Datum: | Tests 2018

Gaming, PC, Controller

Nach Musik- und Video-Streaming könnte sich auch Spiele-Streaming mittelfristig durchsetzen, erlaubt diese Technik doch das Spielen moderner Games in hoher Auflösung mit allen Details auch auf schwächeren Systemen. Wir haben uns den Spiele-Streaming-Dienst GeForce NOW von Nvidia in diesem Testbericht näher angeschaut, welcher neben den Shield-Geräten nun auch PC und Mac unterstützt.

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  • Cloud-Streaming-Dienste wie GeForce NOW erlauben das Spielen von anspruchsvollen Spielen auch auf schwächeren Systemen ohne Einbußen in Grafikqualität oder Spielgeschwindigkeit.
  • GeForce NOW ist derzeit noch in der Beta-Phase.
  • Die Spiele werden nicht auf dem lokalen System, sondern in der virtuellen Maschine bei Nvidia installiert.
  • Für den Mac ergibt sich die Besonderheit, dass man mit GeForce NOW jedes PC-Spiel ausführen kann, welches der Dienst unterstützt.

PC-Spiele als Verkaufsmotor

PC-Spiele gehören ohne Frage zu den Hauptgründen, warum Anwender ihre PC aufrüsten. Für aktuelle AAA-Spieletitel wie die beliebten Reihen Battlefield, Call of Duty , Assassins Creed, Dayz oder PlayerUnknown’s Battlegrounds bzw. Fortnite dürfen es gerne die beste Grafikkarte, der schnellste Prozessor und viel RAM sein, um die Titel in hoher Auflösung mit allen Features ruckelfrei in 60 fps darzustellen. Die Aufrüstungen für den optimalen Spiele-PC gehen dabei schnell ins Geld und so mancher PC-Spielefan schaut etwas neidisch auf die Konsolenspieler, welche über Jahre ohne weitere Investition die gleichen Spiele ruckelfrei spielen können, wenngleich die PC-Fassungen von Titeln in Sachen Darstellungsqualität den Konsolenfassung in aller Regel weit überlegen sind.

PC-Spiele, Computer, Gaming

PC-Spiele sind einer der Motoren für den Hardwarehandel

Die Idee des Spiele-Streaming

Spiele-Streaming verfolgt einen anderen Ansatz: In großen Rechenzentren wird viel CPU- und GPU-Leistung konzentriert und dort werden die Spiele ausgeführt. Der Spieler bekommt im Grunde nur einen Live-Stream des Spiels und kann mit diesem über seine Eingabegeräte interagieren, deren Kommandos und Befehle wiederum im Rechenzentrum verarbeitet werden. Das Ausgabegerät des Anwenders muss im Prinzip nur mit einer schnellen und ausreichend großen Leitung für das ruckelfreie Video am Internet angebunden und in der Lage sein, den Videostream auch ruckelfrei anzuzeigen. Damit reichen ein einfacher Büro-PC oder sogar einige Netbooks für die anspruchsvollsten Spiele aus.

Spiele-Streaming aus der Cloud

Nvidia ist nicht der erste Anbieter dieser Technik. Dienste wie Gaikai und Onlive gab es bereits, sie wurden aber wieder eingestellt und von Sony übernommen. Sony war bis vor kurzem daher mit seinem Sony Playstation Now noch der einzige große Anbieter von Spiele-Streaming. Er erlaubt, auch auf Windows-PC für einen Monatsbeitrag von 14,99 Euro eine Auswahl von mehr als 500 Spielen für die Playstation 2, 3 und auch Playstation 4 zu streamen. Im Monatspreis enthalten ist demnach ein Vollzugriff auf alle Spiele, welche Sony Playstation Now anbietet. Der Dienst hat aber im PC-Lager keine große Bedeutung und wird eher von Playstation-Nutzern direkt genutzt.

Technik hinter GeForce NOW

Nvidia GeForce NOW ist kein neuer Dienst, sondern bereits seit 2015 für die Nvidia Shield-Konsole verfügbar, wurde seit Anfang 2018 aber auch für Windows-PC und Mac als Beta freigegeben.

Hinweis: Der Dienst ist derzeit noch in der Beta-Phase. Über Preise und endgültige Leistung kann daher nur spekuliert werden. Die Teilnahme am Beta-Test ist kostenlos, die Einladung zum Dienst erfolgt aber in Wellen. Zudem ist eine Spiele-Session derzeit auf vier Stunden beschränkt. Der Anwender kann dann seinen Fortschritt speichern und eine neue Sitzung beginnen. Damit will Nvidia den Zugang zu seinem Dienst in der Beta-Phase vielen Spielern zugänglich machen.

