Röhrenverstärker Test 2020

Die besten Röhrenverstärker im Vergleich.

Das Wichtigste in Kürze
  • Röhrenverstärker stehen seit vielen Jahrzehnten bei Hifi-Liebhabern hoch im Kurs. Sie stellen die Alternative zu Transistorverstärkern dar.
  • Obwohl die Transistortechnik für Verstärker viele Vorteile mit sich bringt, schätzen Musikfans Röhrenverstärker für ihren charakteristischen Klang.
  • Die Röhren selbst beeinflussen die Qualität von Verstärkern entscheidend. Einer ihrer Vorteile besteht darin, dass sie sich bei Defekten einfach austauschen lassen.

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Die Erfindung der Elektronenröhre leitete einst das moderne Hifi-Zeitalter ein. Sie wurde zum Wegbereiter für Plattenspieler, E-Gitarren und eine ganze Reihe weiterer Audiogeräte und Musikinstrumente. Einige Jahrzehnte später schien es, als habe die Transistortechnik die gute alte Röhre endgültig abgelöst.

Mittlerweile liegen Röhrenverstärker wieder voll im Trend, sowohl als Vor- als auch als Vollverstärker, und das nicht nur bei Retrofans und als Gitarrenverstärker. Doch woran liegt das und welche Eigenschaften machen die besondere Anziehungskraft der Röhren aus?

Hier verraten wir Ihnen mehr darüber, was Röhrenverstärker von anderen Verstärkern unterscheidet und geben Ihnen eine kleine Kaufberatung für den Musikgenuss in den eigenen vier Wänden.

1. So funktionieren Röhrenverstärker – Test-Recherche und was Sie wissen sollten

Grundsätzlich ist beim Röhrenverstärker die Funktionsweise dieselbe wie bei anderen Verstärkern. Der entscheidende Unterschied zwischen den Kategorien liegt in der Bauart und hier besonders in der Röhre. Sie dient genauso wie Transistoren dazu, kleine elektrische Signale zu verstärken.

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So sieht einen Röhrenvorverstärkerplatine aus.

Röhren-Trioden, die den Siegeszug von Röhrenverstärkern einleiteten, bestehen aus einer Glasglocke um einen luftleeren Raum. In diesem Vakuum befinden sich ein Draht, ein Auffangblech und ein Drahtgeflecht.

Wird der Draht in einer Triode erhitzt, gibt er negativ geladene Elektronen ab. Das positiv geladene Blech fängt diese auf. Über das Drahtgeflecht beziehungsweise die dort anliegende Spannung lässt sich der Stromfluss steuern.

Da dieses Grundprinzip der Elektronenröhre noch einige Nachteile mit sich brachte, allen voran ungewollte Verzerrungen, ergänzte man es durch weitere Bauteile zu den sogenannten Pentoden. Diese eröffneten Anfang der 50er-Jahre neue Möglichkeiten, Hifi-Röhrenverstärker mit einem beeindruckend linearen Klang zu produzieren.

Außerdem ist ein Röhrenverstärker nicht direkt defekt, wenn eine Röhre ausfällt. Stattdessen haben Sie in einem solchen Fall die Möglichkeit, die betreffende Röhre auszutauschen – zwei Vorteile, die dazu beitrugen, dass die Röhre eine Zeit lang in jedem Verstärker vorzufinden war.

Unterscheiden lassen sich Röhrenverstärker nach der Betriebsart:

Betriebsart/ Typ Auswirkungen
Class A
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Eine Endröhre verarbeitet das gesamte Signal.
Class A bringt den typischen Röhrensound besonders gut zur Geltung.
Leider ist sie mit einem hohen Verschleiß verbunden. Etwas geringer fällt dieser in der Kategorie A1 aus.
Class B
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Ein Röhrenpaar arbeitet wechselseitig Class B kommt im Hi-Fi-Bereich kaum vor, ist allerdings beliebt für Gitarrenverstärker.
Zentraler Grund dafür sind die überaus starken Verzerrungen solcher Verstärker.
Class AB
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Kombination aus A und B. Bei geringeren Laustärken arbeitet nur eine Röhre pro Kanal, bei höheren Lautstärken kommt eine zweite hinzu.
Klanglich reichen solche Verstärker kaum an diejenigen der Class A heran.
Dafür sind sie vergleichsweise energieeffizient.

2. Unterschiede zwischen Röhren- und Transistorverstärkern

Röhrenverstärker klingen nicht natürlich

Auch wenn Anhänger von Röhrenverstärkern deren Sound gerne als „natürlich“ beschreiben, stellt sich dies aus technischer Sicht anders dar. Denn Röhren verfremden Musik deutlich stärker als Transistoren, was wiederum für ihre spezielle Klangcharakteristik sorgt.

Röhrenverstärker beziehungsweise -receiver bringen bedingt durch ihre Baurt und die Röhrentechnik einige Nachteile im Audio-Bereich mit sich. Dazu gehört die aufwendige Herstellung. Außerdem erfordert das Aufheizen von Röhren viel Strom. Gleichzeitig ist die Lebensdauer von Röhren gering und der Verschleiß hoch. Hinzu kommen die besagten Verzerrungen.

