Datum: | Tests 2015

Windows 10: Eine neue Generation von Windows

Nach der erfolgreichen Installation von Windows 10 begrüßt den Anwender die neue Oberfläche, welche wir im dritten Teil unserer Serie vorstellen.

Generelles

Die Oberfläche von Windows 8.x war einer der häufigsten Kritikpunkte und auch der Hauptgrund, warum Anwender nicht auf Windows 8.x umgestiegen sind, obwohl das System sonst viele Neuerungen bot. Die zwei getrennten Bedienoberflächen Desktop und Modern UI wirken einfach zu aufgesetzt und sind gerade für Desktop-Nutzer kein echter Mehrwert.

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In Windows 10 hat man bei der neuen Oberfläche direkt den Eindruck, dass Microsoft nun endlich abgeschlossen hat, was mit Windows 8 begann. Die neue Oberfläche vereint die beiden Bedienwelten zu einer Einheit. Vorbei sind die Zeiten von Zwangsvollbildapps. Diese lassen sich nun wie herkömmliche Windows-Programme behandeln, laufen im Fenster, lassen sich verschieben und skalieren. Nach Microsofts Wunsch sollen alle Anwendungen für Windows 10 als Universal Windows Platform (UWP) laufen, egal ob auf PC, Smartphone oder Xbox.

Das Startmenü

Die größte Neuerung ist das Startmenü, das für Windows-7-Nutzer eine große Umstellung mit sich bringt, bietet es doch viele Neuerungen, aber auch Änderungen in der bisher gewohnten Bedienung. Wem das alles zu viel ist, der kann weiterhin Programme wie Classic Shell unter Windows 10 nutzen.

Vom Aufbau her hat sich das Startmenü seit Windows 7 stark verändert. Es gibt keine Ordner, nur Gruppen, was auch schon in Windows 8 der Fall ist. Das neue Startmenü ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Im linken Teil sind weiter alle Programme erreichbar, auch Schaltflächen zum Abmelden und Herunterfahren sowie der neue Windows Explorer, der eigentlich ein Schnellzugriff ist, und die neue „Systemsteuerung“, die Microsoft nur noch „Einstellungen“ nennt.

Neues Startmenü von Windows 10

Neues Startmenü von Windows 10

Im rechten Bereich des Startmenüs finden sich App-Kacheln (Live Tiles genannt) wie Schlagzeilen, Kalender, Windows Store oder Wetter. Der rechte Bereich kann vom Nutzer beliebig gestaltet werden. Bei der Kachelgröße oder der Anordnung gewährt Windows 10 mehr Freiraum als sein Vorgänger Windows 8.x.

Apps und Programme können mit dem Kontextmenü in den rechten Bereich geheftet werden. Neue Einträge landen aber immer zuerst ganz unten, können aber verschoben werden. die Kacheln lassen sich in der Größe anpassen oder umsortieren.

Kontextmenü der Kacheln

Kontextmenü der Kacheln

Über die „Einstellungen“ kann das Startmenü im Vollbildmodus aktiviert werden. Dann erscheint das Startmenü bildschirmfüllend nur mit den Kacheln – eher geeignet für Tablets. Der linke Bereich des Startmenüs ist ausgeblendet und erst unter dem „Menü“ oben links erreichbar.

Startmenü Vollbildmodus

Startmenü Vollbildmodus

Startmenü Vollbildmodus mit ausgeklapptem Menü

Startmenü Vollbildmodus mit ausgeklapptem Menü

Wenn Sie ein Startmenü ohne Kachelbereich haben möchten, müssen manuell Stück für Stück alle Kacheln entfernt werden (von Start lösen). Anschließend kann das Startmenü auf den linken Bereich verkleinert werden, der Kachelbereich verschwindet dann komplett, erinnert damit aber auch an das herkömmliche Startmenü. Die Programme selbst finden sich unter „Alle Apps“ und werden alphabetisch aufgelistet.

Startmenü ohne Kacheln, Alle Apps

Startmenü ohne Kacheln, Alle Apps

Die Herunterfahren-Schaltfläche ist auch im Startmenü und nennt sich schlicht „Ein/Aus“. Erst ein Klick darauf öffnet „Energie sparen“, „Herunterfahren“ und „Neu starten“, wie es in den Energieoptionen eingestellt ist.

Ein/Aus im Startmenü

Ein/Aus im Startmenü

Im Kontextmenü des Startmenü-Buttons finden Sie ebenfalls die Optionen.