Der Anwender installiert auf seinem System (PC oder Mac) einen Client, mit dem er über das Internet auf einen Rechner bei Nvidia wie bei einem Remote-System zugreift. Dort laufen die Spiele dann auf Systemen mit Tesla-GPUs, welche in der Leistung mit der Geforce GTX 1080 vergleichbar sind. Als CPU kommen Intels Xeon-Prozessoren mit mehreren Kernen und 16 GB RAM zum Einsatz. Der Festplattenspeicher ist nicht begrenzt. Zum kostenlosen Download von Nvidia GeForce NOW

Nvidia verspricht mit dieser Technik ruckelfreies Spielen in FullHD (1.920 x 1.080) mit 60 Frames und maximalen Details.

Die Systemvoraussetzungen für den Client sind dabei sehr moderat: Der Client des Anwenders muss im Grunde nur in der Lage sein, das H.264-Video ruckelfrei zu dekodieren, was selbst schwache CPUs wie die Atom-Serie in vielen Netbooks schaffen. Für die Mac-Nutzer hat Nvidia hat eine Liste der Mac-Modelle online, welche  für GeForce NOW ausreichen, beginnend mit einem iMac 20” aus dem Jahre 2009. Als Eingabegerät wird im Grunde alles unterstützt, was sich an den PC/Mac anschließen lässt, auch Gamepads von Sony oder Microsoft. Gerade für Mac-User ergibt sich mit GeForce NOW die einfache Möglichkeit, PC-Spiele ohne viel Aufwand am Mac zu spielen.

Gaming, PC, Spiele

Einfacher PC, Tastatur, Maus und Headset: Fertig ist der Spiele-PC dank GeForce NOW

Internetanbindung sollte 25 Mbit/sec erreichen

Damit die Videos ohne nennenswerte Verzögerung und ruckelfrei ankommen, empfiehlt Nvidia eine Übertragungsgeschwindigkeit von mindestens 15 Mbit/s für 720p bei 60 FPS und von 25 Mbit/s für 1080p bei 60 FPS. Reicht die Datenrate nicht aus, senkt GeForce NOW nach und nach die Auflösung bis auf 540p30, sofern dies in den Einstellungen der Client-Software so eingestellt ist. Nvidia selbst unterhält in Europa mehrere Rechenzentren, um die optimale Performance und schnelle Internetanbindung zu gewährleisten.

Ultra Streaming Mode mit 120 fps

Gerade für Egoshooter im Profi-Bereich reichen vielen Spielern die 60 fps nicht aus. Nvidia bietet für diese Zielgruppe den Ultra Streaming Mode mit 120 fps, reduziert dafür aber einige Einstellungen in den Spielen, um die Framerate auch konstant zu erreichen.

4K-Modus wäre möglich

Mit der Technik wäre Nvidia auch in der Lage, Spiele in 4K zu streamen, was aber wegen der schlechten Internetanbindungen gerade in Deutschland nicht praktikabel wäre. Zudem müsste Nvidia das Video mit H.265 kodieren, um stärkere Artefakte der H.264-Kodierung von 4K-Material zu verhindern. Zukünftig wäre dies aber sicherlich möglich und auch irgendwann praktikabel.

GeForce NOW kann in der Praxis überzeugen

Die Installation und Einrichtung von GeForce NOW ist ein Kinderspiel. Der Anwender lädt sich den ca. 60 Mbyte großen Client für PC oder Mac (98 MB) herunter und installiert diesen auf dem System. Zurück bleibt nur ein kleines Desktop-Icon, welches die übersichtliche Programmoberfläche von GeForce NOW startet und an die Clients von Steam und Co. erinnert.

Nvidia GeForce Now

Programmoberfläche von Nvidia GeForce NOW

Hier präsentiert Nvidia die aktuellen Spielehits sowie Neuerscheinungen.

In der Bibliothek listet der Client die Spiele auf, welcher der Spieler zuletzt spielte oder installierte.

Nvidia GeForce Now

Bibliothek eigener Spiele in Nvidia GeForce Now

Tipp: Wenn Sie mit der rechten Maustaste über eine Spielkachel aus Ihrer Bibliothek klicken, können Sie direkt eine Desktopverknüpfung zu dem Spiel erstellen und sich damit künftig den Umweg über den GeForce-NOW-Client sparen.

