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Facebook, Microsoft oder Amazon: Inzwischen sind fast alle großen Technologiekonzerne in die Entwicklung smarter Brillen eingestiegen und die Branche hofft auf den großen Durchbruch. Smart Glasses blenden Informationen in das Sichtfeld des Nutzers ein und sollen als informative Ergänzung im Alltag dienen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Smart Glasses es bereits gibt und für wen diese interessant sind. Darüber hinaus verraten wir Ihnen, ob die smarten Brillen den Alltagstests bereits bestehen können und wie Sie sich mit etwas handwerklichem Geschick auch selbst eine kostengünstige Datenbrille basteln können.

Worin unterscheiden sich AR- und VR-Datenbrillen?

Während Smart Glasses nach dem Virtual-Reality-Konzept (VR) die reale Welt vollständig ausblenden, damit der Nutzer komplett in die virtuelle Umgebung eintauchen kann, bleibt bei Augmented-Reality-Brillen (AR) die Realität weiterhin bestehen und wird nur durch virtuelle Bestandteile ergänzt.

Wie sieht es bei Smart Glasses mit dem Datenschutz aus?

Damit AR-Brillen ihr technisches Potenzial voll entfalten können, müssen Sie möglichst viele Informationen über den Nutzer und die Umgebung sammeln, die im Anschluss an einen Cloud-Dienst übertragen werden. Aus diesem Grund ist es vor allem im Unternehmens-Bereich sehr wichtig, Schätzungen zu den möglichen Folgen in Bezug auf den Datenschutz durchzuführen und die Mitarbeiter entsprechend zu schulen.

Gibt es schon eine Datenbrille von Facebook?

Facebook tüftelt bereits eifrig an einer smarten Datenbrille und lässt sich deren Entwicklung auch einiges kosten. Noch in diesem Jahr soll die erste AR-Brille des Technologiegiganten in Kooperation mit dem französischen Augenoptik-Unternehmen EssilorLuxottica (zu dem auch die Marke Ray-Ban gehört) auf den Markt kommen.

1. Was sind Smart Glasses und was können sie?

Smart Glasses werden umgangssprachlich auch als Datenbrillen bezeichnet und stehen für eine ganze Reihe verschiedener Brillen und Headsets, die zur Wahrnehmung der VR (Virtual Reality) oder AR (Augmented Reality) konzipiert sind. „Echte“ Smart Glasses sind aber ausschließlich im Bereich des AR zu gebrauchen.

Smart Glasses mit Augmented Reality

Bei Smart Glasses nach dem AR-Konzept bleibt die Realität weiterhin bestehen und wird nur durch virtuelle Bestandteile ersetzt.

Während Datenbrillen nach dem Virtual-Reality-Konzept (VR) die reale Welt vollständig ausblenden, damit der Nutzer komplett in die virtuelle Umgebung eintauchen kann, bleibt bei Augmented-Reality-Brillen (AR) die Realität weiterhin bestehen und wird nur durch virtuelle Bestandteile ergänzt.

Augmented Reality als sinnvolle Ergänzung zum Alltag

AR-Brillen (z. B. die Google Glass) sollen vornehmlich als unterhaltsame und zugleich informative Ergänzung zum Alltag dienen. Zu diesem Zweck sind die Geräte mit Mini-Computern und Micro-Displays ausgestattet, die das Bild wie beim VRD (Virtual Retinal Display) mithilfe von Glasprismen auf die Netzhaut des Betrachters projizieren. Auf diese Weise entsteht ein Overlay bestehend aus Realität und Computer-Bild, durch das der Betrachter wie bei HMD (Head-Mounted Display) hindurchsehen kann.

So lassen sich beispielsweise Informationen in das Sichtfeld des Nutzers einblenden, die im Kontext zu bestimmten Objekten in der Umgebung stehen (Stichwort: Sightseeing), oder Textnachrichten und Emails lesen. Ein weiteres praktisches Feature ist die integrierte Kamera, mit der Sie nicht nur Fotos schießen, sondern auch Videos drehen können.

