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Windows 10: Eine neue Generation von Windows

Im 5. Teil unserer Artikelserie zu Windows 10 blicken wir etwas hinter die Kulissen und in die Systemsteuerung. Zudem stellen wir nochmals ein paar Neuerungen für Windows-7-Umsteiger vor, welche schon mit Windows 8 eingeführt wurden. Auch das Thema Datenschutz sprechen wir an.

Zocken und Virtual Reality

Spielen auf dem PC war und ist ein großes Thema und ein Zugpferd für die PC-Industrie. Damit möglichst viele Spieler mittelfristig auf Windows 10 wechseln, hat Microsoft die neue Schnittstelle DirectX 12 exklusiv in Windows 10 integriert und löst damit die seit 2009 gültige DirectX-11-Schnittstelle ab. Neu ist die bessere Optimierung und Skalierbarkeit auf Mehrkernsystemen, was eine gleichmäßigere Auslastung der Kerne ermöglicht.

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DirextX 11

Kern-Auslastung bei DX11, Bildquelle: Microsoft

DirectX 12

Kern-Auslastung bei DX12, Bildquelle: Microsoft

Die Performance-Optimierung für die Grafikberechnung ist auch notwendig, um die Bilder für die kommenden Virtual-Reality-Konzepte wie beispielsweise Oculus Rift mit ausreichend Frames zu berechnen. In einem Interview der ct gab Palmer Luckey, Gründer von Oculus VR und Erfinder von Oculus Rift an, dass „…Windows 10 in Sachen Performance das Beste ist. Wir haben mit Microsoft an DirectX 12 gearbeitet, so dass es VR gut unterstützt.“

Zudem bekommt auch die Xbox One im Herbst 2015 die neue Grafikschnittstelle eingepflanzt. Entwickler können damit dann Universal Apps in Form von Spielen herausbringen, welche sowohl unter Windows 10 auf dem Desktop als auch auf der Microsoft-Konsole laufen.

Wenngleich neuere Grafikkarten mit passenden Treibern bereits DirectX 12 unterstützen, wird sich der von Microsoft beworbene Leistungsschub aber erst mittelfristig bemerkbar machen, wenn die Entwickler ihre neuen Produkte oder Lizenz-Engines auch an DirectX 12 anpassen. Die häufig benutzten Unreal-, Unity- und Cry-Engine sind zwischenzeitlich aber für DirectX 12 schon optimiert.

Was künftig mit DirectX 12 möglich ist, zeigt eindrucksvoll z.B. die Demo von Unreal Engine 4:

Sag Hello!

Mit Windows 10 führt Microsoft auch die biometrische Erkennung ein. Ohne Fremdsoftware kann man sich bei einem geeigneten Fingerabdrucksensor anmelden. Besitzt man eine passende Kamera wie beispielsweise die Realsense 3D-Kamera von Intel, kann das System auch über die Gesichtserkennung entsperrt werden. Auch eine Iris-Erkennung ist möglich. Damit zieht diese meist aus „Agentenfilmen“ bekannte Technik mittelfristig in die Wohnzimmer und Büros auf dieser Welt ein. Sollte die Erkennungstechnik versagen, kann man sich aber weiterhin auch mit einem Benutzernamen und Kennwort anmelden. Windows Hello wird über Einstellungen > Konten > Anmeldeoptionen konfiguriert, wenn das System entsprechende Hardware erkennt.

Windows Hello

Benutzer über Windows Hello erkannt (Bildquelle Microsoft)

Kostenlose Wächter

Der Windows Defender ist auch in Windows 10 wieder enthalten, soll gegenüber dem Vorgänger stark verbessert worden sein. Windows Defender warnt auch, falls Spyware oder andere möglicherweise unerwünschte Software selbstständig versucht, sich auf dem Computer zu installieren. Die Konfiguration findet sich unter Einstellungen > Update und Sicherheit.

Windows Defender

Windows Defender

Wer der Übermittlung von Bedrohungen und Beispielen für Schadsoftware an Microsoft nicht vertraut, kann diese Funktionen hier deaktivieren. Auch Ordner, Dateien, Dateitypen und sogar Prozesse lassen sich über die Einstellungen von einer Prüfung/Warnung ausnehmen.

