Datum: | Artikel 2011

ssd_intro

Solid State Drives sind echte Performancewunder und werden immer günstiger. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich SSDs in immer mehr Notebooks/Netbooks und hochwertigen PC-Systemen als Systemlaufwerk finden. Wir stellen in dem folgenden Artikel vor, welche Vor- und Nachteile der Einsatz von SSDs bringt, was Sie unter Windows 7 und Windows 8 beim Einsatz von SSDs beachten müssen und wie der Umzug einer bestehenden Installation von einer Festplatte auf ein SSD klappt. Auch Nutzer von Windows XP oder Windows Vista bekommen Hilfestellung, um hier ein SSD ideal zu betreiben.


Solid State Drives vs. Festplatten

Mit dem zunehmenden Preisverfall für Speichermedien erreichen auch Solid State Drives (SSD) immer größere Beliebtheit. Der Grund hierfür ist einfach: SSDs sind echte Performancewunder. Sie kommen im Gegensatz zu Festplatten ganz ohne Mechanik aus und sind im Prinzip nichts anderes als ein riesiger, schneller USB-Speicherstick.

Nicht nur optische Unterschiede: Festplatte links, SSD rechts, Bildquelle Wikipeda

Vorteile von SSDs

Der Vergleich ist technisch nicht ganz korrekt, beschreibt aber für Laien sicherlich ganz gut, warum ein SSD viele Vorteile bietet: Durch den Verzicht auf Mechanik (laufender Motor, bewegliche Schreib-Leseköpfe) sind SSD sehr unempfindlich gegen Erschütterungen, brauchen weniger Strom, produzieren viel weniger Abwärme und keinerlei Geräusche.

Doch damit nicht genug: Festplatten haben mit zunehmender Fragmentierung der auf ihnen befindlichen Daten Performance-Probleme, wenn die Daten kreuz und quer auf der Platte verteilt sind. Die Mechanik muss den Schreib-/Lesekopf jeweils erst an die richtige Position bringen, um die Daten zu lesen, und dann den nächsten Cluster ansteuern, an welchem die Datei fortgesetzt wird. Diese Abläufe brauchen ihre Zeit und werden in dem Wert “Zugriffszeit” angegeben. Ein SSD, welches ohne bewegliche Teile auskommt, hat keine messbare Zugriffszeit, da die Daten vom Controller an jeder Stelle des Mediums fast ohne Performanceverlust gelesen und geschrieben werden können. Fragmentierung ist für SSDs daher kein Thema, worauf auch Windows 7 und Windows 8 entsprechend reagieren (dazu später mehr).

…und Nachteile?

SSDs haben aber auch einige Nachteile, welche sie (noch nicht) zum Allheilmittel machen.

Größtes Manko eines SSD ist die begrenzte Lebensdauer. Je nach Hersteller werden die möglichen Schreibvorgänge unterschiedlich angegeben und reichen von 100.000 bis zu 5 Millionen Schreibzyklen. Irgendwann fällt eine Speicherzelle durch die Schreibzyklen aus. Die Elektronik der SSD gleicht solche Ausfälle selbstständig aus und markiert die Zelle als “defekt”, ohne dass der Nutzer sich hierum kümmern muss. Je nach Anwendungsgebiet und Einsatzhäufigkeit ergibt sich aber rein mathematisch eine wesentlich geringere Lebensdauer für ein SSD im Vergleich zu einer Festplatte. Man sollte bei der Betrachtung aber nicht vergessen, dass das Ausfallrisiko der Festplatte durch mechanische Schäden viel größer ist als viele vermuten und somit die Rechnung nicht ganz aufgeht, sprich die Festplatte viel früher ausfällt als ein SSD mit fehlerhaften Speicherzellen.

Auch der Preis macht deutlich, dass SSDs (noch nicht) als Komplettersatz für Festplatten taugen. SSDs kommen derzeit (Stand 02/2011) auf Preise von 3 bis 10 Euro pro GByte, während Festplatten mit Preisen von 10 bis 15 Cent pro GByte dagegen halten. Alleine dieser Vergleich macht deutlich, dass aktuell wohl eine Kombination aus SSD und Festplatte die besten Erfolge verspricht.

