaut, welche schon sehr nahe an der finalen Fassung sein dürfte.

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Alle sechs Monate Feature-Upgrades für Windows 10

Bereits bei der Einführung von Windows 10 im Jahr 2015 versprach Microsoft, dass man vermutlich alle sechs Monate große Updates herausbringen werde, welche Windows 10 immer wieder etwas verändern und modernisieren. Microsoft hat Wort gehalten und uns bisher die Updates auf Version 1511 Herbst Update, 1607 Anniversary Update und zuletzt 1703 als Creators Update beschert, wie auch die Update-History für Windows 10 verdeutlicht.

Bald verfügbar: neue Features für Windows 10 mit dem Fall Creators Update

Für das nun im September anstehende Fall Creators Update hat Microsoft bereits recht früh verkündet, was der Anwender alles an Neuerungen zu erwarten hat. So konnte man auf der Build 2017 bereits erfahren, dass Microsoft an einer neuen Oberfläche mit dem Namen „Fluent“ für Windows 10 bastelt und diese im Fall Creators Update das erste Mal in Teilen speziell für die Stifteingabe zeigen wird.

Windows Story Remix war eine der weiteren Ankündigungen – sie sorgte bei der Präsentation für viel Begeisterung. Die Foto- und Video-App erkennt nicht nur Personen und kann diese sortieren, sondern bietet auch vielfältige Möglichkeiten, Videos und Fotos wesentlich ansehnlicher zu präsentieren.

Weitere Ankündigungen betrafen Funktionen wie Files On-Demand für OneDrive, welche lokal keinen Speicherplatz belegen, Clipboard als eine Art Zwischenablage für alles, welche sich über Plattformen hinweg synchronisieren kann, sowie Windows Timeline. Dahinter verbirgt sich eine Funktion, das System zu jedem Zeitpunkt davor – wie in einem Kalender – zurückzusetzen.

Timeline

Timeline, Bildquelle: Microsoft

Microsoft hatte in der Vorstellung auf der Build 2017 alle kommenden Neuerungen in einem Video zusammengefasst und auch eine Seite eingerichtet, auf welcher die kommenden Features nochmals beworben werden.

Ob wirklich alle Features mit dem Redstone-3-Update kommen, ist aber eher fraglich. So wurde kürzlich bekannt, dass Story Remix möglicherweise doch nicht im nächsten Update enthalten sein wird. Microsoft relativierte die Aussage dahingehend, dass der Ersatz für Microsoft Fotos zum Launch im Store angeboten wird. Auch die Timeline ist noch nicht „safe“, wie ein Tweet von Joe Belfiore, Chef der Operating Systems Group bei Microsoft, bestätigt.

Blick in den aktuellen Build 16251.1000

Wir haben uns Build 16251 von Anfang August 2017 installiert, welcher schon sehr nahe am Fall Creators Update sein soll, aber noch immer die angekündigten Neuerungen wie Timeline, „Fluent“, Clipboard oder Windows Story Remix vermissen lässt. Dennoch gibt es bereits viele Neuerungen.

Neuerungen an der Oberfläche

An der Windows-Oberfläche hat Microsoft nur behutsam Veränderungen vorgenommen. Der Start-Bereich kann nun auch diagonal in der Größe verändert werden.

Windows 10 Fall Creators Update

Start von Windows 10 Fall Creators Update

Scroll-Leisten verkleinern sich, wenn der Cursor sich nicht in deren Nähe befindet. Das Action Center wurde etwas aufgewertet und „Meine Kontakte“ findet sich nun in der Taskbar und bietet Schnellzugriff auf Kontakte und damit verbundene Apps. Das Batterie-Symbol in der Taskleiste hat nun einen Schieberegler, um Power Throttling für unterstützte CPUs zu aktivieren und damit Energie zu sparen.

Support für Android und iPhone

In den Einstellungen findet sich nun eine Möglichkeit, ein iPhone oder Android-Smartphone mit Windows 10 zu verbinden.