Kontextmenü des Startbuttons

Einstellungen

Die alte Systemsteuerung aus Windows 7 wurde schon in Windows 8.0 so langsam von den „PC-Einstellungen“ verdrängt. Auch in Windows 10 sollen die „Einstellungen“ die Systemsteuerung langfristig ablösen. Z.B. unter dem Menüpunkt „System“ der „Einstellungen“ findet man Einträge, die bisher im gleichnamigen Bereich der Systemsteuerung vorhanden sind. Unter anderem lassen sich dort die Einstellungen für die Anzeige, Benachrichtigungen, Tablet-Modus, Speicherverwaltung, Energiesparen, Standby, Energie, Standards für Programme/Apps oder Protokolle vornehmen.

Einstellungen

Einstellungen

Bei einigen Einstellungen landet man aber trotzdem in die Systemsteuerung. Auf Tablets und anderen Touch-Systemen ohne Maus und Trackpad war es bisher kaum möglich, tieferliegende Systemeinstellungen unkompliziert zu ändern, auch weil die Systemsteuerung keineswegs fingerfreundlich gestaltet ist. Trotzdem hat „Einstellung“ ein Manko: Wer tief in die Einstellungen geht und den Zurück-Button drückt, wird viel zu häufig wieder auf die Startseite der „Einstellungen“ zurückgeworfen.

Systemsteuerung in Windows 10

Systemsteuerung in Windows 10

Wir gehen davon aus, dass Microsoft Zug um Zug die Möglichkeiten der „Einstellungen“ erweitert und mittelfristig die alte Systemsteuerung über Bord wirft, zumal sich die neuen Einstellungen auch auf Tablets viel besser bedienen lassen.

Cortana

Cortana ist ein digitaler Such-Assistent für Windows und Web, der ein Notizbuch, eine Erinnerungsfunktion und eine Spracherkennung hat. Cortana lässt auf dem Desktop nach dem Wetter fragen oder löst Rechenaufgaben. Cortana kann auch Termine in den Kalender eintragen oder Anwendungen starten. Die Anweisungen können nicht nur per Tastatur eingegeben werden, sondern auch per Sprache – man beginnt immer mit „Hey Cortana„. Weiß Cortana nicht Bescheid oder versteht die Frage nicht, öffnet sich die Bing-Suche. Auch der Browser Microsoft Edge kann auf Cortana zugreifen, sofern dies gewünscht ist. Damit kann im Web nach weiterführenden Informationen gesucht werden, während Nutzer browsen. Dazu reicht es aus, Text auf einer Seite zu markieren, um dann Cortana zu befragen. Die Ergebnisse werden in einer Seitenleiste dargestellt, die etwa Inhalte aus der Wikipedia anzeigt. Etwas Geduld und Übung sind dabei gefragt.

Cortana

Cortana

Damit Cortana überhaupt richtig funktioniert, muss der Anwender ein Microsoft-Konto verwenden. Auf Informationen wie Wetter, News, Kalender, Erinnerungen, Lieblingsorte etc. greifen dann alle Geräte zurück, die man mit dem Microsoft-Konto verwendet. Die im Microsoft-Konto gespeicherten Daten lassen sich online verwalten und bearbeiten – unter den Einstellungen von Cortana geht man dazu auf „Alles, was Cortana über mich weiß, in der Cloud verwalten„.

Cortana-Einstellungen

Cortana-Einstellungen

Soll Cortana auf einem Gerät nicht mehr genutzt werden, kann man Cortana für dieses Gerät in den „Einstellungen“ abschalten. Cortana ist dann deaktiviert und löscht alle Cortana-Daten, die Sie auf dem Gerät gespeichert haben. Auf dem Microsoft-Konto bleiben sie allerdings erhalten.

Virtuelle Desktops

Was es schon lange bei Linux und Mac OS gibt, wurde nun in Windows 10 auch eingeführt: virtuelle Desktops. Hierzu kommt eine neue „Taskansicht“ (Task View) in der Taskleiste zum Einsatz. Mit dieser kann der Anwender zwischen den geöffneten Programmen und verschiedenen Desktops wechseln und Fenster beliebig zwischen den Desktops verschieben. Die Menge der virtuellen Desktops scheint nicht beschränkt zu sein. Einerseits gibt es bei den virtuellen Desktops die „globale“ Taskleiste, die Windows auf allen Desktops anzeigt. Auf der anderen Seite gibt es die „gefilterte“ Taskleiste, die nur Windows auf dem aktuellen Desktop anzeigt.