Desktopverknüpfung von Spielen in GeForce NOW

Desktopverknüpfung von Spielen in GeForce NOW

In den Einstellungen des Clients haben Sie im Grunde nur die Möglichkeit, die Streaming-Qualität anzupassen. Es gibt verschiedene Voreinstellungen und die Möglichkeit, auch benutzerdefiniert die Bitrate, Auflösung, FPS und Reduzierung der Auflösung bei schlechter Netzwerkverbindung anzupassen. Auch das VSync kann an- oder abgeschaltet werden.

Nvidia GeForce Now

Einstelungen in Nvidia GeForce NOW

Nvidia setzt auf Steam, Ubisofts Uplay und Battle.net

Während Sonys Playstation Now in der Monatsmiete bereits alle verfügbaren Spiele beinhaltet, bekommt der Kunde von GeForce NOW nur den Remote-Zugriff auf ein entfernten Spiele-PC ohne weitere Zugaben. Der Spieler muss daher die Spiele besitzen und diese auf dem Remote-System erst installieren.

Die Installation der Spiele ist mit Ausnahme einiger F2P-Titel wie Fortnite, Dota 2 oder League of Legends derzeit nur über Dienste wie Steam, Ubisofts Uplay oder Battle.net möglich. Wählt man aus der Liste des GeForce-Now-Clients beispielsweise ein Spiel aus, welches über Steam verbreitet wird, startet in der virtuellen Umgebung der Steam-Client und fordert beim ersten Start die Logindaten des Nutzers.

Steam

Steam in GeForce NOW

Handelt es sich um ein Spiel aus dem „Store“ des Clients von GeForce NOW, ist dieses in wenigen Sekunden einsatzbereit und startet.

GeForce Now unterstützt aber nicht alle in Steam und Co. verfügbaren Spiele. Aktuell (09/2018) werden über 300 Spiele unterstützt. Die Liste der von GeForce Now unterstützten Spiele wächst dabei regelmäßig.

In der Liste finden sich auch Spiele in Fettschrift. Diese sind bereits für die optimalen Spieleeinstellungen konfiguriert, andere bedürfen mitunter der Anpassung von Auflösungs- und Grafikeinstellungen. Nvidia bietet hierfür zum Erfahrungsaustausch eine Community, FAQs und eine Knowledgebase für Probleme aller Art. Ein Problem der Beta ist auch, dass Spiele ohne Optimierung bei jedem Start die Grafikeinstellungen vergessen und neu angepasst werden müssen.

Wenn der Anwender ein Spiel aus dem Steam starten möchte, welches noch nicht unterstützt wird, erscheint zwar ein Hinweis, das Spiel startet aber trotzdem. Eventuell treten hier aber Grafikfehler auf. Ausprobieren lautet die Devise. Zumindest in der Beta tritt aber noch der Fehler auf, dass Spiele außerhalb der Liste bei einem erneuten Start immer wieder heruntergeladen werden müssen. Der Download geht zwar mit 100 Mbyte/s sehr schnell. Wer häufig verschiedene Spiele zockt, wird von dem Verhalten aber schnell genervt sein. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Verhalten nur der Beta-Phase geschuldet ist.

Bildqualität und praktische Erfahrung

Wir haben eine Woche lang den aktuellen Spielehit PlayerUnknown’s Battlegrounds, den Klassiker Counter Strike, Dayz und StarCraft getestet. Als Testplattformen dienten ein Toshiba-Laptop aus dem Jahre 2013 mit einem Intel I7-Prozessor und einer Intel HD 4600-Grafikkarte sowie ein Dell Vostro-Laptop aus 2015 mit einem I3-Prozessor und Intel HD 4000-Grafikkern. Das Toshiba-Gerät war per GigabitLAN, das Vostro über WLAN mit 150 Mbit/s an eine Kabel-Leitung mit 212 Mbit/s angebunden. Auf dem Toshiba-Laptop spielten wir über einen externen FullHD-Monitor in dieser Auflösung mit 60 fps, auf dem Vostro in 720p mit 60 fps.

Die Darstellungsqualität in Hinblick auf Details und Farbe war – trotz Komprimierung – nur im direkten Vergleich zum „Offline-Spiel“ zu erkennen. Gegenüber der Streaming-Lösung von Sony kann Nvidia mit einer viel besseren Darstellung punkten: Die Texturen wirken weder verwaschen noch merklich unscharf und kommen sehr nah an das Original heran.

