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Mit dem Creators Update veröffentlicht Microsoft nach dem Herbst-Update (Version 1511) und dem Anniversary Update (Version 1607) nun bereits das dritte große Upgrade für Windows 10 auf Version 1703. Es bietet wiederum neue Features und Funktionen und führt den Umbau in Windows 10 zu einer einheitlichen Oberfläche und Bedienung weiter fort. Wir stellen das Creators Update in diesem Test näher vor.

Upgrade statt Update

Das Creators Update hebt Windows 10 auf die Version 1703 und löst damit das Windows 10 Anniversary Update vom Sommer 2016 ab, welches sich als Version 1607 auswies.  Damit führt Microsoft den Weg fort, den es mit der Einführung von Windows 10 eingeschlagen hat: weg von starren, getrennten Windows-Versionen, hin zu einem modernen System, welches in regelmäßigen Abständen mit neuen Features und technischen Notwendigkeiten versorgt werden kann. Es handelt sich aber nicht um kleinere Upgrades oder Patches einzelner Dateien. Microsoft macht es sich nach wie vor einfach und bügelt einfach ein neues, über 3 GB großes Image über das bestehende Windows, was im Grunde einer Upgrade-Installation von Windows gleichkommt. Microsoft ändert dabei jeweils die Versionsnummer, beim ersten Update auf 1511, dann zu 1607 und nun zu 1703.

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Den Updateverlauf von Windows 10 mit Versions- und Buildnummer kann man bei Microsoft im Updateverlauf für Windows 10 und Windows Server 2016 nachlesen, da beide Systeme den gleichen Kern nutzen und daher auch gleichzeitig gepackt werden. Das Creators Update trägt dabei die Buildnummer 15063.

winver

winver

Werbung mit 3D und Co.

Im Vorfeld der Veröffentlichung hat Microsoft für das Creators Update, welches im Netz auch als „Redstone 2“ bezeichnet wurde, kräftig die Werbetrommel gerührt.  Im Oktober wurde der AllinOne-PC Surface Studio vorgestellt und hierbei ganz eng mit dem Creators Update verbunden, er läuft erst optimal mit dieser Version.

Im Kern stellte Microsoft die Produktivität bei dem Update in den Vordergrund und bringt 3D-Technologie auf Windows-10-Devices. So sollen sich 3D-Grafiken leichter erstellen, bearbeiten und teilen lassen – beispielsweise über die neue Paint 3D App. Gleichzeitig wird 3D in weiteren, bestehenden Applikationen wie PowerPoint oder Microsoft Edge verfügbar. Außerdem ermöglicht das Update die Darstellung von Mixed-Reality-Erfahrungen auf Windows-10-Hardware. Zudem soll es die erste Windows-Version sein, welche alle Möglichkeiten nutzt, um Personen mit Handicap die Nutzung von Windows zu erleichtern, doch dazu später mehr. Zahlreiche Hersteller haben für das Creators Update neue Hardware im Angebot, beispielsweise  HP mit der  Spectre-Serie oder Dell mit dem  Canvas, um nur einige zu nennen. Ein Blogbeitrag von Microsoft mit dem Titel Windows 10 partner devices bring Windows 10 Creators Update experiences to life stellt einige der neuen Geräte vor.

Download des Windows 10 Creators Update

Wie schon bei den Feature-Upgrades zuvor wird auch das Creators Update über Windows Update verteilt, hier aber auch wieder in Wellen. Bis der letzte Nutzer das Upgrade daher angeboten bekommen hat, dürften einige Wochen vergehen. Launch ist der 11. April, wie Microsoft in einem Blogbeitrag bestätigte.

Der ständige Helfer: Das Win10 Media Creation Tool

Schneller geht es mit dem Media Creation Tool, welches bereits jetzt das aktuelle ISO-Abbild des Builds 15063 herunterlädt und dann dieses zur Installation anbietet.

Win10 Media Creation Tool

Win10 Media Creation Tool

Mit diesem Installationsmedium ist dann auch direkt eine Clean-Installation von Windows 10 möglich, wie sie unser älterer Artikel für die Version 1511 beschreibt. Dazu geben Sie bei der Frage zur Seriennummer entweder den alten Key der vorherigen Windows 7 oder Windows 8.x-Installation an oder – wenn auf dem Rechner bereits einmal Windows 10 installiert war – gar keine Seriennummer. Windows 10 erkennt in diesem Fall über einen ID-Abgleich mit dem Aktivierungsserver von Microsoft selbst, dass es bereits einmal aktiviert war und setzt dann diesen  Status wieder.

