Datum: | Tests 2012

Imageprogramme, wer hat's erfunden? Diesmal nicht die Schweizer! Aber aus dem Land der Eidgenossen kommt dennoch eine Image-Lösung, die wir hier etwas ausführlicher vorstellen.
Was vor mehr als einem Jahrzehnt noch eine Sensation im Heimsektor war, gehört heute zur Selbstverständlichkeit: Image-Sicherungen von Partitionen und Laufwerken. Hersteller wie PowerQuest mit Drive Image (zwischenzeitlich von Symantec aufgekauft) revolutionierten den Umgang mit Systemsicherungen.

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Heute wird der Markt an Image-Lösungen im Heimsektor ganz klar von Acronis dominiert. Den Rest machen viele kleinere Toolanbieter unter sich aus, darunter auch der Schweizer Hersteller StorageCraft mit dem Produkt ShadowProtect, welches in verschiedenen Editionen angeboten wird. Wir haben uns die Desktop Edition näher angeschaut.

Kein Neueinsteiger

Wir hatten die Imagelösung ShadowProtect bereits 2008 auf WinTotal vorgestellt, damals lag sie nur in englischer Fassung vor. Der Hersteller bietet schon seit Jahren vor allem Image-Lösungen für gewerbliche Umgebungen an, hat die Kerntechnologie aber auch für den Heimanwender portiert. Wir waren gespannt, wie sich das Produkt in den letzten Jahren weiterentwickelt hat und ob es mit den Konkurrenten im Heimsektor mithalten kann.

Funktionsumfang

Zu den Funktionen der Version 4 von ShadowProtect Desktop Edition zählen:

  • Vollständige, differenzielle und inkrementelle Abbilder von Festplatten und Partitionen
  • Wiederherstellung aus dem laufenden System (nicht Systempartition) oder über eine Wiederherstellungs-CD
  • Restore auf unterschiedlicher Hardware (Bare-Metal-Restore) oder in eine virtuelle Umgebung
  • Konverter zum Konvertieren in VHD- oder VMDK-Dateien
  • Image-Browser mit Wiederherstellung von Dateien und Ordnern
  • Konsolidierung von Backup Images über ShadowProtect ImageManager
  • Planungsmodul für automatische vollständige und inkrementelle Sicherungen

Was bereits auffällt ist die Tatsache, dass ShadowProtect Desktop Edition nach wie vor eine klassische "Image-Software" geblieben ist, während andere Konkurrenten den Sprung ins "Backup-Lager" schon vor Jahren vollzogen haben. Ob dies ein Vorteil oder Nachteil ist, muss jeder Anwender selbst entscheiden. Sicher ist nur, dass der Anwender beim Kauf genau das erhält, was er sucht: eine Image-Lösung.

Oberfläche

Während beispielsweise Acronis Jahr für Jahr mit neuen GUI-Experimenten die Anwender verschreckt, statt einfach auf Sachlichkeit und Bedienbarkeit zu setzen, blieb sich ShadowProtect Desktop Edition über die Jahre in Sachen Benutzeroberfläche treu und wirkt im Jahre 2012 fast schon "retro".

ShadowProtect 4 Desktop Edition

Dennoch schätzt man schnell den "Classic-Look" und fühlt sich in der Software richtig wohl. Immerhin soll sie keinen Preis für die aufwendigste GUI gewinnen, sondern dem Anwender bei der Bedienbarkeit keine Rätsel aufgeben. Dies hat der Hersteller StorageCraft vorbildlich gelöst, wenngleich die optionale Netzwerk-Ansicht und die Admin-Konsole für das Desktop-Produkt eher überflüssig sind und von der Server-Version stammen.

Sichern

Die Erstellung eines Backup-Jobs wird über einen Assistenten erledigt. Man wählt die Backup-Quelle und das -Ziel, wobei auch Netzwerklaufwerke unterstützt werden,

Auswahl der Laufwerke

den Zeitplan für die Sicherung,

Zeitplan

die Backup-Art,

Backup-Art

weitere Backupoptionen wie Komprimierung, Passwortschutz, Splittung etc.,

Weitere Optionen

Performanceverteilung und die optionale "Sektor-Sicherung",

Performance und Co.

worauf die Software dann mit der Sicherung beginnt.