Während des Tests gab es aber vereinzelt immer mal wieder „Brandbreitenwarnungen“ in Form eines Overlays oben rechts im Spiel und damit verbunden kurzfristige Qualitätsänderungen, wobei die Framerate nicht merklich einbrach, wohl aber die Komprimierung des Videosignals. Der Effekt ist auch bei Video-Streams wie Amazon Prime, Youtube und anderen Diensten sicherlich bekannt. Ob die Ursache der eigene Internetanschluss oder der Beta-Status von GeForce Now war, blieb unklar. Testweise wurde das Toshiba-Gerät auch über WLAN angebunden. Erst bei einer Reduzierung der Verbindungsgeschwindigkeit auf den veralteten G-Standard mit maximal 54 Mbit/s war ein Spielen in FullHD nicht mehr möglich, da die Datenrate der WLAN-Verbindung hier gerade die 25 Mbit/s erreichte oder sogar darunter lag. Wer den Dienst daher über WLAN verwenden will, muss für eine ausreichende WLAN-Anbindung sorgen. Nvidia empfiehlt sogar einen WLAN-Router mit 5 GHz. Der Grund dafür dürfte im größeren Frequenzband und damit geringen Störungen und Überlagerungen liegen, welche gerade in dicht bewohnten Gebieten wie Hochhäusern im überladenen 2.4 GHz-Band auftreten.

Streaming-Statistiken und Latenz

Auf dem PC kann man sich in Spielen mit der Tastenkombination Control + Alt + F6 die Streaming-Statistiken wie Framerate und Verzögerung für Frame to Frame sowie weitere Daten anzeigen lassen, welche Nvidia sogar dokumentiert hat.

Statusfenster

Statusfenster

Die erste Zeile zeigt die aktuelle Framerate und Bandbreitennutzung an, die zweite Zeile Framerate, Paketverlust und CPU-Auslastung des Client-Systems, die dritte Zeile verschiedene Latenzwerte und die viere Zeile die Client-Auflösung, Stream-Auflösung und ein Qualitäts-Score, absteigend bis 0.

Mit den Werten kann man experimentieren und versuchen, die Latenz zu senken, was vor allem Profis in Ego-Shootern interessieren dürfte. Eine Latenz von über 20 ms halten Profis bereits für unspielbar, dürfte Gelegenheitsspieler und für Offline-Spiele aber ausreichen. Im Ultra Streaming Mode mit 120 fps konnten wir die Latenz aber auf Werte um die 12 ms drücken.

Fazit

  • Spiele in höchster Auflösung und Qualität auch auf schwachen Systemen spielbar
  • einfache Handhabung und Einrichtung
  • Mac-User spielen PC-Titel ohne weiteren Aufwand.
  • Spiele außerhalb der Liste müssen bei jeder Nutzung neu heruntergeladen und installiert werden
  • während der Beta Sessions auf 4 Stunden begrenzt
  • derzeit noch Beta mit unbekanntem Preismodell

Es ist schon erstaunlich, wie einfach und unkompliziert sich GeForce Now nutzen lässt. Man vergisst schnell, dass die Spiele eigentlich gestreamt werden, würden nicht gelegentliche Artefakte und Bandbreitenwarnungen daran erinnern, was aber hoffentlich noch dem Beta-Status geschuldet ist.

Ob sich GeForce Now für Gelegenheitsspieler durchsetzt, hängt maßgeblich vom Preismodell ab. Eine stundenweise Abrechnung würde sich für sporadische Nutzung rechnen, für längere Sessions aber schnell ins Geld gehen und bei intensiver Nutzung sogar eine Hardwareaufrüstung günstiger machen.

Vielleicht bietet Nvidia einen gesunden Mittelweg. Ich jedenfalls wäre bereit, für 10 Euro im Monat beispielsweise 20 Stunden monatliche Spielzeit zu kaufen, wenn ich dafür keine Kosten für Hardwareaufrüstungen mehr hätte.

Wer bereits einen potenten Spielerechner besitzt, könnte am Dienst aber auch Gefallen finden, lassen sich Spiele doch auch „unterwegs“ auf schwächeren Systemen spielen.

Wir bleiben am Ball und passen diesen Text hier an, wenn Nvidia den Beta-Status verlassen hat.

45 Bewertungen

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