Ausnahmen zur Prüfung

Ausnahmen zur Prüfung

An der Optik hat Microsoft dagegen nichts geändert. Startet man den Defender von Hand über Einstellungen oder im Startmenü unter Windows-System, erscheint die gewohnte Oberfläche.

Windows Defender

Windows Defender

 

Über die Qualität des Windows Defender kann derzeit noch keine eindeutige Aussage getroffen werden. Bezeichnend ist aber, dass AV-Test als unabhängiger Anbieter zum Test von Virenschutzprodukten den Windows Defender bisher immer auf den letzten Platz setzte. Wir sind gespannt, ob Microsoft die rote Laterne mittelfristig abgeben kann.

Für Drittanbieter von Virenschutzprodukten bietet Windows 10 aber auch eine Neuerung, welche sich Antimalware Scan Interface (AMSI) nennt. Greifen die AV-Hersteller auf diese Schnittstelle zu, bietet Windows den Scannern weitere Möglichkeiten, um z.B. Schadcode bereits im Speicher oder in einem Stream und nicht erst als Datei auf dem Datenträger zu erkennen.

Antimalware Scan Interface (AMSI)

Antimalware Scan Interface (AMSI), Bildquelle: Microsoft

Device Guard für Unternehmen

Eine Neuerung, welche nur in der Enterprise-Edition verfügbar ist, stellt der Device Guard dar. Mit diesem lässt sich festlegen, welche Apps und Programme sicher sind und auf dem System ausgeführt werden dürfen. Die genaue Arbeitsweise von Device Guard hat Microsoft in einem Technet-Eintrag ausführlich beschrieben.

Einstellungen vs. Systemsteuerung

Bereits im 3. Teil unserer Vorstellung zu Windows 10 haben wir die neuen „Einstellungen“ angesprochen. Diese fassen viele Möglichkeiten der bisherigen Systemsteuerung zusammen, ohne diese vollständig abzulösen. Dass Microsoft hier noch zweigleisig fährt, dürfte am Zeitplan für den Release von Windows 10, aber auch an der Kompatibilität zu vielen Programmen liegen.

Einstellungen

Einstellungen unter Windows 10

Die Einstellungen passen sich der Ausrichtung des Anzeigegeräts an und sind damit sowohl auf Tablets als auch auf Desktops ideal les- und bedienbar. Hinter den jeweiligen Rubriken findet sich zwar fast alles, aber eben nicht alles, so dass man derzeit auch noch auf die Systemsteuerung angewiesen ist. Was Windows-7-Umsteiger freut, dürfte Neueinsteiger in die Windows-Welt eher verwirren: Viele Dinge lassen sich über beide Systembedienkonzepte einstellen, beispielsweise Rechnername, Arbeitsgruppe oder Domänenbetritt.

System unter Windows 10

System unter Windows 10 unter Einstellungen

System unter Windows 10

System unter Windows 10 in der Systemsteuerung

Zudem gibt es auch Situationen, in denen sich aus den Einstellungen wiederum die Systemsteuerung öffnet, z.B. bei der Anpassung der zusätzlichen Energieeinstellungen.

Energieeinstellungen Windows 10

Energieeinstellungen Windows 10

Damit zeigt Microsoft deutlich, dass die alte Systemsteuerung noch lange nicht ausgedient hat. Wer unter Einstellungen nicht die notwendigen Informationen oder diese nur gekürzt findet, sollte weiterhin auch einen Blick in den Bereich der klassischen Systemsteuerung werfen (z.B. für WLAN).

Dies und Das

Beim Streifzug durch Windows 10 entdeckt man immer wieder mal Neues. So wurde beispielsweise die Eingabeaufforderung endlich modernisiert und kann Texte mit Copy and Paste (CTRL-C oder CTRL-V) in die Zwischenablage übergeben oder von dort einfügen.

Zu dem bisherigen XPS Document Writer bietet Windows 10 nun auch einen virtuellen PDF-Drucker. Microsoft Print to PDF bietet keine anpassbaren Funktionen wie Auflösung, Sicherheitsfunktionen oder PDF-Versionsstandard, reicht aber aus, um schnell eine PDF-Datei aus jeder Applikation heraus zu erstellen.