Windows 10 herunterladen und direkt auf Version 1607 upgraden

Wer nur sein bestehendes Windows 10 upgraden möchte, kann bereits seit dem 05.04.2017 auf der Windows 10 Download-Seite den Update-Assistenten herunterladen, welcher zunächst das laufende System auf ausreichend RAM und Festplattenspeicher prüft und dann die neue Version herunterlädt und selbstständig installiert.

upgrade15063

Upgrade auf 15063

Änderungen bereits bei der Installation

Erste Änderungen fallen bereits bei der Installation von Windows 10 auf. Nach dem Transfer der Daten auf den Systemdatenträger startet Windows-Setup als Windows PE-Umgebung mit einer geänderten Erscheinung. Zudem ist die Installationsumgebung bereits in der Lage, per Sprache über Cortana gesteuert zu werden und gibt Aktionen auch über Sprachausgabe aus.

Cortana

Cortana

Barrierefreiheit

Dies ist gerade für Personen mit Handicap eine Erleichterung. Ergänzend ist Windows 10 Creators Update das erste Windows überhaupt, welches in Sachen Barrierefreiheit einen echten Durchbruch darstellt, unterstützt Windows 10 ab Version 1703 endlich auch eine Braille-Anzeige als Ausgabegerät. Hier setzt Microsoft derzeit aber noch auf BRLTTY als Open Source-Lösung.

Braille-Unterstützung

Braille-Unterstützung

Datenschutz und Microsoft-Konto

Die oft missverständliche Einrichtung des Benutzerkontos wurde etwas überarbeitet und bietet nun klar sichtbar ein Offline-Konto, so dass der Nutzer nicht zwingend ein Microsoft-Konto zur Anmeldung an Windows verwenden muss.

Kontoerstellung

Kontoerstellung

Auch die Datenschutzbestimmungen haben eine Änderung erfahren, bieten bei weitem aber nicht die Fülle an Einstellungen wie im späteren Windows unter Einstellungen.

Datenschutzeinstellungen

Datenschutzeinstellungen

Oberfläche in 3D?

Nach dem ersten Start dürften manche Anwender ernüchtert werden. Von 3D ist hier nichts zu sehen und Windows 10 zeigt sich in seiner gewohnten, nüchternen Erscheinung: Startmenü, Taskleiste, Desktop und Menüs, alles wie bisher. Das ist auch nicht verwunderlich, denn mit 3D hat Microsoft vor allem die direkte Hardwareunterstützung von Virtual-Reality-Hardware und anderen Spielereien gemeint statt einer 3D-Oberfläche.

Microsoft Paint 3D

Einzig Microsoft Paint bietet in der neuen Fassung „Paint 3D“ einen Hauch von der dritten Dimension. Im Grunde hat Microsoft das altehrwürdige Zeichenprogramm um verschiedene Malwerkzeuge wie Pinsel, Kreide und Co. sowie 2D- und 3D-Elemente, welche über die Online-Community Remix 3D geteilt werden können, erweitert und dies in einem Video demonstriert:

In der Praxis mag das Programm für Geräte mit Stift vielleicht ganz praktisch sein. Der Nutzen der kostenlosen Beigabe hat sich aber für mich noch nicht ganz erschlossen. Das Programm ist weder ein gutes „Zeichenprogramm“ noch dafür geeignet, professionell 3D-Modelle zu entwerfen. Die Oberfläche wirkt etwas konfus und zusammengewürfelt, wird immer wieder von Erklärungen unterbrochen und ist mit „Stickern & Aufklebern“ nicht für den Business-Kunden tauglich.

Paint 3D

Paint 3D

Wir hätten uns lieber ein alltagstaugliches Programm für einfache Fotoeffekte und -filter, kleine Montagemöglichkeiten a la Publisher sowie typische Business-Grafiken mit Diagrammen und Formen und Textfeldern außerhalb von Microsoft Office gewünscht.

Ob Paint 3D wirklich der große Wurf ist, werden die Anwender entscheiden. Für die Smartphone-Foto-Generation ist es aber sicherlich nicht das erste Werkzeug.