Die Aktivierung und Steuerung der Datenbrille erfolgt entweder über ein in den Bügel integriertes Touchpad, Augen- oder Kopfbewegungen oder per Sprachbefehl. Zudem besteht je nach Hersteller und Modell auch die Möglichkeit, via PC oder Smartphone darauf zuzugreifen.

Mann trägt VR-Brille

VR-Brillen erinnern in Ihrem Aussehen ein wenig an Skibrillen, sind durch die darin verbaute Technik aber deutlich massiver und schwerer. Sie blenden die reale Welt komplett aus, so dass der Nutzer vollständig in die virtuelle Welt eintauchen kann.

VR-Brillen erinnern in Ihrem Aussehen hingegen ein wenig an Skibrillen, sind durch die darin verbaute Technik aber deutlich massiver und schwerer. Sie bestehen aus zwei Bildschirmen und zwei Linsen, mithilfe derer die Ausrichtung des (virtuellen) Bildes für jedes Auge leicht anders erfolgt. Auf diese Weise nehmen die Augen es als real wahr und im Gehirn entsteht eine virtuelle Umgebung.

Damit das funktioniert, muss die VR-Brille das Bild mit einer möglichst hohen Auflösung und Bildauflösungsrate übertragen. Die durchschnittliche Bildübertragungsrate liegt aktuell bei ca. 60 Bildern pro Sekunde. Spitzenmodelle wie die Samsung Gear VR oder die Oculus Rift kommen aber auch auf 90 Bilder pro Sekunde oder mehr.

2. Für wen sind Smart Glasses sinnvoll?

Während VR-Brillen sich derzeit vornehmlich bei Gamern (auch in Kombination mit einer PlayStation oder XBox) großer Beliebtheit erfreuen, sind AR-Brillen aufgrund des vergleichsweise hohen Anschaffungspreises für private Nutzer im Moment noch weniger interessant. Viele der erwähnten Funktionen lassen sich genauso gut (oder sogar besser) mit einem Smartphone ausführen. Zudem gibt es immer noch viele ungeklärte Fragen in Hinblick auf den Datenschutz.

Logistiker trackt Waren mit Smart Glasses

Vor allem in der Logistik und Industrie verspricht man sich erheblich Vorteile durch den Einsatz von Smart Glasses.

So ist es kaum verwunderlich, dass derzeit vor allem Unternehmen ein gesteigertes Interesse am Einsatz von Smart Glasses zeigen. Vor allem in der Logistik und Industrie verspricht man sich dadurch erheblich Vorteile, zum Beispiel für das Tracking von Gütern und Waren oder um Informationen über Werkzeuge, den Zustand von Maschinen oder die erforderlichen Arbeitsschritte abzurufen. Aber auch in der Medizin könnten Datenbrillen erhebliche Verbesserungen bringen, z. B., indem Sie es Ärzten ermöglichen, die Patientenakten während der Untersuchung einzusehen.

Eine weitere Einsatzmöglichkeit für AR-Brillen ist der Profisport. Der Hersteller Vuzix präsentierte beispielsweise 2020 auf der CES in Las Vegas eine Sport-Datenbrille für Profischwimmer (Smart Swim), die Echtzeit-Informationen zum Trainingsstand abbildet und sogar das Ansehen von Videos unter Wasser ermöglicht.

Gut zu wissen: Einige Unternehmen experimentieren derzeit bereits mit holografische Datenbrillen, die in der Lage sind, komplexe 3D-Modelle anzuzeigen und diese per Sprachkommando zu kippen und zu drehen.

Generell haben AR-Brillen in allen Berufen Potenzial, in denen schnell große Mengen an Informationen abgerufen werden müssen, die Hände währenddessen aber für andere Tätigkeiten gebraucht werden.

3. Wie ist der aktuelle Entwicklungsstand bei Smart Glasses?

Geht es nach Facebook-Chef Mark Zuckerberg, sollen Smart Glasses in Zukunft aussehen wie herkömmliche Brillen, zugleich aber über alle Funktionen eines Smartphones verfügen. Und nicht nur das: Dank Datenbrillen finden Sie ab sofort auf Anhieb das richtige Regal im Supermarkt, beamen sich Ihre Freunde als Hologramm an den Küchentisch oder verwandeln das Wohnzimmer in eine 3D-Rennstrecke aus Ihrem Lieblings-Racing-Game.