Anders bei der Transistortechnik, die auf Halbleitern basiert. Diese braucht nur wenig Strom, ist deutlich billiger und zeichnet sich durch eine nahezu lineare Klangübertragung aus. Viele gute Gründe, warum sich Transistorverstärker ab den 60er-Jahren zunehmend durchsetzten. Nur Gitarristen und Bassisten schworen weiterhin auf Röhrenverstärker. In der jüngsten Vergangenheit jedoch ist auch im HiFi-Bereich ein Trend zurück zur Röhre zu beobachten.

3. Retrodesign und Röhrenklang – warum Röhrenverstärker so beliebt sind

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Das Design von Röhrenverstärkern ist ein Grund für ihre Beliebtheit.

Nachdem Transistorverstärker nicht nur deutlich billiger sind, sondern auch zahlreiche klangliche Vorteile mit sich bringen, stellt sich die Frage, warum so viele Menschen heute wieder auf Röhrenverstärker für Ihre Stereoanlage schwören. Zentral in dieser Beziehung ist der Retrocharme, den Röhrenverstärker optisch versprühen. Dies nutzen viele Hersteller aus, die die Hifi-Geräte mit Röhrentechnik zu echten Schmuckstücken für das heimische Wohnzimmer machen – die Röhren selbst mit ihrem atmosphärisch glimmenden Draht gut sichtbar angebracht.

Hinzu kommen klangliche Eigenschaften von Röhrenverstärkern, die von ihren Fans bevorzugt mit dem Begriff „warm“ umschrieben werden. Sie entstehen einmal dadurch, dass Röhrenverstärker linear verzerren, was viele Hörer als angenehm empfinden. Außerdem heben sie hohe und tiefe Frequenzen an.

Beides trägt zu einem charakteristischen Klang bei, auf den Adjektive wie „organisch“, „natürlich“ oder eben „warm“ zutreffen. Auf diese Art klingt der moderne CD-Player im Raum oder über Kopfhörer plötzlich wie Vaters Plattenspieler.

Vor- und Nachteile von Röhrenverstärkern gegenüber Transistorverstärkern lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Ansprechendes Retrodesign
  • Charakteristischer „warmer“ Klang
  • unempfindlich gegenüber kurzen Überlastungen
  • Röhren lassen sich einfach austauschen
  • Klang weniger linear
  • Röhren haben eine begrenzte Lebensdauer
  • höherer Klirrfaktor
  • höherer Energieverbrauch

4. Unterschiedliche Röhrentypen

Röhrentypen unterscheiden sich in der Anordnung und der Anzahl der Elektroden. Eine Diode besteht nur aus Anode und Kathode. Im Gegensatz dazu weist eine Triode das bereits erwähnte zusätzliche Steuergitter auf. Neben Trioden und Dioden gibt es eine Reihe weiterer Röhrentypen bis hin zu Heptoden, Oktoden und Enneoden.

In Röhrenverstärkern kommen unterschiedliche Röhren zum Einsatz. Sie sind mit einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet, die Aufschluss über die Art der Heizung, den Typ der Röhre und die Bauform geben.

Der Kennzeichnung liegen unterschiedliche Systeme beziehungsweise Kategorien zugrunde. So unterscheidet sich das europäische System grundlegend vom amerikanischen System. Für Laien ist es schwer möglich, von solchen Typenbezeichungen auf klangliche Eigenschaften von Verstärkern zu schließen. Aussagekräftiger sind in der Regel die Angaben des Herstellers.

Tipp: Bei vielen Röhrenverstärkern besteht die Möglichkeit, die Originalbestückung gegen andere Röhren auszutauschen. So lässt sich der Klang teilweise positiv beeinflussen. Allerdings ist es dabei wichtig, die vorhandenen Einschränkungen bezüglich der Art der Röhren zu berücksichtigen.

5. Exkurs: Röhrenverstärker in der Musik

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Die meisten Rockgitarristen schwören auf Röhrenamps.

Anders als im Hifi-Bereich genießen Röhrenverstärker bei Gitarristen und Bassisten seit Jahrzehnten einen exzellenten Ruf. Auch hier gibt der typische Röhrensound den Ausschlag. Denn im Gegensatz zu einem Hifi-Verstärker ist bei einem Gitarrenverstärker Verzerrung ein gewünschter Effekt.

Besonders Rockmusiker schätzen außerdem, dass Röhrenverstärker schnell auf Signale reagieren und ihre Leistung als besonders laut empfunden wird. Hinzu kommt das positiv besetzte Image von echten „Röhrenamps“.

Deshalb vertrauen die meisten fortgeschrittenen Musiker auf Röhren, während Transistorverstärker wegen ihres günstigen Preises vor allem bei Einsteigern beliebt sind. Allerdings existieren mittlerweile Amps, die den Klang von Röhrenverstärkern erfolgreich durch Transistortechnik imitieren.