Ordner für Apps und Startmenü

Beenden wir diesen 3D-Exkurs und wenden wir uns wieder dem Desktop bzw. der Oberfläche zu. Hier gibt es einige Neuerungen zu entdecken. So lassen sich nun – wie schon bei der mobilen Version von Windows 10 – Apps in einen Ordner verschieben, welcher dann aufklappt und den Inhalt anzeigt.

Ordner aufgeklappt

Ordner aufgeklappt

Dies sorgt bei intensiver Kachelnutzung für etwas mehr Übersicht im Startmenü.

Apps im Ordner

Apps im Ordner

Neu ist auch die Möglichkeit, die App-Liste im Startmenü von Windows 10 auszublenden.

Appliste ausblenden

Appliste ausblenden

Dies sorgt im Startmenü für manche Anwender für etwas mehr Übersicht, da die App-Liste sich dann erst auf einen Klick der Schaltfläche „alle Apps“ öffnet.

Appliste ausgeblendet

Appliste ausgeblendet

Im WinX-Menü (Kontextmenü des Start-Buttons) führen nun mehr Einträge in die Einstellungen statt in die bisherige Systemsteuerung, z.B. der Eintrag Apps und Features. Dies ist aber nicht immer von Vorteil, da beispielsweise Netzwerkverbindungen oder Energieoptionen noch immer nicht mit den Möglichkeiten der „alten Systemsteuerung“ vergleichbar sind. Dies ist auch Microsoft bewusst, so dass sich noch immer Verweise auf die „alten“ Einstellungen finden, wie im Screenshot folgend dargestellt.

Energiesparen

Verweis auf die alte Systemsteuerung

Die „Eingabeaufforderung“ und auch der Eintrag „Eingabeaufforderung als Administrator“ sind dem Pendant PowerShell gewichen.

Startmenü Windows 10

Startmenü Windows 10

Dies kann man aber in den Einstellungen unter Personalisierung mit der Abschaltung von „Beim Rechtsklick auf die Schaltfläche Start oder beim Drücken von Windows-Taste+X Eingabeaufforderung im Menü durch Windows PowerShell ersetzen“ wieder rückgängig machen.

Eingabeaufforderung

Eingabeaufforderung reaktivieren

Startmenü mit Eingabeaufforderung

Startmenü mit Eingabeaufforderung

Microsoft hat auch an der Skalierung von Icons und Texten geschraubt, damit diese gerade auf Displays mit sehr hoher Auflösung besser lesbar sind. Dazu wurde die Art, wie Windows die Darstellung skaliert, mit dem Creators Update überarbeitet. In den Eigenschaften von Programmen findet sich nun unter „Kompatibilität“ „Verhalten bei hoher DPI-Skalierung“ der neue Wert „System (Erweitert)“.

Skalierung

Skalierung

Damit lassen sich viele Programme auf Systemen mit einem geänderten Skalierungsfaktor viel besser als bisher darstellen. Je nach Programm ist das noch immer nicht optimal, aber Microsoft ist hier auf dem richtigen Weg.

An den eigenen Programmen und Dialogen hat Microsoft selbst optimiert. So sind Gerätemanager oder die Verwaltung nun ohne verpixelte Grafiken problemlos dargestellt.

Gerätemanager

Gerätemanager

Viel Neues in den Einstellungen

In den Einstellungen, welche nach und nach die klassische Systemsteuerung von Windows ablösen sollen, gibt es auch viel Neues zu entdecken. Zunächst gibt es dort neue Bereiche.

Einstellungen

Einstellungen

Hinter Apps verwaltet Windows 10 nun zentral alle Einstellungen rund um Apps wie Standard-Apps, Offline-Karten, Apps für Webseiten, aber auch Apps & Features zum Installieren und Deinstallieren von Apps und Programmen sowie dem Hinzufügen von Windows-Features.

Apps & Features

Apps & Features

Zudem kann über Apps & Features festgelegt werden, dass statt Apps (Programmen) aus beliebigen Quellen nur solche aus dem Store installiert werden können.