Smartphone-Anbindung

Smartphone-Anbindung

Dies macht dann Sinn, wenn der Anwender auf den mobilen Geräten auch „Microsoft Apps“ nutzt und so geräteübergreifend arbeiten und spielen kann. Dokumente, Webseiten oder Spiele können dann über das Microsoft-Konto auch auf den mobilen Plattformen und umgekehrt genutzt wurden. So finden sich in passenden Apps dann auch „Teilen-Funktionen“, um Inhalte wie Webseiten auf dem Desktop-Browser Edge weiter zu nutzen.

Nutzung von Smarthphones

Nutzung von Smarthphones, Bildquelle: Microsoft

Verbesserungen an Microsoft Edge

Microsoft Edge kämpft noch immer um seine Daseinsberechtigung. Dennoch ist Microsoft weiterhin bemüht, den Browser auf den Stand anderer Browser zu bringen und hat an vielen Stellen die Bedienung etwas verändert, vereinfacht oder erweitert. Neu ist beispielsweise die Möglichkeit, PDF-Dateien im Browser nun auch auszufüllen und zu markieren oder EPUB-Dateien zu lesen. Ein neues Feature ermöglicht, auch markierten Text von Webseiten und PDF-Dokumenten „laut vorzulesen“.

Microsoft Edge Vorlesen

Microsoft Edge Vorlesen

Webseiten lassen sich nun – wie im Internet Explorer 11 – an die Taskbar pinnen. Favoriten lassen sich nun auch einer Baumstruktur organisieren und die URLs von vorhandenen Favoriten nachträglich noch editieren. Sollte wirklich jemand von Google Chrome auf Microsoft Edge migrieren wollen, ist dies nun möglich, da sich auch Einstellungen und Cookies von diesem Browser importieren lassen.

Files On-Demand in OneDrive

OneDrive, der Cloud-Speicher für Dateien von Microsoft, kennt eine neue Möglichkeit, die Synchronisierung zwischen Cloud und lokalem Gerät besser zu koordinieren. Bisher konnte man nur eine 1:1-Synchronisierung erreichen oder bestimmte Ordner lokal ausnehmen, welche dann nur über die Webseite von OneDrive zu erreichen waren. Umständlich! Mit dem Fall Creators Update zeigt OneDrive den Status einer Datei oder eines Ordners an. Ist das Element lokal verfügbar, bekommt es einen grünen Haken, sonst eine blaue Wolke als Symbol, dass die Datei derzeit nur online verfügbar ist.

OneDrive

OneDrive Dateistatus

Möchte man nun lokal Speicherplatz sparen, kann man über das Kontextmenü den Speicherplatz freigeben. Die Datei wird dann zwar weiter angezeigt, aber erst beim Zugriff darauf aus der Cloud geladen. Das Feature ist auch bei den mobilen Apps für OneDrive vorhanden und kann so wertvollen Speicherplatz auf dem Smartphone oder Tablet freihalten.

Files On-Demand in OneDrive

Files On-Demand in OneDrive

Dies und Das

Windows 10 kann inaktive Programme nun auch anhalten, um Performance zu sparen, was auch der Batterielaufzeit zugutekommt. Die Funktion zum Aufräumen von Speicherplatz kann nun auch den Download-Ordner aufräumen und dort Dateien löschen, welche älter als 30 Tage sind.

Speicherplatz freigeben

Speicherplatz freigeben

Die Netzwerkeinstellungen öffnen sich über das Tray-Symbol in der Taskleiste nun direkt. Bisher öffnete der Eintrag das alte Netzwerk- und Freigabecenter aus Windows 7. In den Netzwerkeinstellungen kann der Anwender nun für jede Verbindung auch nachträglich festlegen, ob das öffentliche oder private Netzwerkprofil genutzt werden soll.