Facebook tüftelt bereits eifrig an neuen technischen Grundlagen und lässt sich die Entwicklung einiges kosten. So soll noch in diesem Jahr die erste AR-Brille des Technologiegiganten in Kooperation mit dem französischen Augenoptik-Unternehmen EssilorLuxottica (zu dem auch die Marke Ray-Ban gehört) auf den Markt kommen. Damit, so die Hoffnung, könnte endlich der lang ersehnte Durchbruch in Sachen Smart Glasses gelingen.

Smart Glasses: Diese Hersteller haben sich bereits an Datenbrillen versucht

In der Vergangenheit gab es bereits mehrere Anläufe von verschiedenen Herstellern, alltagstaugliche Datenbrillen auf den Markt zu bringen, allerdings mit nur mäßigem Erfolg.

Google startete mit der Glass bereits im Jahr 2013 einen Versuch in diese Richtung. Die erste Version der Google Glass bestand aus einem Minicomputer mit integrierter Kamera, der sich an einem Brillenrahmen (in 4 verschiedenen Designs) befestigt war und eine Art Nutzeroberfläche in das Sichtfeld einblendete. Darüber ließen sich beispielsweise Google Dienste wie Maps oder Gmail nutzen, Anrufe initiieren und sogar Videos aufnehmen, ohne dass dafür das Smartphone aus der Tasche genommen werden musste. Bedient wurde die Brille mithilfe von Sprachbefehlen und einem seitlich angebrachten Touchpad.

Der Hype ist längst wieder verflogen

Der anfangs große Hype um die Google Glass war allerdings genauso schnell wieder verflogen, was in erster Linie dem eher klobigen Design und der Kamera geschuldet war. Letztere wurde von vielen Menschen als Bedrohung für die Privatsphäre wahrgenommen und führte des Öfteren dazu, dass die Träger aus Restaurants verwiesen und als „Glassholes“ beschimpft wurden. Der finale Sargnagel war am Ende aber die vergleichsweise mickrige Akku-Laufzeit von nur 3 bis 5 Stunden.

Inzwischen hat Google ein verbessertes Modell seiner Brille herausgebracht, das speziell auf die Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten ist und vorwiegend im professionellen Umfeld (z. B. in der Logistik oder in der Produktion) eingesetzt wird.

2016 sprang schließlich auch Microsoft auf den langsam anfahrenden Smart-Glasses-Zug auf und veröffentlichte die HoloLens, einen tragbaren Windows-Rechner mit hochentwickelten Display. Dieser tastet mittels Sensoren die Umgebung ab und projiziert detaillierte, dreidimensionale Grafiken in den Raum, mit denen sogar interagiert werden kann. Die Linse der Datenbrille besteht aus durchsichtigem Glas und reflektiert das Licht eines seitlich angebrachten Projektors ins Auge. So lassen sich auch problemlos andere Sehhilfen unter der HoloLens tragen. Der hohe Preis macht die smarte Brille für Privatnutzer allerdings uninteressant, daher verkauft Microsoft seine HoloLens derzeit ausschließlich an Unternehmen.

Mann trägt HoloLens-Brille

Die HoloLens-Brille von Microsoft tastet mittels Sensoren die Umgebung ab und projiziert detaillierte, dreidimensionale Grafiken in den Raum, mit denen man sogar interagieren kann.

Weniger ist mehr: Reduzierte Technik und mehr Design

Auch die 2017 enthüllte Datenbrille des US-Unternehmens Magic Leap erwies sich am Ende als Flop. Weder die Technik noch die Software und der Formfaktor konnten die hohen Erwartungen erfüllen und so blieben am Ende auch hier als Abnehmer nur Unternehmen.

Das Problem, das immer wieder zum Scheitern bei AR-Brillen führt, steckt im Design. Denn die erforderliche Technik ist derzeit noch so weit, um sie klein genug für eine herkömmliche Brille zu bekommen. Der neue Ansatz lautet daher: Weniger Technik, mehr Brille! Das bedeutet zwar, dass AR im kompakten Design nicht umsetzsetzbar ist, der Markt ist dafür aber deutlich größer.