PDF-Drucker unter Windows 10

PDF-Drucker unter Windows 10

Für Umsteiger von Windows 7

Windows-8-Nutzer werden vieles in Windows 10 wiedererkennen. Wer aber von Windows 7 auf Windows 10 wechselt, landet nicht nur auf einem geänderten Desktop. Viele der Neuerungen, die damals mit Windows 8 eingeführt wurden, werden jetzt erst richtig bekannt.

Mit Windows 8 wurden beispielsweise nicht nur Apps und eine neue Oberfläche eingeführt, sondern auch kleine, aber feine Veränderungen an Alltagsdingen vorgenommen. Exemplarisch sei hier der Explorer genannt.

Mit Windows 8 hat Microsoft bereits den Explorer überarbeitet. Der Explorer als zentraler Anlaufpunkt für alle Dateioperationen hat über die Jahre seit Windows 95 immer nur geringe Fortschritte gemacht. Bisher war ohne viel Handarbeit oder Zusatztools beispielsweise keine klassische „2-Fenster-Ansicht“ möglich, wie sie Alternativ-Dateimanager bieten. Zudem war der Explorer immer noch sehr schwerfällig zu bedienen. Microsoft hat den Windows Explorer mit Windows 8 bereits einer Modernisierung unterzogen und nicht nur die Optik dem Ribbon-Style angepasst. Die angebotenen Funktionen im Ribbon sind nun kontextabhängig. Findet man sich in der Computeransicht, zeigt der Explorer dazu passende Funktionen an.

Explorer

Explorer

Der Verschieben- oder Kopier-Dialog wurde stark überarbeitet. Er zeigt die Übertragungsgeschwindigkeit als animierte Grafik an. Der Kopiervorgang kann dabei sogar pausiert werden.

Kopierdialog in Windows 10

Kopierdialog in Windows 10

Seit Windows 8 kann man auch ISO-Dateien direkt mounten und als virtuelles Laufwerk einbinden. Der Umweg über spezielle Programme wird damit im Grunde überflüssig.

ISO bereitstellen

ISO bereitstellen

Auch der Taskmanager wurde gegenüber Windows 7 umfangreich modernisiert. Prozesse werden nun zusammengefasst, CPU-Auslastung, RAM-Verbrauch, Datenträger- und Netzwerkverkehr ebenfalls angezeigt.

Taskmanager Windows 10

Taskmanager Windows 10

Die übrigen Registerkarten bieten nur zum Teil Inhalte aus Windows 7. Vieles ist neu, z.B. die Autostarteinträge, Infos zu den Apps oder das Leistungsdiagramm.

Leistungsdiagramm

Leistungsdiagramm

Windows 10 bringt wie schon sein Vorgänger Windows 8.x einen Virtualisierer gleich mit. Der noch unter Windows 7 verwendete „Virtual PC“ wurde durch Hyper-V ersetzt, welcher über die Systemsteuerung > Programme und Features nachinstalliert werden kann.

Hyper-V

Hyper-V

Hyper-V haben wir in dem Artikel „Virtualisierung mit Hyper-V unter Windows 8“ gesondert vorgestellt.

Mit Windows 8 führte Microsoft ein neues Speicherkonzept ein, welches nicht nur für Server, sondern auch für das Desktop-System verfügbar ist. Beliebige Laufwerke lassen sich zu Storage Pools zusammenfassen. Es ist dabei ohne Belang, ob es sich bei den Laufwerken um welche über USB, SATA, IDE oder andere Anschlussvarianten handelt. Auch unterschiedliche Größen sind kein Problem. Laufwerke in einem Storage Pool können von Windows-Versionen unterhalb der Windows 8 nicht mehr angesprochen werden. Aus dem Storage Pool können mehrere Storage Spaces erzeugt werden. Diese werden als virtuelle Laufwerke wie jede andere Festplatte im System angezeigt. Der Vorteil der Technik liegt darin, dass der Storage Space größer als der aktuelle Storage Pool sein kann. Geht der Speicherplatz zur Neige, muss man nur den Storage Pool erweitern. Die Technik steht dabei in Konkurrenz zu verschiedenen RAID-Lösungen, bietet sie doch auch Funktionen wie Spiegelung und Co.

Weitere Informationen zu den Speicherplätzen bietet der Artikel Speicherplätze unter Windows 8 verwalten.