Virtueller Desktop - Gefilterte Version

Virtueller Desktop – Gefilterte Version

Voreingestellt ist die gefilterte Version der virtuellen Desktops, was Sie aber in den „Einstellungen“ ändern können.

Einstellungen für virtuelle Desktops

Einstellungen für virtuelle Desktops

Um einen zweiten virtuellen Desktop hinzuzufügen, muss man in der Taskleiste nur das Taskansicht-Icon mit den beiden kleinen Fenstern anklicken. Es öffnet sich ein dunkler Rahmen mit einem Pluszeichen-Symbol und „Neuer Desktop“, welches man anklickt. Mit der Tastenkombination [Windows-Taste]+[Strg]+[D] können ebenfalls virtuelle Desktops erstellt werden. Die Tastenkombination [Windows-Taste]+[Strg]+[F4] beendet immer den letzten virtuellen Desktop. Darin geöffnete Programme wandern dann automatisch in den benachbarten Desktop links davon. Will man nur einen virtuellen Desktop, z.B. den in der Mitte, beenden, drückt man einfach auf die unteren Vorschau-Fenster, die alle ein Schließen-Kreuz haben. Die Auswahl eines Desktops ist mit den Cursor-Tasten möglich. Mit der Maus können Tasks in einen anderen Desktop verschoben werden. Auch per Kontextmenü kann ein Programm in einen anderen Desktop gebracht werden. Mit der Tastenkombination [Windows-Taste]+[Strg]+[Pfeiltaste links] oder [Pfeiltaste rechts] kann man schrittweise zwischen den Desktops wechseln. Leider lässt sich der Bildschirmhintergrund der einzelnen virtuellen Desktops nicht ändern. Das würde einem die Orientierung vereinfachen.

Das Info-Center

Das Info-Center sammelt Systemmitteilungen, die Microsoft als Toasts bezeichnet. Benachrichtigungen wie „Updates wurden installiert“ oder „Identität auf diesem PC bestätigen“ werden angezeigt.

Außerdem stecken im Info-Center einige Schaltflächen, die vor allem auf mobilen Geräten hilfreich sind. Auf diesem Weg aktiviert man beispielsweise schnell den Tabletmodus, Notizfunktion, Bluetooth, ändert die Bildschirmhelligkeit und Rotationssperre.

Info-Center

Info-Center

Snap Assist

Die aus Windows 7 bekannte Aero-Snap-Funktion, mit welcher Fenster bei 50% des Bildschirminhaltes einrasten, funktioniert in Windows 10 nun auch im Zusammenspiel mit Apps.

Aero Snap dockt die Fenster am Desktoprand an, wenn mit der Maus der rechte oder linke Bildschirmrand berührt wird. Damit lassen sich problemlos zwei gleiche Fenster darstellen. Dies funktioniert nun mit Desktop-Programmen und Kachel-Apps. Mit der Snap-Funktion lassen sich bis zu vier Apps/Programme gleichzeitig auf dem Bildschirm anordnen. Schiebt man Fenster in eine Bildschirmecke, rasten sie in Quadranten ein. Der Desktop-Manager macht sogar Vorschläge für eine optimale Verteilung. Dieses Feature ist aber abhängig von der Monitorauflösung. So lassen sich beispielsweise auf einem 4K-Monitor vier Fenster im Full-HD-Format anordnen.

Snap Assist mit 3 Fenstern

Snap Assist mit 3 Fenstern

Windows Hello

Das neue biometrische Authentifizierungssystem „Windows Hello“ wurde erstmals in der Insider Preview Build 10130 in den „Einstellungen“ von „Konten“ unter dem Punkt „Anmeldeoptionen“ integriert. Die Anmeldung per Fingerprint ist nicht neu. Was aber neu ist, ist die native Integration ins Betriebssystem, ohne dass dafür Zusatzprogramme nötig sind. Der Konzern teilte mit, dass es bald viele neue Geräte geben werde (z.B. Fingerprint-Lesegerät, Gesichtserkennung), die die nötige Technik für Windows Hello an Bord haben. Windows Hello benötigt eine speziell aktive Infrarotkamera für die Gesichts- oder Iriserkennung oder einen Fingerabdruckleser, der Windows-Biometrie-Framework unterstützt. Zum Aktivieren muss zunächst ein PIN-Code festgelegt werden.