Stark im Team

SSDs erzielen im Schnitt doppelt so hohe Lese- und Schreibwerte gegenüber schnellen Festplatten (Test mit AS SSD Benchmark).

Benchmark SSD

Benchmark HDD

Wenn Performance ein absolutes Muss ist, bietet sich der durchgängige Einsatz von SSDs sicherlich an. Dennoch sollte man den Preis nicht aus den Augen verlieren. Große Datenmengen auf SSDs (1 TB und mehr) sind für Normalanwender derzeit noch unbezahlbar.

Die ideale Kombination lautet daher: SSD als Systemlaufwerk, Festplatte als Datenlaufwerk. Auf dem SSD liegen Windows, installierte Programme und die Auslagerungsdatei. Dies verspricht enorme Performance beim Start des Betriebssystems und der Applikationen sowie schnelles Antwortverhalten durch Speicherung der Auslagerungsdatei auf dem SSD. Die reinen Nutzdaten dagegen speichert man auf einer herkömmlichen Festplatte und profitiert so von enorm günstigen Speicherpreisen pro GByte. Der Zeitverlust durch das Laden der Daten von einer Festplatte statt von einem SSD ist hier zu vernachlässigen.

Eine Ausnahme könnten verschiedene Einsatzgebiete wie zeitkritische Anwendungen mit großen Dateien oder der Betrieb von virtuellen PCs sein. Für diesen Artikel haben wir verschiedene VMs auf einem SSD gespeichert. Der Effekt ist mit dem Echtsystem vergleichbar: Das virtuelle Betriebssystem profitiert sowohl in der Bootzeit als auch im Antwortverhalten erheblich von dem SDD.

Auf Notebooks kann man mitunter zur reinen SSD-Lösung greifen, da hier das SSD seine weiteren Vorteile wie den geringeren Stromverbrauch, Unempfindlichkeit gegenüber Stößen und geringe Abwärme ausspielt. Die geringe Speicherkapazität für eigene Daten kann man mit externen Festplatten ausgleichen, welche im 2.5″-Format auch ohne externes Netzteil auskommen.

Einen sehr guten Überblick über die auf dem Markt befindlichen SSDs bietet die Webseite SSD-Test.de.

Mysterium TRIM

Um den TRIM-Befehl gibt es viele Mythen und Unklarheiten.

Konkret geht es um ein systembedingtes Problem von SSDs: Gegenüber herkömmlichen Festplatten können SSDs den Inhalt von Speicherzellen nicht einfach überschreiben. Vielmehr muss ein SSD den Inhalt einer Speicherzelle erst löschen, bevor diese neue Daten aufnehmen kann. Bei zunehmender Nutzdauer und Belegung eines SSD tritt dieser Effekt immer häufiger auf und würde zu Performanceeinbußen führen.

Um das Problem zu entschärfen, gibt es den TRIM-Befehl. Damit wird das SSD angewiesen, als “frei” markierte Speicherzellen zu löschen, so dass diese bei einer späteren Verwendung direkt beschrieben werden können.
Erste Generationen von SSDs mussten noch mit Spezialtools der Hersteller angewiesen werden, den als frei markierten Speicher auch wirklich zu löschen.

Neuere Generationen von SSD kennen dagegen den TRIM-Befehl im Befehlssatz zusammen mit anderen Neuerungen wie Native Command Queuing, S.M.A.R.T. und Co.

Ob die eigene SSD TRIM unterstützt, kann z.B. das Tool CrystalDiskInfo oder Trim Check auslesen.

CrystalDiskInfo, Eigenschaften der Laufwerke

Bietet das SSD kein TRIM, gibt es vielleicht Firmwareupdates der Hersteller, welche dieses Manko beheben. Kaufen Sie kein SSD ohne TRIM-Unterstützung oder Garbage Collection (siehe weiter unten).

