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Ob Hochwasser, Großbrand oder Terror: Wenn es in Deutschland zu einer Katastrophe kommt, sind die erste Anlaufstellen für Informationen natürlich Rundfunk und Fernsehen. Mit der zunehmenden Digitalisierung gewinnen aber auch Smartphones und Computer immer mehr an Bedeutung, wenn es um amtliche Gefahrenmitteilungen geht. Damit lässt sich dank GPS nämlich standortgenau warnen. Aktuell gibt es hierzulande vier große Warn-Apps, die wir Ihnen in diesem Artikel vorstellen.

Was ist eine Warn-App und wozu brauche ich sie?

Eine Warn-App hält Sie über aktuelle Gefahren- und Bedrohungslagen auf dem Laufenden und stellt eine sinnvolle Ergänzung zu Fernsehen, Radio und Sirenen dar.

Über welche Gefahren- und Katastrophensituationen können Warn-Apps informieren?

Abhängig von der genutzten App erhalten Sie nicht nur Benachrichtigungen zu großen Katastrophen wie Hochwasser oder Unwetter, sondern auch zu anderen relevanten Themen wie Schulausfällen, Verkehrsunglücken, Bombenfunden oder Fahndungen.

Was kostet eine Warn-App?

Die vier Tools aus diesem Beitrag können allesamt kostenlos genutzt werden. Bei der DWD Warnwetter-App gibt es allerdings aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahrens Funktionseinschränkungen, die nur per In-App-Kauf umgangen werden können.

1. NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App)

NINA ist eine kostenlose Warn-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK), die Sie mit deutschlandweiten Notfall-Nachrichten (z.B. über Unwetter, Hochwasser oder andere Gefahrenlagen wie Großbrände oder Gefahrstoffausbreitungen) versorgt. Die App ist ein Ausgabekanal des satellitengestützten „MoWaS“ („Modularen Warnsystem“), über das beispielsweise auch Radiosender Ihre Meldungen erhalten.

Gut zu wissen: Das MoWaS wird vom Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe für bundesweite Zivilschutz-Warnungen betrieben. Seit 2013 können aber auch sämtliche Lagezentren der Länder sowie viele bereits angeschlossenen Leitstellen von Städten und Kommunen das modulare Warnsystem nutzen.

Das System wurde den Ländern vom Bund (der nur bei großen nationalen Gefahren warnt) zur Herausgabe eigenständiger Warnungen zur Verfügung gestellt. Darunter fällt beispielsweise Katastrophenschutz, für den die Bundesländer selbst zuständig sind. Wetterwarnungen bezieht NINA direkt vom deutschen Wetterdienst.

Gut zu wissen: In einigen Bundesländern warnt NINA auch vor weniger großflächigen Gefahren, wie beispielsweise der Entschärfung von freigelegten Weltkriegs-Blindgängern. Die Verantwortlichkeiten unterscheiden sich dabei je nach Bundesland. Auf der Webseite des BKK finden Sie eine Karte mit den Städten und Landkreisen, die über eigene Feuerwehr- und Rettungsleitstellen oder das Innenministerium lokale Gefahrenmeldungen über NINA herausgeben können.

1.1. Mehr als nur eine Warn-App

Die App kann aber weitaus mehr als nur Warnungen. Über die Kategorie „Notfalltipps“ können Sie sich unabhängig von einer akuten Gefahr über das richtige Verhalten und Maßnahmen im Notfall informieren. Dort finden Sie beispielsweise Tipps, was Sie bei Hochwasser oder Sturmschäden beachten sollten und können sich damit proaktiv vor Unfällen und hohen Kosten schützen.

NINA Warn App

Favorisierte Orte können Sie in der NINA-App abonnieren, so bleiben Sie automatisch immer auf dem neusten Stand.

Aktivieren Sie die Standortdienste auf Ihrem Tablet oder Smartphone, um genaue Angaben über Ihre unmittelbare Umgebung zu erhalten. Favorisierte Orte können Sie zudem auch abonnieren, so bleiben Sie automatisch immer auf dem neusten Stand. Die abonnierten Orte werden dabei immer mit dem aktuellen Standort synchronisiert, dadurch gibt es keine doppelten Warnmeldungen.

NINA ist für iOS und Android verfügbar und steht kostenlos bei Google Play oder im Apple Store zum Download bereit.

2. Katwarn

Die Katwarn-App für iPhone und Android gibt es seit Oktober 2012. Diese wurde vom Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssystem (kurz: FOKUS) entwickelt und warnt Sie deutschlandweit vor Katastrophen und Unglücksfällen (z.B. Unwetter oder Großbrände). Genau wie NINA gibt Katwarn Meldungen des deutschen Wetterdienstes heraus und veröffentlicht darüber hinaus in einigen Bundesländern (für bestimmte Landkreise und Städte) regionale oder landesweite Benachrichtigungen.

Ansicht der Katwarn App

Neben Ihrer eigenen Umgebung können Sie über die Katwarn-App auch prüfen, ob Familienmitglieder in anderen Städte in Gefahr sind und diese gegebenenfalls frühzeitig informieren.

Katwarn sendet Gefahren postleitzahlengenau als Push-Nachrichten, E-Mail oder SMS für bis zu acht frei wählbare Orte. So können Sie neben Ihrer eigenen Umgebung beispielsweise prüfen, ob Familienmitglieder in anderen Städte in Gefahr sind und diese gegebenenfalls frühzeitig informieren. Die Warntexte sind dabei farblich gekennzeichnet, so dass Sie auf den ersten Blick die Höhe der Warnstufe erkennen können. Darüber hinaus enthält diese auch zahlreiche Informationen, wie beispielsweise die Art der Gefährdung, in welchem Gebiet diese auftritt und wie Sie sich am besten verhalten sollten. Im Falle eines Funkloches sendet die App die betreffende(n) Meldung(en) nach, sobald Sie wieder online sind.