Windows Hello

Windows Hello

Der Wegfall von Gewohntem für Windows 7-Nutzer

Von Windows 10 hört man nur Verbesserungen und Neuerungen. Doch während eines Upgrades auf Windows 10 gehen auch Funktionen und Programme verloren, auf die nicht jeder verzichten mag.

Dazu gehören das Windows Media Center sowie die meisten internen Spiele von Windows 7. Einen Treiber für das USB-Diskettenlaufwerk soll Windows 10 auch nicht mehr dabei haben – er muss extra vom Hersteller heruntergeladen werden. Wer von Windows 7 umsteigt, muss außerdem auf die Minianwendungen (Gadgets) verzichten.

Windows Media Center

Das Windows Media Center, das die Fähigkeit zur Wiedergabe von Video-DVDs und Blu-rays hat, fällt mit Windows 10 weg. Bereits beim Upgrade auf Windows 8.0 oder 8.1 ging die DVD-Wiedergabe verloren, weil Microsoft nicht mehr bereit war, die Lizenzgebühren für den MPEG-2-Codec zu zahlen. Microsoft hat eine DVD-Wiedergabe-Software für Windows 10 veröffentlicht, mit der gekaufte DVDs abgespielt werden können. Den Windows DVD Player, welcher aber keine Blu-rays abspielt, erhalten kostenlos nur Nutzer, die Windows 8.0/8.1 Pro mit Media Center inkludiert und auch Windows 7 Home Premium, Windows 7 Professional und Windows 7 Ultimate als Vorsystem nutzten, bevor sie auf Windows 10 aktualisierten. Der Windows DVD Player ist direkt an die vorherige Windows-7- oder Windows-8.x-Lizenz gebunden. Über Windows Update wird der Windows DVD Player für Berechtigte kostenlos angeboten, ansonsten kann man den Windows DVD Player als App demnächst im Windows Store kaufen.

Windows DVD Player

Windows DVD Player

Minianwendungen (Gadgets)

Minianwendungen gibt es standardmäßig nicht mehr, aber viele Gadget-Tool-Hersteller stellen sich auf Windows 10 um. Gadgets Revived und 8GadgetPack funktionieren schon mal, das bestätigt auch die Webseite „Into Windows„.

Windows-7-Spiele

Die Windows-7-Spiele konnte man noch in Windows 8.x integrieren, was mit Windows 10 nicht mehr funktioniert. In Windows 10 wird „Microsoft Solitaire Collection“ angeboten kann zusammen mit Minesweeper, Mahjong, Bingo, Jigsaw etc. im Windows Store geladen werden.

Microsoft Solitaire Collection

Spiele im Store

Nachsatz

Die Neuerungen von Windows 10 beschränken sich nicht nur auf das Startmenü und sichtbare Veränderungen am Desktop. Windows 10 bringt an allen Ecken und Enden viel Neues. Sogar die Eingabeaufforderung wurde nach einer gefühlten Ewigkeit überarbeitet. Eine automatische Touch-Optimierung, „Continuum“ genannt, wird in einem der nächsten Teile dieser Artikelserie vorgestellt. Auch im Hintergrund hat das Betriebssystem Neuerungen erhalten, beispielsweise DirectX 12 mit der Komponente Direct3D und vor allem für Spieler das Windows Display Driver Model (WDDM) 2.0. Aktuelle Treiber sind in das System integriert worden. Touchpads bekommen mit Windows 10 zudem neue Gesten. Weitere Neuerungen unter der Haube sind neue Rendering-Features oder bessere Speicherverwaltung.

Weitere Teile der Vorstellung zu Windows 10

Teil 1: Allgemeines

Teil 2: Installation

Teil 3: Neuerungen an der Oberfläche

Teil 4: Neuer Webbrowser, Apps und Programme

Teil 5: Systemsteuerung und Systemfunktionen

Teil 6: Mobile Nutzung auf Tablets

Teil 7: Dies und das, Fazit

Wir laden alle Leser ein, uns ihre Erfahrungen zu Windows 10 in der Kommentarfunktion mitzuteilen. Auch im Forum gibt es wieder neuen Grund zur Diskussion und Fehler- und Problembehebung. Da wir unser Fazit erst zum Ende der Serie abgeben, sollte dieses auch nach der ersten Euphorie und dem Medienrummel auf Fakten basieren.

Bildquelle Introbild: Microsoft

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