Unterstützt das SSD den TRIM-Befehl, müssen auch Controller-Treiber und das Betriebssystem mitspielen. Erst Windows 7 unterstützt generell den TRIM-Befehl, sofern der richtige Treiber für den SATA-Controller verwendet wird:

pciidex.sys oder msahci.sys sind Garant für die TRIM-Unterstützung

Nur die verwendeten Treiber pciidex.sys oder msahci.sys von Windows 7 sind Garant für die TRIM-Unterstützung. Hier muss sich der Anwender daher keine Gedanken um die  Funktion machen. Das SSD und das Betriebssystem kümmern sich eigenständig um die Löschung freier Speicherbereiche.

Für Windows 8 wird dagegen der Treiber storahci.sys verwendet (oder andere wie amdsata bei anderen als Intel-Chipsätzen)

AHCI-Treiber Win8

AHCI-Treiber storahci.sys unter Windows 8

Damit Windows die Treiber auch nutzen, muss im BIOS die AHCI-Betriebsart eingestellt sein. Ändern Sie das aber nicht einfach so im BIOS, da sonst eventuell ihr Betriebssystem nicht mehr startet: Löungsvarianten finden Sie im Tipparchiv unter INACCESSIBLE_BOOT_DEVICE bei Boardwechsel unterbinden.

Sie können den verwendeten Treiber und TRIM-Status von Windows z.B. mit dem Tool Drive Controller Info anzeigen lassen.

Drive Controller Info zeigt Details an

Zu jedem Laufwerk zeigt das Tool den verwendeten Treiber an. Zudem findet sich oben in der Zeile unter dem Betriebssystem die Angabe, ob der TRIM-Befehl aktiviert ist.

Der Zustand lässt sich auch über die Kommandozeile (als Administrator gestartet) auslesen:

Geben Sie dazu fsutil behavior query DisableDeleteNotify in der Kommandozeile ein.

fsutil zur Abfrage der TRIM-Unterstützung

Lautet das Ergebnis “0”, ist die Funktion nicht abgeschaltet und damit aktiv. Sollte Windows die Unterstützung dagegen nicht aktiviert haben, gibt man in die Kommandoziele fsutil behavior Set DisableDeleteNotify 0 ein.
Nutzer anderer Controller, welche Windows erst mit Zusatztreibern unterstützt, müssen sich vergewissern, dass der verwendete Treiber auch den TRIM-Befehl unterstützt und ggf. updaten. Dies gilt vor allem für den verbreiteten Intel-Matrix-Treiber.

Wer ein SSD unter Windows Vista oder Windows XP betreiben will, muss sich dagegen manuell um das “trimen” kümmern und hierfür Tools nutzen, welche der jeweilige SSD-Hersteller hierfür freigegeben hat.

Garbage Collection als dauerhafte Lösung

In Datenblättern neuerer SSDs findet sich häufig auch eine Funktion mit der Bezeichnung “Garbage Collection”. Dabei kümmert sich der Controller auf dem SSD selbstständig um das “trimen” und vermeidet durch verschiedene Algorithmen zuverlässig, dass ein Trimen überhaupt notwendig wird. Nur solche Laufwerke lassen sich auch unter Windows Vista, Windows XP oder anderen Systemen, welche keinen TRIM-Befehl unterstützen, ohne Performanceverluste dauerhaft betreiben.

Windows 7 und 8, die idealen Partner

Grundsätzlich kann jede Windows-Version, welche auch die Schnittstelle (SATA) unterstützt, ein SSD-Laufwerk ansprechen, da sich dieses wie eine Festplatte verhält.

Dennoch raten wir vom Einsatz eines SSD auf älteren Systemen als Windows 7 eher ab. Dies begründet sich damit, dass diese Systeme nicht auf den Einsatz mit SSDs optimiert sind. Der Anwender müsste hier viele Dinge von Hand abschalten oder ändern, da erst Windows 7 ein SSD als solches erkennt. Zudem unterstützt erst Windows 7 den TRIM-Befehl (siehe oben). Zuletzt legen ältere Windows-Systeme bis einschließlich Windows XP die Partitionen auf SSD so ungünstig an, dass alleine hierdurch Performanceeinbußen entstehen (siehe weiter unter bei “Alignment”).