Netzwerkprofil in Windows 10

Netzwerkprofil in Windows 10

Das Enhanced Mitigation Experience Toolkit (EMET), eine Lösung von Microsoft zum Schutz vor verschiedenen Exploits in Software, wird unter Windows 10 ab Version 1709 blockiert. An dessen Stelle rückt ein Exploit Protection-Feature des Windows Defender Exploit Guard, welcher über das  Windows Defender Security Center verwaltet werden kann und für jeden Task zahlreiche Einstellungen ermöglicht.

Windows Defender Exploit Guard

Windows Defender Exploit Guard

Neu ist im Windows Defender Security Center auch die Möglichkeit, Dateien und Ordner vor nicht autorisierten Änderungen durch schädliche Anwendungen zu schützen, um so beispielsweise die Verschlüsselung oder Löschung durch Trojaner zu erschweren, indem man nur bestimmten Apps den Vollzugriff auf die Dateien und Ordner erlaubt.

Ordnerschutz

Ordnerschutz

Der Bootvorgang von Windows 10 wurde insoweit optimiert, als dass Windows 10 sich nun auch mit einem Benutzeraccount anmelden kann, um die Installation und Einrichtung nach größeren Updates wie einem Feature Upgrade selbstständig fertigzustellen.

Anmeldeoptionen

Anmeldeoptionen

Der Taskmanager, welchen wir in unserem Artikel „Tipps und Tricks im Umgang mit dem Task-Manager von Windows“ näher vorgestellt haben, kann mit dem Fall Creators Update nun auch den Prozessor der Grafikkarte (GPU) überwachen und zeigt dessen Auslastung an.

Wegfall von bekannten Funktionen und Apps

Mit dem Fall Creators Update müssen Anwender auch von einigen Funktionen und Apps Abschied nehmen, welche Microsoft in dem Beitrag KB4034825 „Features that are removed or deprecated in Windows 10 Fall Creators Update“ nennt: 3D Builder fällt weg und wird durch Print 3D und Paint 3D ersetzt. 3D Builder steht aber weiterhin im Windows Store zum Download bereit.

Auch der Klassiker Paint soll im finalen Update verschwinden. Er wurde durch Paint 3D ersetzt, welches in der Praxis aber bisher wenig überzeugen konnte.

Nach einem beginnenden Shitstorm hat Microsoft aber nochmals die Kurve bekommen und in einem Blogbeitrag „MS Paint is here to stay“ klargemacht, dass Paint nach 32 Jahren zwar nicht mehr weiterentwickelt wird, im Windows Store aber weiterhin verfügbar sein wird.

Paint

Paint, Bildquelle: Microsoft

Ein System-Abbild soll mit der neuen Version von Windows 10 auch nicht mehr möglich sein. Microsoft verweist auf Image-Lösungen von Drittanbietern. Lesen Sie dazu unseren Test: Imageprogramme im Vergleich – es muss nicht immer kostenpflichtig sein.

Zuletzt noch der Hinweis, dass in Windows 10 Version 1709 die Unterstützung für das Netzwerkprotokoll SMB1 deaktiviert wird, da dieses Protokoll als sicherheitskritisch anzusehen ist. Systeme ab Windows Vista unterstützen bereits SMB2, so dass in Umgebungen ohne Windows XP SMB1 nicht mehr erforderlich ist. Microsoft gibt in seinem Beitrag KB2696547 Auskunft über die Unterschiede der verschiedenen Protokolle und Hilfestellung, wie man für die verschiedenen Windows-Systeme SMB1 deaktivieren kann.

Fazit

Mit dem kommenden Fall Creators Update ändert Microsoft im Kleinen viele Dinge in Windows 10, welche erst bei ausführlichem Vergleich „vorher/nachher“ auffallen. Die neuen Schutzfunktionen durch den Windows Defender könnten bei richtiger Konfiguration in der Tat für mehr Sicherheit sorgen und gehen weit über das hinaus, was andere, kostenlose Virenlösungen bieten. Die für Heimanwender wesentlichen Neuerungen wie Timeline oder Windows Story Mix lassen dagegen noch auf sich warten. Wir sind gespannt und bleiben am Ball.

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