Eine weitere Neuerung ist der Bereich Spiele. Hier kann die Aufzeichnung von Bildern und Screenshots von Videospielen (Game DVR), die Übertragung von Spielesessions (Beam-Technologie, leider kein Twitch) sowie der neue Spielemodus beeinflusst werden. Hinter dem Spielmodus verbirgt sich eine neue Technik, bei der Windows die Hintergrundaktivität (beispielsweise Windows Update) auf ein Minimum reduziert, um die maximale Systemleistung für das Spiel bereitzuhalten. Dabei dürfte Microsoft ein Spiel daran erkennen, ob und wie auf die DirectX-Schnittstellen zugegriffen wird.

Spielmodus

Spielmodus

Microsoft hat alle Features des neuen Spielmodus in einem Blogbeitrag sowie einem Video gut erklärt.

Unsere Kollegen von winfuture.de haben gemessen, ob sich der Spielmodus positiv auf die Performance auswirkt. Deren Fazit: Bei schwachen Systemen kommen ein paar FPS mehr raus, auf ausreichend potenten Systemen spielt der Spielmodus dagegen keine Rolle. Dabei blieb aber unberücksichtigt, wie sich die Messungen z.B. bei einem aktiven Windows Update auswirken. Gerade hier steigt die CPU-Belastung zum Teil deutlich an.

Alle Features lassen sich auch über die Game Bar steuern., welche mit Win+G eingeblendet wird

Erweiterung bestehender Rubriken in den Einstellungen

Auch in den bereits bekannten Gruppen von Einstellungen gibt es wesentliche Neuerungen.

Designs und Sperre per Smartphone

Die Auswahl von vorgefertigten Designs, auch solche zum Download, wurde nun direkt in Personalisierung integriert und nicht – wie bisher – auf die alte Systemsteuerung ausgelagert.

Design

Design

Im Bereich System unter Bildschirm findet sich eine neue Funktion, welche sich Nachtmodus nennt.

Nachtmodus

Nachtmodus

Nachtmodus

Nachtmodus

Ob das wirklich, wie von Microsoft erhofft, eine abendliche Entspannung bringt, darf bei gestressten IT-lern im Kreuzfeuer von Neonröhren am Arbeitsplatz allerdings bezweifelt werden.

Wesentlich praktischer erscheint da die dynamische Sperre im Abschnitt Konten. Ein Smartphone, welches per Bluetooth mit Windows verbunden ist, dient dabei als dynamischer Schlüssel.

Anmeldeoptionen

Anmeldeoptionen

Wenn sich dieses entfernt, sperrt Windows nach einer gewissen Zeit das System selbstständig und will es bei Rückkehr wieder entsperren. Mit einem iPhone klappte das in unserem Test allerdings noch nicht.

Windows Defender Security Center

Der Windows Defender ist bereits seit Windows 8 fester Bestandteil des Betriebssystems und erfährt in dem Creators Update zumindest optisch eine weitere Aufwertung. Er ist (auch) in dem neuen Windows Defender Security Center verfügbar.

Windows Defender Security Center

Windows Defender Security Center

Microsoft fasst in diesem Abschnitt mehrere Bereiche und Funktionen zusammen, die sonst quer verstreut in den Einstellungen und der Systemsteuerung zu finden sind, darunter die Familienoptionen,

Familienoptionen

Familienoptionen

App- & Browsersteuerung,

App- & Browsersteuerung

App- & Browsersteuerung

die Windows Firewall sowie der Netzwerkstatus,

Windows Firewall und Netzwerkstatus

Windows Firewall und Netzwerkstatus

Geräteleistung und –integrität mit einem Bereich zum Status des Windows Update, Speicherkapazität, Gerätetreiber sowie Akkulaufzeit

Integrität

Integrität

und der eigentliche Viren & Bedrohungsschutz, von welchem aus direkt eine Schnellüberprüfung oder erweiterte Überprüfung des Systems auf Bedrohungen erfolgen kann.

Viren- & Bedrohungsschutz

Viren- & Bedrohungsschutz

Hinter der erweiterten Überprüfung findet sich auch die Möglichkeit, das System mit dem Windows Defender Offline zu prüfen, woraufhin das System eine eigenständige Windows PE-Umgebung lädt, um das eigentliche System auf Virenbefall zu prüfen, und so auch hartnäckige Bedrohungen besser entfernen kann.