Grundsätzlich ist aber auch ein Einsatz eines SSD auf Windows XP oder Windows Vista möglich. Wir gehen in der Folge auf die jeweiligen “Stellschrauben” kurz ein, so dass auch Nutzer dieser Systeme auf ihre Kosten kommen.

Anschluss gesucht

Bevor das SSD verwendet werden kann, muss dies erst am PC angeschlossen werden. Die ideale Wahl ist der ATA-Anschluss 1 der Hauptplatine, da nicht jedes BIOS problemlos von anderen ATA-Anschlüssen booten/arbeiten kann. Wenn Sie Windows 7 auf einem SSD neu installieren möchten, schließen sie das SSD bitte an den ersten SATA-Port an. Bei einem geplanten Umzug (siehe folgend) lassen Sie das SSD erst an einem freien SATA-Port und ändern Sie erst die Verkabelung, wenn das Betriebssystem auf das SSD kopiert wurde.

Die Ausrichtung macht´s: Alignment

Bevor überhaupt Daten den Weg auf das SSD finden, muss dies erst richtig eingerichtet werden. Dabei geht es um die Erstellung einer Partition und die Frage, wo diese auf dem Datenträger beginnt. Das Problem ist mit dem “4K-Problem großer Festplatten” identisch. Windows XP und älter lassen Partitionen an einer ungünstigen Stelle beginnen, so dass die Performance darunter leidet. Erst Windows Vista und dessen Nachfolger richten neue Partitionen richtig aus (Alignment).

Wenn Sie Windows 7 oder Windows 8 auf ein leeres SSD neu installieren, brauchen Sie die folgenden Schritte nicht vorzunehmen, da der Installer die noch leere SSD selbstständig einrichtet und formatiert.  Die Schritte sind erst notwendig, wenn eine bestehende Windows-Installation nachträglich auf ein SSD umziehen soll oder Sie Windows XP auf ein SSD installieren möchten. Nutzer von Windows XP sollten die Partition daher wie nachfolgend beschrieben unter Windows Vista oder Windows 7 bzw. Windows 8  (mit Hilfe des Systemreparaturdatenträgers) erstellen.

Die Erstellung einer Partition über den Systemreparaturdatenträger (Punkt Eingabeaufforderung öffnen) oder aus der Kommandozeile unter Windows Vista und Win 7 bzw. Win 8 (als Administrator) erledigen Sie wie folgt:

1. Lassen Sie sich erst alle Laufwerke auflisten: List disk
2. Wählen Sie das SSD als richtiges Laufwerk aus: select disk 0 (in unserem Beispiel)
3. Erstellen Sie eine Partition mit dem richtigen Alignment: create partition primary align=1024
4. Setzen Sie die Partition auf “aktiv”: active
5. Formatieren Sie die neue Partition mit dem Dateisystem NTFS: format fs=ntfs
6. Zuletzt vergeben Sie mit asign letter=S (S nur beispielhaft) einen Laufwerksbuchstaben. Windows 7 nutzt später automatisch C für diese Partition, wenn das Betriebssystem darauf installiert/kopiert wird.

SSD mit DiskPart einrichten

Alternativ können Sie die Schritte auch über die Datenträgerverwaltung von Windows Vista oder Windows 7 erledigen, nicht aber unter Windows XP (Problem Alignment). Die Datenträgerverwaltung kann aber keine 2. Partition auf “active” setzen, daher müssen Sie danach nochmals wie unter “active” und “Alignment” prüfen beschrieben die Partition auf “aktiv” setzen. Wer andere Programme wie z.B. den Disk Director 11 von Acronis oder den Paragon Partition Manager 11 verwendet, sollte auf eine Freigabe für Windows 7 achten. Nur solche Programme arbeiten auch in Sachen Alignment fehlerfrei.

Sie können das Alignment mit dem zu Anfang beschriebenen AS SSD Benchmark selbst testen. Dieser zeigt im oberen Bereich neben dem verwendeten Systemtreiber auch das korrekte Alignment an (grün = OK).

Alignment mit AS SSD Benchmark anzeigen

Umzug einer bestehenden Installation auf das SSD

Wer Windows 7 oder 8 neu installiert, kann dies wie gewohnt bewerkstelligen. Ein Umzug der bestehenden Installation erfordert dagegen etwas mehr Handarbeit.