Ein gutes Beispiel für eine Datenbrille dieser Art ist die 2016 erschienene Sonnenbrille Spetacles, die sich an die Nutzer von Snapchat richtet. Die smarte Brille sieht zwar cool aus, ist für recht viel mehr als zum Fotos schießen und Videos aufzeichnen aber nicht zu gebrauchen. Der Hersteller Snap arbeitet aber fortlaufend an weiteren Modellen.

Mit Spannung erwartet: Smart Glasses auf dem Hause Apple

Smarte Brille mit Apple-Logo

Mit Spannung wird auf dem Markt auch der Einstieg von Apple erwartet. Ob und wann es eine smarte Brille des Unternehmens zu kaufen geben soll, steht allerdings bisher noch nicht fest.

Im Dezember 2020 sorgte schließlich auch Amazon mit der Einführung der Echo Frames auf dem US-Markt für Aufsehen. Die Brille besitzt weder Display noch Kamera und lässt sich mithilfe der Alexa-Sprachassistentin steuern. Die dafür erforderliche Technik ist in den Brillenbügeln verborgen. Mit nur 31 g Gewicht ist die Echo Frames zudem ein echtes Leichtgewicht. Durch das vorgegebene Rahmen-Design passt sie allerdings nicht auf jedes Gesicht. Auf dem deutschen Markt ist die Echo Frames noch nicht erhältlich.

Mit Spannung erwartet wird Apples Einstieg in den Markt. Der Konzern zählt neben Facebook zu den größten Investoren in die Augmented-Reality-Technologie und bastelt schon seit Jahren an einer eigenen Version einer smarten Brille. Ob und wann diese erscheinen wird und mit welchen Funktionen sie aufwarten kann, steht allerdings noch nicht fest. Die Einführung soll aber irgendwann zwischen 2021 und 2023 erfolgen.  

Gut zu wissen: Auch der Handyhersteller Xioami hat dieses Jahr einen Prototypen einer smarten Brille mit dem schlichten Namen "Smart Glasses" vorgestellt. Diese basiert auf einer MicroLED-Technologie und ist als separates betriebenes Android-Gerät konzipiert.

4. Fazit: Noch nicht alltagstauglich, aber mit Potenzial

Damit Smart Glasses auch im Alltag ankommen, müssen Sie nicht nur schick und bequem zu tragen sein, sondern dem Nutzer auch einen echten Mehrwert bieten. Die Entwicklung schreitet zwar kontinuierlich voran, bisher sind aber noch keine Quantensprünge in Hinblick auf technische Herausforderungen wie die erforderliche Verkleinerung respektive die Wärmeentwicklung, die Displaytechnik und den Energieverbrauch zu verzeichnen.

Aus diesem Grund sind Datenbrillen bisher ein Nischenprodukt, das sich ausschließlich an Unternehmen und professionelle Anwender richtet. Es bleibt aber abzuwarten, was die nächsten Jahre bringen werden. Vor allem für die Bereiche Gaming und Sport sehen die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten von Smart Glasses sehr vielversprechend aus.

Allerdings können AR-Brillen ihr technisches Potenzial nur dann voll entfalten, wenn Sie möglichst viele Informationen über den Nutzer und die Umgebung sammeln. Aus diesem Grund wird die weitere Entwicklung auch zukünftig von Diskussionen in Hinblick auf den Datenschutz begleitet werden.

5. Für Sparfüchse: DIY-AR-Brille zum selber bauen

Smarte Brillen wie die Google Glass sind nicht nur sehr teuer, sondern auch recht schwer zu bekommen. Mit etwas handwerklichem Geschick können Sie sich aber auch selbst eine kostengünstige Datenbrille zusammenbasteln (z. B. auf Basis eines Raspberry Pi).

Im Internet (z. B. bei Adafruit) finden Sie zahlreiche (deutsche und englische) Anleitungen, Tutorials und 3D-Daten für AR-Brillen Marke Eigenbau. Die dafür benötigten Teile bekommen Sie in der Regel ebenfalls online, bei einigen Modellen ist aber auch Zugriff auf einen 3D-Drucker erforderlich.

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Was taugen AR-Brillen eigentlich? So ist der Stand bei Smart Glasses
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