Ein besonders praktisches Feature ist auch die „Echtzeitüberwachung“, die Ihren aktuellen Standort innerhalb eines festgelegten Radius im Auge behält. Betreten Sie einen gefährdeten Bereich, der nicht zu einem der acht ausgewählten Orte gehört, erhalten Sie ebenfalls eine Warnung. Allerdings ist auch bei Katwarn die örtliche Abdeckung noch begrenzt, da nicht überall örtliche Feuerwehr- und Rettungsleitstellen mit dem Dienst verknüpft sind.

Gut zu wissen: Katwarn bietet Kooperationen mit Veranstaltern und Themen-Abos an, so bleiben Sie als Besucher von Messen, Musikfestivals oder Stadtfesten hinsichtlich sicherheitsrelevanter Vorfälle immer auf dem neusten Stand.

3. BIWAPP (Bürger-Info und Warn-App)

Auch BIWAPP versendet aktuelle Gefahrenmeldungen zu Ihrem Standort und weiteren ausgewählten Orten. Die Warnungen betreffen aber nicht ausschließlich große Katastrophen. So erhalten Sie beispielsweise auch Benachrichtigungen zu Schulausfällen, Verkehrsunglücken, Bombenfunden oder Fahndungen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die zuständigen Ämter, Behörden oder Schulen der App die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen.

Die einzelnen Kategorien können Sie bequem über eine Liste aktivieren oder deaktivieren, und so selbst bestimmen, über welche Themen Sie aktiv informiert werden möchten:

  • Feuer
  • Chemieunfall
  • Schulausfall
  • Seuchenfall
  • Erdrutsch / Lawine
  • Verkehrsunfall
  • Großschadenslage
  • Warnung
  • Hochwasser
  • Unwetter
  • Bombenfund
  • Information

Gut zu wissen: Die Meldungen und Katastrophenwarnungen in BIWAPP werden direkt von den zuständigen Behörden und Institutionen sowie deren Leitstellen versendet.

Biwapp App Regeln Alarm

Über eine Liste können Sie in der BIWAPP-App selbst bestimmen, über welche Themen Sie aktiv informiert werden möchten

Darüber hinaus können Sie über BIWAPP auch Notrufe an Polizei und Feuerwehr absetzen, bei denen die App automatisch auch Ihre aktuelle Position und Adresse übermittelt. Sämtliche Meldungen können Sie sich auf Wunsch auch als Push-Benachrichtigung oder SMS direkt auf Ihr Endgerät zustellen lassen.

4. DWD Warnwetter (Deutscher Wetterdienst Warnwetter)

DWD Warnwetter warnt auch vor Tsunami

In der Tageszusammenfassung erhalten Sie die Wettervorhersage für den Ort des Favoriten für den aktuellen und die folgenden Tage.

Wie es der Name schon vermuten lässt, warnt DWD Warnwetter Sie vor Wettergefahren aller Art, darunter unter anderem Stürme, Gewitter, Hitze, Frost, Schnee, Regen, Nebel und sogar UV-Strahlung. Die umfangreiche App versorgt neben der breiten Öffentlichkeit auch die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes mit aktuellen Informationen bezüglich der Wettersituation. Die Übersicht betrifft ganz Deutschland, lässt sich aber wahlweise auch bis auf Gemeindeebene herunterbrechen.

Sie erhalten detaillierte Informationen und Warntrends zu Gefahrenlagen an Ihrem derzeitigen Standort sowie weiteren ausgewählten Orten. Ab welcher Gefahrenstufe Sie die Push-Benachrichtigungen erhalten möchten, können Sie dabei selbst bestimmen. Diese lassen sich zudem standortbezogen für jedes einzelnen Ereignis einstellen.

DWD Warnwetter kann aber noch mehr. Die App verfügt unter anderem auch über ein Niederschlagsradar und liefert ortsbezogene Messwerte und Prognosen. Darüber hinaus können Sie sich Daten zu Gewitterzellen, aktuelle Satellitenbilder oder die Wettervorhersage (mit Ist- und Prognosedaten für Niederschlag, Temperatur und Wind) für die nächsten Tage anzeigen lassen.

Ein Highlight sind dabei die animierten Kartenansichten, in denen Temperatur und Prognose für den Tagesverlauf grafisch dargestellt werden. Die Vorhersagen basieren dabei auf dem eigens entwickelten und sehr detailgenauen Wettermodell ICON, beschränken sich aber ausschließlich auf Deutschland. Über das Widget können Sie Vorhersagen zudem auch mit den Warnmeldungen kombinieren.

Gut zu wissen: Ursprünglich konnten alle Funktionen der DWD Warnwetter App kostenlos genutzt werden. Nach einem Klage des kommerziellen Anbieters Wetter Online und dem daraus resultierenden Gerichtsverfahren vor dem Landesgericht Bonn, hat sich der Deutsche Wetterdienst allerdings dazu entschieden, die Prognose-Features bis zu dessen endgültigem Abschluss nicht mehr kostenfrei anzubieten. Sie können diese bis dahin aber per In-App-Kauf für einmalig 1,99 Euro freischalten.

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Sinnvolle Warn-Apps im Vergleich
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