Richten Sie zunächst wie unter Alignment beschrieben die Partition des SSD ein.
Starten Sie dann ein Image-Programm Ihrer Wahl. Für unseren Artikel verwenden wir Acronis True Image Home in der Version 2011. Es geht aber auch mit der Vorversion 2010 oder einem anderen Image-Tool.

Legen Sie zunächst ein Image der Windows-Partition an. Spielen Sie danach dieses Image auf die Partition des SSD zurück.

Image erstellen und auf das SSD zurückspielen

 “active” und Alignment prüfen

Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass die neue Partition auch auf active steht und das Alignment stimmt! So ist sichergestellt, dass das Image-Tool nicht den Status entfernt oder das Alignment verbogen hat.

Sie können den Status “active” und das Alignment mit den folgenden Befehlen prüfen.
List disk
select disk (id des Laufwerks)
list partition (hier steht dann das Alignment/Offset der primären Partition)
select partition (id der ersten Partition)
detail partition

Steht hier nicht “Aktiv: Ja”, muss die Partition mit “active” auf bootfähig markiert werden.

Status des SSD

Das Aligment lässt sich auch über die Kommandozeile prüfen, wie der Tipp Alignment von Festplatten über die Kommandozeile prüfen im WinTotal-Tipparchiv zeigt.

GParted als Alternative

Alternativ können Sie statt eines Image-Tools auch Gparted, welches auf Parted Magic enthalten ist, verwenden. Hier nutzen Sie statt einer Image-Funktion die Copy- und Paste-Funktion von Gparted, welche die Windows-Partition auf das SSD kopiert. Da im Regelfall die Windows-Partition auf Festplatten aber viel größer als die Kapazität eines SSD ist, müssen Sie ggf. mit Gparted noch die Größe der Windows-Partition soweit ändern, bis diese auf das SSD passt.

Gparted

Zum Abschluss des Kopierens müssen Sie die neue Partition auch auf active setzen. Dazu wählen Sie die erstellte Partition in der Liste an, drücken die rechte Maustaste, wählen hier “Manage Flags” und aktivieren in dem kommenden Menü die Checkbox bei “boot”.

Gparted

Gparted

Bootmanager wiederherstellen

Wenn Sie Windows auf das SSD transferiert haben und auch bereits über einen Systemreparaturdatenträger verfügen, fahren Sie das System herunter. Stecken Sie nun das SSD an den ersten SATA-Port und lassen Sie die bisherige Festplatte noch ohne Anschluss (wichtig für den folgenden Schritt).

Booten Sie dann das System vom Systemreparaturdatenträger. Dieser bietet eine Systemstartreparatur. Da Sie ja zuvor die alte Systemfestplatte abgeklemmt haben, sollte hier nur das neu kopierte System gefunden werden. Die Systemstartreparatur findet nun das neue Laufwerk und muss hier zunächst den Master Boot Record (MBR) reparieren. Dazu ist ein Neustart notwendig.

Starten Sie danach das System erneut vom Systemreparaturdatenträger und lassen Sie erneut nach Fehlern mit der Systemstartreparatur suchen. Im 2. Schritt repariert der Mechanismus, sofern notwendig, den Partition Boot Record.

Wieder sind ein Neustart und das Starten der Systemstartreparatur notwendig, da erst im dritten Schritt der Bootmanager repariert wird.

Systemreparaturdatenträger

Sind alle Fehler gefunden, meldet dies die Systemstartreparatur selbstständig.

Starten Sie nun testweise vom neuen Windows-System. Mitunter muss die Bootreihenfolge im BIOS noch an das SSD als erstem Bootmedium angepasst werden. Wenn alles klappt, können Sie nach dem Herunterfahren die bisherige Festplatte wieder anschließen und als Datenlaufwerk nutzen. Was Sie mit der bisherigen, alten Windows-Installation machen, bleibt Ihnen überlassen.