Erweiterte Überprüfungen

Erweiterte Überprüfungen

Optimierte Privatsphäreneinstellungen

Wenngleich der Anwender bereits bei der Installation Vorgaben für den Datenschutz macht,  lohnt sich später ein Blick in die Datenschutzeinstellungen, welche weiterhin sehr ausführlich angepasst werden können.  Bei den Diagnose- und Nutzungsdaten gibt es eine Änderung. Der Anwender kann hier nur noch „einfach“ oder „vollständig“ auswählen. Im Technet hat Microsoft eine Liste veröffentlicht, was bei „vollständig“ alles übermittelt wird. Und die Liste ist lang, richtig lang.

Telemetrie

Telemetrie

Verbesserungen in Microsoft Edge

Neben Microsoft Paint 3D, welches wir bereits zu Anfang vorgestellt haben, wurde vor allem Microsoft Edge aufgewertet. Der Browser von Windows 10 hat nun eine Funktion, um Webseiten in Tabs „für später“ zu speichern. Er legt diese in einem eigenen Zwischenspeicher ab.

Edge

Tabs in Edge

Für Tabs gibt es nun endlich auch beim  Überfahren mit der Maus eine Vorschau der darin befindlichen Webseite, wie es andere Browser schon länger können.

Tabs in Edge

Tabs in Edge

Der Anwender kann auch die Tableiste nach oben aufklappen lassen und sieht dann von allen offenen Tabs dauerhaft die Vorschaugrafiken des Inhalts.

Tabs in Edge

Tabs in Edge

Auch geerbt von anderen Browser hat Edge den „Privaten Modus“ , hier als „inPrivate“ bezeichnet, bei dem der Browser keinerlei Daten wie Cookies, Cache oder Verlauf speichert.

inPrivate

inPrivate

Darüber hinaus sperrt nun auch Microsoft Adobe Flash aus. Diese Inhalte werden nicht mehr automatisch abgespielt, sondern erst nach einem Klick auf die Inhalte gestartet. Zuletzt kann der Browser nun auch als EPUB-Reader eingesetzt werden.

Optimierung von SVCHOST.EXE

Im Kern von Windows gibt es eine wesentlich Neuerung: Der bisher von mehreren Windows-Diensten genutzte Hostprozess für Windows-Dienste „svchost.exe“ wird nun auf 64-Bit-Systemen mit mehr als 4 GB Arbeitsspeicher sehr viel häufiger ausgeführt und führt jeweils nur noch wenige Dienste mit. Dies hat den Vorteil, dass bei einem Absturz einer der Dienste nicht alle weiteren in Mitleidenschaft gezogen werden. Die häufigere, gleichzeitige Ausführung von „svchost.exe“ verursacht natürlich auch einen höheren Verbrauch von Arbeitsspeicher, das dürfte in der Praxis auf Systemen mit mehr als 4 GB (wären dann in aller Regel 8, 12, 16 GB) aber zu vernachlässigen sein.

svchost

svchost

Windows Update aussetzen?

Ein Dauerthema unter Windows-10-Nutzern ist das Windows Update. Microsoft installiert nicht nur Sicherheitsupdates, sondern auch Feature-Updates automatisch auf Windows-10-Systemen, ohne dass der Anwender dies beeinflussen oder gar unterbinden kann. In Firmennetzwerken mit einem WSUS-Server ist dies zwar möglich, das hilft dem normalen Endanwender allerdings nicht.

Zunächst daher die schlechte Nachricht: Für Besitzer von Windows 10 Home wird sich daran auch nichts ändern.

Windows Update

Windows Update

Besitzer einer Pro-Edition können dagegen festlegen, wie lange die Installation von Funktionsupdates und Qualitätsupdates hinausgezögert werden kann. Aber auch hier hat Microsoft ein Limit eingebaut und beschränkt die Anzahl der Tage für Qualitätsupdates auf 30 Tage sowie Funktionsupdates (Versionswechsel wie aktuell von 1607 auf 1703) auf 365 Tage. Sicherheitsupdates, welche kritische Systemfehler beheben, sind hiervon ausgenommen und werden weiterhin installiert.

Windows Update

Windows Update

Darunter gibt es noch den Button „Updates aussetzen“, der unabhängig der oben gemachten Einstellungen Qualitäts- und Funktionsupdates aussetzt. Das ist dann von Interesse, wenn Sie beispielsweise an einem Projekt arbeiten und aktuell keine Downtime oder Probleme gebrauchen können. Die Pause läuft maximal 35 Tage und kann, wenn wieder deaktiviert, erst nach einem Windows-Update-Suchdurchlauf wieder aktiviert werden.