Sicherung

In Sachen Performance bei der Sicherung konnten wir eine etwas geringere Geschwindigkeit gegenüber Klassenprimus Acronis feststellen, die für die Heimsicherung aber nach unserer Bewertung nicht so war, dass dies ins Gewicht fällt (7 Minuten und 35 Sekunden für eine Systemsicherung von 60 GB SSD-Laufwerk auf eine 2. Festplatte gegenüber 7 Minuten bei Nutzung von Acronis True Image Home Version 2012). Die Imagegröße betrug bei Standard-Komprimierung 31 GByte gegenüber 31.5 GByte bei Acronis.

Manuelles Verify

Bereits in unserer Vorstellung 2008 hatten wir moniert, dass die Software keine automatische Image-Prüfung nach dem Backup anbietet. Diese muss auch in Version 4 von ShadowProtect noch immer manuell angestoßen werden und wird dann als Task abgearbeitet.

Verify

Backup-Image-Tool

Ein gutes Feature ist das Backup-Image-Tool, mit dem nachträglich an bereits erstellten Images Veränderungen wie Komprimierung, Verschlüsselung, Splitting vorgenommen werden können. Der Anwender kann auch mehrere Image-Sets zu einem Vollbackup zusammenführen oder Images in VHD-Dateien (Virtual Hard Disk, siehe auch Artikel "Umgang mit virtuellen Festplatten" auf WinTotal) oder VMDK-Dateien (VMware) konvertieren.

Backup-Image-Tool

Mounten von Images

Vorhandene Images lassen sich auch mounten und so als virtuelle Laufwerke oder als Ordner in das System einbinden, um Dateien oder Ordner aus dem Image zu öffnen bzw. wiederherzustellen.

Image mounten

Wiederherstellung wie damals

Auch die Wiederherstellung von Abbildern wird über Assistenten vorgenommen.

Wiederherstellung

Versucht man allerdings, das Systemlaufwerk unter Windows im laufenden Betrieb wiederherzustellen, erhält man lediglich eine Fehlermeldung.

Fehlermeldung

In den Details wird dann die Ursache ersichtlich: ShadowProtect kann das Laufwerk (da in Benutzung) nicht sperren.

Details

Während hier Programme wie Acronis True Image Home dem Anwender ein Angebot machen, die Wiederherstellung nach einem Reboot vorzunehmen, stellt sich ShadowProtect tot. Dies ist konzeptionell bedingt, da sich das Tool nicht so tief in das System eingräbt, wie dies Konkurrenten machen und damit den Bootprozess so abwandeln können, dass die Wiederherstellung des Systems vorgenommen wird, statt das System zu starten.

Ob man nun die tiefe Systemintegration und damit automatisches Restore ohne Notfallmedium (z.B. Acronis) oder die reine "Handarbeit" über ein Notfallmedium mag, ist sicherlich Ansichtssache. Für wenig versierte Anwender ist der Weg, den ShadowProtect beschreitet, aber wenig komfortabel und zu fehleranfällig.

Notfallmedium

ShadowProtect ist für diese Fälle auf sein Notfallmedium angewiesen, wie es auch andere Hersteller anbieten. Statt aber ein solches Notfallmedium, welches auf der Windows PE-Plattform basiert, aus der Software heraus erstellen zu lassen, muss der Anwender dies entweder unter Eingabe der Seriennummer von der Herstellerwebseite unter http://www.storagecraft.eu/,umständlich laden oder die Installations-CD der Kaufversion verwenden, welche ebenfalls bootfähig ist. Der Download des gepackten ISO-Files betrug zum Zeitpunkt der Vorstellung 561 MB (Version 4.1.5).

Iso-Download

Für den Transfer des ISO-Files auf einen optischen Datenträger wird ein kleines Brenntool direkt mit installiert.

ISO-Brenntool

Ein Notfall-Stick ist dagegen nicht vorgesehen. Pech hat, wer über kein optisches Laufwerk verfügt.

Das Notfallmedium (auch in Deutsch verfügbar, wir haben die englische Variante getestet) bietet sowohl eine PE-Basis auf Windows 2003 wie auch auf Windows 7/2008-Kernel an.

Der Anwender kann daher entscheiden, welches der beiden Systeme er für seine Zwecke startet. Die Nutzung eines PE-Mediums hat den Vorteil, dass es gegenüber Linux-Lösungen selten Kompatibilitätsprobleme gibt, sprich: Das Medium funktioniert auf fast allen Plattformen.