Prüfen und Optimieren

Fast geschafft. Windows läuft vom SSD. Jetzt ist noch etwas Handarbeit notwendig, da Windows 7 und Windows 8 das SSD nur bei einer Neuinstallation problemlos als solches erkennt. Die in der Folge beschriebenen Optimierungen sind daher bei einem Transfer bestehender Installationen notwendig oder wenn Sie Windows Vista bzw. Windows XP einsetzen.

Die beschriebene Vorgehensweise funktioniert bei Windows 8 analog, so lange Sie kein UEFI-System verwenden, welches Partitionen mit GPT statt MBR einrichtet (BIOS-Modus).

Defrag-Dienst abschalten, aber nicht unter Windows 8

Prüfen Sie zunächst, ob Windows 7 den Dienst zur automatischen Defragmentierung abgeschaltet hat. Dieser ist für SSD unnötig, da hier Fragmentierung keine Rolle spielt.  Wechseln Sie dazu in die Dienstverwaltung über services.msc in der Kommandozeile oder über die Systemsteuerung unter System -> Verwaltung -> Dienste.

Defrag-Dienst

Beenden Sie den Dienst und stellen Sie den Starttyp auf “Manuell”.
Sollten Sie herkömmliche Festplatten weiterhin defragmentieren wollen, können Sie dies über das Defragmentierungstool oder mit Hilfe zahlreicher, guter Alternativen erledigen.

Für Windows 8 gibt es hier eine Änderung zu beachten:

Der neue Storage Optimizer (Laufwerke optimieren) von Windows 8 in der Verwaltung defragmentiert und optimiert Laufwerke. Dort ist auch das SSD-Laufwerk aufgelistet.

Storage Optimizer, Windows 8

Storage Optimizer von Windows 8

Windows 8 erkennt aber, dass es sich um ein SSD-Laufwerk handelt und defragmtiert dieses nicht. Vielmehr sendet Windows 8 an das SSD den TRIM-Befehl. Schalten Sie die Optimierung unter Windows 8 für SSDs daher nicht ab.

Superfetch

Auch Superfetch von Windows Vista, Windows 7 und Windows 8, welches sich um die Analyse und Optimierung des Startverhaltens von System und Applikationen kümmert, sollte beendet und dauerhaft abgeschaltet werden, da das SSD von allen Stellen des Laufwerks die Daten gleich schnell laden kann. Sie finden den Dienst unter “SysMain”.

Superfetch

Prefetch und Bootoptimize

Der Vorgänger von SuperFetch “Prefetch” von Windows XP muss dagegen über die Registry abgeschaltet werden. Auch die BootTime-Optimierung von Windows XP und Vista ist für SSD nicht notwendig und kann ebenfalls über die Registry abgeschaltet werden.

Weitere Optionen

In vielen Foren ist zu lesen, dass man für SSDs auch Dinge wie den Indexdienst der Windows-Suche, Windows Defender, Ruhezustand oder die Erstellung von Systemwiederherstellungspunkten abschalten soll. Hier sehen wir keine Notwendigkeit und raten von solchen Handgriffen eher ab.

Allerdings sollten Sie kontrollieren, wie unter Windows 7 die Einstellungen der Systemwiederherstellungspunkte für das SSD gesetzt sind. Sie finden die Option unter Systemeigenschaften -> Computerschutz.

Computerschutz

In unserem Fall war die Erstellung von Systemwiederherstellungspunkten abgeschaltet. Dies hätte im Falle eines notwendigen Restore fatale Auswirkungen. Um ein Rollbackup nach einer gescheiterten Installation machen zu können, sollte gerade das Systemlaufwerk über Systemwiederherstellungspunkte verfügen. Dazu klicken Sie – wie auf dem oberen Screenshot ersichtlich – auf “Konfigurieren” und können sowohl das Verhalten als auch den dafür reservierten Platz anpassen.

Computerschutz

Eine weitere “SSD”-Maßnahme ist die Abschaltung der Timestamp-Funktion von NTFS. Mit dieser protokolliert das System jeden Zugriff auf eine Datei und vermerkt diesen. Durch die Abschaltung werden die Speicherzellen des SSD etwas geschont, da kein Schreibzugriff für die Protokollierung notwendig ist. Grundsätzlich ist diese Timestamp-Funktion für Heimanwender eher unwichtig. Wenn Sie aber beispielsweise ein “Reinigungstool” einsetzen, welches Dateien nach den letzten Zugriffen sortiert, oder sonst die Timestamp-Funktion benötigen, sollte diese besser nicht geändert werden.