6. Wichtige Fragen und Antworten

6.1. Welche Eigenschaften sind entscheidend beim Verstärkerkauf?

Hifi-Röhrenverstärker beziehungsweise Röhrenendstufen gibt es für unterschiedliche Ansprüche und Vorlieben. Sie erhalten Modelle speziell für Einsteiger und den kleinen Geldbeutel ebenso wie High-End-Röhrenverstärker. Dabei lässt sich der Klang eines Röhrenvollverstärkers nur bedingt von seinem Preis ablesen. Teilweise sind überzeugende Röhrenverstärker günstig zum Kaufen erhältlich. Ähnliches gilt für die technischen Merkmale.

Deshalb ist das Probehören beziehungsweise das aufmerksame Lesen von Nutzerberichten eine große Hilfe beim Kauf. Auch die Leistung spielt eine Rolle, allerdings eine andere als häufig angenommen. Denn welche Leistung Verstärker benötigen, hängt entscheidend von den Lautsprechern ab.

Haben diese einen Wirkungsgrad von 85 db oder mehr und eine Grenzimpedanz von 4 Ohm, ist nahezu jeder Audioverstärker geeignet. Liegt die Impedanz unter 4 Ohm, ist von Röhrenverstärkern abzuraten.

Achten Sie außerdem auf die Ausgangsimpedanz des Verstärkers. Diese sollte idealerweise niedriger ausfallen als die Impedanz von Lautsprechern. Schließlich kommt es entscheidend auf die Qualität der Röhren an. Und natürlich spielt auch das Design eine Rolle.

Achtung: Nicht immer handelt es sich um einen Phono-Röhrenverstärker, also besitzt ein Röhrenverstärker einen Phono-Eingang. Teilweise sind zum Betrieb von Röhrenverstärkern mit Plattenspielern Phono-Röhrenvorverstärker beziehungsweise Preamps notwendig. Solche Phono-Verstärker bekommen Sie schon für wenig Geld.

6.2. Wie lange halten die Röhren von Verstärkern?

Die Lebensdauer von Röhren ist begrenzt. Allerdings halten hochwertige Modelle gut und gerne 2.000 bis 10.000 Betriebsstunden, manchmal auch länger – je nachdem, ob es sich um Vorstufen- oder Endstufenröhren handelt. Anschließend profitieren Sie davon, dass Sie neue Röhren in den Verstärker einsetzen können. Was die Pflege angeht, sind Röhren anspruchslos.

6.3. Welche Hersteller von Röhrenverstärkern gibt es?

Röhrenvollverstärker sind im Hifi-Bereich ein Nischenprodukt. Jedoch gibt es eine ganze Reihe an Herstellern, die sich speziell auf diesen Bereich spezialisiert haben und Verstärker für unterschiedliche Bedürfnisse unter verschiedenen Marken anbieten – vom Einsteigermodell bis zum Röhrenverstärker im High-End-Segmen und Zubehör wie Netztrafos für Röhrenverstärker.

Mittlerweile gibt es sogar Röhrenverstärker für 5.1-Anlagen und mit USB-DAC für digitalen Musikgenuss mit Retrocharme. Alternativ besteht die Option, Röhrenverstärker selber zu bauen und Röhrenverstärker-Gehäuse und Röhren nach Ihren Vorstellungen zu kombinieren.

6.4. Wie lassen sich Röhrenverstärker im Selbstbau anfertigen?

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Der Eigenbau von Röhrenverstärkern – für Gitarren – spart Geld.

Mit dem notwendigen technischen Wissen haben Sie die Möglichkeit, gute Röhrenverstärker, Vollverstärker oder Vorverstärker, selber zusammenzubauen und damit viel Geld zu sparen. Verschiedene Anbieter haben für diesen Zweck einen Röhrenverstärker-Bausatz, stereo oder mono, inklusive notwendigem Zubehör und Anleitung für die Röhrenverstärker-Schaltung im Programm.

Für Anfänger bietet sich ein Röhrenverstärker-Schaltplan für die el84, eine pflegeleichte Einsteigerröhre an. Ein kompletter Selbstbau ist aufwendig, bringt aber den Vorteil mit, dass Sie den Verstärker mit Röhren Ihrer Wahl bestücken können. Übrigens haben Sie auch die Möglichkeit, einen Röhrenverstärker für Gitarre oder Bass selbst zu bauen.

6.5. Gibt es einen Röhrenverstärker-Test der Stiftung Warentest?

Bislang gibt es noch keinen Röhrenverstärker-Vergleich der Stiftung Warentest und damit auch keinen offiziellen Röhrenverstärker-Vergleichssieger. Möchten Sie einen Röhrenverstärker kaufen, orientieren Sie sich an den oben angegebenen Kriterien und stellen Sie Ihren Röhrenverstärker-Test 2020 bei der Suche nach dem besten Röhrenverstärker gleich selbst an. Bei der Suche nach einem Receiver mit Netzwerkfunktion, können Sie auf einen Test der Stiftung-Warentest zurückgreifen.

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