Das alte „Sicherung und Wiederherstellen“ von Windows 7 wurde seit Windows 8 durch den Dateiversionsverlauf ersetzt und bietet eine Art NonStop-Backup mit vielen Funktionen. „Sichern und Wiederherstellen“ aus Windows 7 ist aber weiterhin vorhanden, um auch alte Backups wieder zu öffnen.

Performance und Stabilität

Eine der wichtigsten Fragen ist sicher auch, wie stabil und schnell Windows 10 gegenüber den Vorgängern ist. Erste Tests bestätigen, dass sich gegenüber Windows 7 oder Windows 8 nichts zum Negativen entwickelt hat. Die Seite Techspot.com hat die Performance der verschiedenen Windows-Versionen (Windows 7, Windows 8.1 und Windows 10) unter die Lupe genommen. Gemessen wurden Bootzeiten, synthetische Benchmarks, Programmbenchmarks, Gaming-Performance und viele Faktoren mehr. Einen eindeutigen Sieger gab es bei den Tests allerdings nicht.

Ein Teil der „Upgrader“ klagt aber über Performance-Probleme. Die werden allerdings nach unserer Erfahrung durch fehlerhafte Programme oder fehlende Treiber verursacht. Nach dem Upgrade sollte man daher bei Problemen eventuell eine Clean-Installation wagen, um ein wirklich frisches System zu erhalten.

Datenschutz

Aktuell wird in der Presse das Thema „Datenschutz“ und Windows 10 heiß diskutiert. Hintergrund ist, dass Windows 10 eine Vielzahl von Daten speichert und diese zum Teil auch an Microsoft übermittelt, wie es bei Smartphones aber schon lange üblich ist, ohne dass hier ein Aufschrei durch die Welt geht.

Bereits bei der Installation bietet Microsoft an, die Datenschutzeinstellungen anzupassen oder die Expresseinstellungen zu übernehmen.

Windows 10 Datenschutzeinstellungen

Windows 10 Datenschutzeinstellungen

Wer will, kann hier bereits Eingriffe vornehmen. Später hat Windows 10 alle Datenschutzeinstellungen unter Einstellungen zusammengefasst.

Datenschutzeinstellungen

Datenschutzeinstellungen

Aber Vorsicht: Wer z.B. Cortana, den Sprachassistenten von Windows 10, verwenden will, braucht nicht nur ein Microsoft-Konto, sondern muss Microsoft auch Zugriff auf einige Informationen erlauben.

Cortana

Cortana

Um der Fülle an Einstellungen Herr zu werden und zu wissen, was Microsoft eigentlich erfährt und was nicht, hat der Hersteller dazu eine eigene FAQ unter dem Namen Sprach-, Freihand- und Tastatureingabe und Datenschutz unter Windows 10: häufig gestellte Fragen ins Netz gestellt. Diese klärt aber längst nicht alle Fragen. Auch die Datenschutzbestimmungen von Microsoft lassen ein ungutes Gefühl, was Microsoft überhaupt von einem erfährt und warum.

Wir werden in Kürze die Datenschutzeinstellungen von Windows 10  in einem gesonderten Artikel vorstellen und dabei auch mehrere Tools prüfen, welche diese beeinflussen oder abschalten sollen. Blind installieren sollte man solche Tools derzeit aber nicht, da einige davon wiederum Adware mitbringen und selbst das Surfverhalten ausspionieren. Zum Artikel Datenschutz in Windows 10 – Tools und Möglichkeiten.

Weitere Teile der Vorstellung zu Windows 10

Teil 1: Allgemeines

Teil 2: Installation

Teil 3: Neuerungen an der Oberfläche

Teil 4: Neuer Webbrowser, Apps und Programme

Teil 5: Systemsteuerung und Systemfunktionen

Teil 6: Mobile Nutzung auf Tablets

Teil 7: Dies und das, Fazit

Wir laden alle Leser ein, uns ihre Erfahrungen zu Windows 10 in der Kommentarfunktion mitzuteilen. Auch im Forum gibt es wieder neuen Grund zur Diskussion und Fehler- und Problembehebung. Da wir unser Fazit erst zum Ende der Serie abgeben, sollte dieses auch nach der ersten Euphorie und dem Medienrummel auf Fakten basieren.

Intrografik: Microsoft

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