Die Abschaltung erfolgt über die Kommandozeile (als Administrator) mit dem Befehl FSUTIL behavior set disablelastaccess 1

Timestamp

Fazit

Der einfachste Weg zum SSD unter Windows ist die Neuinstallation. Mit etwas Handarbeit kann man sich aber eventuell eine Neuinstallation ersparen, sofern man die danach notwendigen Optimierungen vornimmt. Ob man ein SSD wirklich braucht, können wir leider nicht beantworten. Letztlich ist es eine Frage des Geldbeutels und des Einsatzzwecks. Mittelfristig wird die SSD-Technik aber sicherlich die alte Festplatte wie damals der USB-Stick die Diskette auf breiter Basis ablösen. Hierfür müssen nur noch die Preise auf ein erträgliches Maß fallen und die Kapazitäten steigen.

Weiterführende Links:

17 Antworten auf “Solid State Drives (SSD) unter Windows 7 und Windows 8”

  1. SSD Test

    Sehr informativer Bericht, da ich selbst Windows 7 User bin und gerade auf eine SSD umgestiegen bin, kann ich nicht genug betonen wieviel das den PC leistungsmäßig voran bringt.

  2. D.Grieser

    Hallo
    Habe einen Medion Computer im Original mit win 8 und SSD Platte.
    Unter Laufwerke optimieren wird aber Festplatte angezeigt.
    Habe auch schon neuen Leistungstest gemacht, es hat sich nicht geändert.
    Nun habe ich Angst auf optimieren zu klicken, vielleicht defragmentiert win 8 die Platte. AHCI ist aktiv.
    Wäre schon, wenn Sie helfen könnten.

    Mit freundl. Grüßen

  3. PCDMicha

    Hallo, vielleicht handeln wir das im WinTotal-Forum unserer http://community.wintotal.de/ ab. Da könnten Sie auch ein Screenshot vom Gerätemanager posten. Mit welchem Medientyp sich das Gerät meldet ist nicht so wichtig, so lange die TRIM-Funktion aktiv und die Optimierungen für Festplatten nicht aktiv sind.

  4. Tom

    Hammer Bericht! Ich würde keine normale HDD mehr wollen seit ich meine Samsung SSD habe. Der Geschwindigkeitsunterschied ist wirklich wahnsinn. Auf die Langlebigkeit bin ich noch gespannt, dazu lässt sich noch nichts sagen. Aber meine 750GB HDD hat nur ein Jahr gehalten, das sollte die SSD auch leicht schaffen ;)

    Grüße
    http://www.ssd-festplatte24.com

  5. Jessica

    Super Artikel genau was ich gesucht habe, da mir von jeder Seite empfohlen wird mein Notebook mit einer SSD zu beschleunigen anstatt ein neues zu kaufen. Könnt ihr eine empfehlen? Ich habe den Testsieger von http://www.testhit.de/c/ssd/ im Auge, oder gibt es bessere Alternativen?

    Grüße
    Jessica

  6. RavVven

    Der Artikel verdient das Prädikat “Wertvoll” da er auch Einsteigern eine überschaubare Vorgehensweise samt (fast) alllen möglichen auftretenden Problematiken und deren Behebung in verständlicher Weise liefert. Ich würde mir das manchmal auch von noch viel größeren “namhaften Plattformen” wünschen, deren Aushängeschild die Welt des Computers ist…
    Ich bin hier mehr als fündig geworden und dafür sage ich allen daran Beteiligten: DANKE!!

  7. gottfried

    Danke für die ausführliche Darstellung. Ich habe gehört, dass eine kaputt gegangene SSD anschließend durch eine neue mit einem aufgespielten Image ersetzt werden kann und darüber hinaus andere angeschlossene Daten HDDs nicht mehr lesbar sind. Kann das zutreffen? Wenn ja, wäre das Risiko eines Umstiegs auf SSD ja wahnsinnig hoch.

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