Neu ist auch die Möglichkeit, die Nutzungszeit pro Tag auf 18 statt bisher 12 Stunden zu erweitern. Zudem gibt es nun eine Möglichkeit, an bevorstehende Neustarts nach einem Update mehrfach erinnert zu werden.

Nutzungszeit

Nutzungszeit

Ergänzend kann der Anwender nun festlegen, wann heruntergeladene Updates installiert werden sollen, indem man die Zeit und den Tag vorgibt.

Neustartoptionen

Neustartoptionen

Und sonst?

Der Sprachassistent Cortana wurde weiter aufgebohrt und unterstützt nun weitere Apps. Unter Updates & Sicherheit finden sich nun auch unter Problembehandlung Troubleshooter zu den häufigsten Windows-Problemen, welche diese automatisiert beheben wollen. Diese sind nicht neu, wurden nun aber prominenter in die Einstellungen integriert.

Troubleshooter

Troubleshooter

Ein neuer Assistent, welcher sich im Bereich System -> Speicher versteckt, hilft beim Freigeben von Speicherplatz.

Speicheroptimierung

Speicheroptimierung

Dieser Assistent löscht bei Aktivierung selbstständig temporäre Dateien von Apps und Programmen und kümmert sich auch um die Löschung von Inhalten im Papierkorb, welche ein Alter von 30 Tagen überschreiten.

Speicheroptimierung

Speicheroptimierung

Neben mobilen Datenverbindungen können nun auch drahtgebundene Verbindungen oder VPN-Zugänge als getaktet klassifiziert werden, woraufhin Windows dann sparsam mit dem Datenvolumen umgeht und große Updates nicht automatisch über diese Verbindung herunterlädt.

Getaktete Verbindung

Getaktete Verbindung

Eine kleine Freude am Rande: Der Registry-Editor hat endlich eine Adresszeile bekommen, was seit Windows 95 schon überfällig ist. Der Inhalt der Leiste kann kopiert und auch eingefügt werden. Der Registry-Editor ist damit zwar immer noch spartanisch, für versierte Anwender aber nun zumindest etwas bedienfreundlicher.

Regedit

Regedit

Fazit

Das Creators Update ist eine erfreuliche Weiterentwicklung von Windows 10, aber auch nicht mehr. Etwas Kosmetik, ein wenig verbesserte Usability und eine Handvoll neuer Features und kleinerer Goodies. Wäre Windows von Apple, würde man die „Neuerungen“ sicher mit einem Hype feiern, bei Windows 10 nimmt man diese zur Kenntnis und fertig. Verärgerten OEMs, welchen durch das kostenlose Upgradeangebot auf Windows 10 viele Käufer von neuen Systemen durch die Lappen gingen, dürfte das Creators Update aber die Hoffnung auf verbesserte Umsätze machen, da Microsoft dieses Update doch ganz eng mit neuen Hardwaremöglichkeiten bewarb, welche die wenigsten Nutzer überhaupt betreffen. Dennoch entstand durch die Werbemaßnahmen der Eindruck, dass neue PCs mit dem neuen Windows 10 endlich Dinge können, die vorher unmöglich waren. Dem ist aber nicht so.

Eine Antwort auf “Windows 10 Version 1703 Creators Update – Feature-Upgrade, das Dritte”

  1. Ginny

    Danke für die ausführliche Darstellung. Was bringt mir das alles, wenn ich mit dem neuen Upgrade nicht vernünftig arbeiten kann.
    Windows 10 Creators hat große Nachteile für Menschen, die mit einer viel zu kleinen Schrift nicht arbeiten können. Man kann die Systemschrift nicht so anpassen, wie es bisher möglich war. Deswegen habe ich und einige die ich kenne das Upgrade deinstallieren müssen. Wie sich das auf die Sicherheit auswirken wird und wie man verhindert, dass Microsoft immer wieder das Upgrade installiert ist nicht bekannt. Microsoft bringt viel Neues, was für viele uninteressant ist und lässt andere, die mit dem System einfach jeden Tag arbeiiten wollen, mit dem problem alleine. Das ist mehr als ärgerlich.

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