Bootmenü

PE-Umgebung

Die Recovery-CD bietet neben den Basisfunktionen zum Sichern und Wiederherstellen auch die Möglichkeit, Treiber für Speichergeräte oder Netzwerkkarten nachzuladen, die Netzwerkkonfiguration anzupassen, einen Partitionstabellen-Editor, einen BCD-Editor, einen VNC-Service und viele Hilfsfunktionen mehr.

Funktionen

Booteditor

Eine der professionellen Möglichkeiten ist auch das Hardware Independet Restore (HIR), mit dem eine Systemsicherung auch auf anderer Hardware wiederhergestellt werden kann. Normalerweise würde das System infolge geänderter Hardware (Festplattencontroller etc.) nicht mehr starten. Um dies zu verhindern, sammelt die Notfallumgebung die Hardware des Zielgeräts und versucht mit den vorhandenen Treibern ein Restore der Sicherung unter Einbindung der passenden Systemtreiber, damit das System startbar bleibt. Optional kann man auch eigene Treiberdateien oder ganze Treiberverzeichnisse angeben, welche das Tool mit einbinden soll.

HIR

Die ganze Ausrichtung des Notfallmediums macht deutlich, dass es sich hier um einen umfangreichen Werkzeugkasten für erfahrene Anwender handelt. Laien sind mit der Funktionsfülle und den Möglichkeiten jedenfalls überfordert.

Virtuelle Umgebungen

Der Hersteller wirbt mit der Funktion, dass eine Sicherung ohne Formatkonvertierung direkt in eine virtuelle Umgebung gebootet werden kann, und liefert dazu einen passenden Assistenten mit.

Virtuelle Maschine

Nach Auswahl der Sicherung mussten wir aber feststellen, dass ein kleines Detail unterschlagen wurde: Die Funktion steht nur in Kombination mit VirtualBox zur Verfügung.

Nur mit VirtualBox

Fazit

ShadowProtect 4 Desktop Edition sieht man nach unserer Meinung ganz deutlich an, dass der Hersteller hier ein ernsthaftes Tool für größere Umgebungen auf Heimuser-Niveau trimmte, was für die Zielgruppe nach unserer Einschätzung missglückt ist. Die Software bietet für den avisierten Preis einfach zu wenig Funktionalität gegenüber Acronis und Co. (Stichwort Dateibackup), zu wenig Hilfestellung für unerfahrene Anwender und beim Zurückspielen von Systemsicherungen zu wenig Komfort.

Professionelle Anwender werden sich über die vielen Möglichkeiten wie Konvertierung von Image-Dateien, VirtualBoot, BareMetal-Restore, Unterstützung von Netzwerklaufwerken, BCD-Editor etc. sicherlich freuen. Es gibt auch Anwender, welche die Tatsache schätzen, dass sich ShadowProtect 4 Desktop Edition gegenüber anderen Image-Lösungen nicht so tief in das System einbindet und die Wiederherstellung des Systems nur über einen Notfall-Datenträger ermöglicht. Für diese Anwender ist ShadowProtect 4 Desktop Edition sicherlich einen Blick wert, der Standard-Heimanwender wird mit anderen Lösungen zum gleichen Preis aber sicherlich glücklicher.

Hinweis:
Wir haben unser Fazit nur auf die Nutzung als "Desktop"-Software bezogen und geben zu bedenken, dass die Kritikpunkte bei Nutzung in größeren Umgebungen mit beruflichen Administratoren hinfällig sind, da hier die Software mit dem Client-Remote-Konzept und vielen anderen Dingen erst richtig auftrumpfen kann. Dies war aber bei der "Desktop-Edition" nicht Gegenstand der Betrachtung.

StorageCraft ShadowProtect 4 Desktop Edition


Download der Demo über WinTotal

Hersteller: StorageCraft
Preis ca. 75 Euro
System: Windows 7, Vista, XP
Positiv: klare Benutzeroberfläche, sehr gutes Rettungsmedium mit vielen Profifunktionen
Negativ: Manuelles Verify, Kein Restore von Systempartitionen ohne Notfallmedium, kein Konverter für USB-Rettungsmedium, Preis

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