Datum: | Artikel 2015

Media Creation Tool

Nach mehr als einem Monat Windows 10 haben viele Anwender schon ein Upgrade gewagt, zum Teil mit großem Erfolg, aber auch mit sehr schlechten Erfahrungen. In dem folgenden Text geben wir ein paar Tipps, wie der Umstieg eventuell fehlerfrei gelingt.

Image anlegen

Wie bei jeder größeren Aktion am PC sollten Sie auch vor einem Upgrade auf Windows 10 ein Systemimage anlegen. Dabei wird Ihr bisheriges Windows incl. aller Programme und Einstellungen in ein Backup gesichert und kann – mit einem Notfalldatenträger des Programmherstellers sogar bei einem nicht mehr bootfähigen System – wiederhergestellt werden. In einem Vergleichstest von Image-Programmen haben wir viele – auch kostenlose Vertreter – auf WinTotal veröffentlicht. Mit dem Image und dem dazu passenden Notfalldatenträger können Sie ein Upgrade auf Windows 10 viel gelassener angehen.

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Upgrade oder Neuinstallation?

Wie in unserem Artikel Clean-Installation von Windows 10 beschrieben, können Sie auf ein leeres System grundsätzlich beim ersten Versuch nicht das kostenlose Windows 10 installieren. Dies ist erst möglich, wenn Windows 10 einmal als Upgrade auf dem System installiert und der Hash-Wert des PCs auf dem Lizenzserver von Microsoft für Windows 10 gespeichert wurde.

Dennoch ist im Grunde eine Clean-Installation auch auf diesem Wege möglich, welche wir als „Clean-Installation light“ bezeichnet haben. Im Gegensatz zu einer Installation auf einer leeren Festplatte hinterlässt sie nur einen Ordner „Windows.old“, schleppt sonst aber keine Altlasten vom vorherigen Windows mit. Dies ist auch der Installationsweg, den wir empfehlen, wenn die Übernahme der alten Programme und Einstellungen nicht zwingend notwendig ist.

Alle Windows-Updates vorab herunterladen

Der häufig vorkommende Fehler 0x8009000F-0x90002 ist ein Indiz dafür, dass auf dem System entweder noch wichtige Updates fehlen (in dem Fall mit Windows Update suchen lassen) oder Windows Update selbst einen Fehler hat. Unter KB971058 hat Microsoft einen Assistenten, welcher die Funktionalität von Windows Update prüft und ggf. Fehler behebt.

Platz schaffen

Egal, wie Sie vorgehen: Schaffen Sie Platz auf der Windows-Partition. 15 bis 20 GByte dürfen es schon sein. Löschen Sie den Temp-Ordner, ggf. große Programmpakete, die Sie später neu installieren können, und bedienen Sie sich der Datenträgerbereinigung, welche seit Windows 7 viele Möglichkeiten zum sicheren Löschen von nicht mehr benötigten Dateien bietet.

Recovery-Partition prüfen

Die Recovery-Partition kann später auch ein Problem verursachen. Wenn Sie z.B. mit dem EaseUS Partition Master bis zur Version 10.5 auf Ihrem System gearbeitet haben, kann dieser unter bestimmten Umständen die ID der Recovery-Partition falsch verändert haben. Dies wiederum quittiert das Upgrade mit einem Fehler wie 80070003. Wie man den Fehler über die Kommandozeile lösen kann, beschreibt der Foreneintrag von Eigthforums ab How to fix the error message: “Could not find the recovery environment”, if the ID for the recovery partition type is incorrectly set to OEM.

Aber auch wenn die systemreservierte Partition unter 350 MB an Größe hat, kann das Upgrade auf Windows 10 scheitern. Sie erhalten dann die Fehlermeldung „Windows 10 kann auf diesem PC nicht ausgeführt werden. Unten sind die Gründe aufgeführt. Grund: Die für das System reservierte Partition konnte nicht aktualisiert werden.“

Recovery-Partition zu klein

Recovery-Partition zu klein

Über die Datenträgerverwaltung (diskmgmt.msc) kann das Problem nicht gelöst werden. Mit einem Partitionierer wie z.B. „MiniTool Partition Wizard Free“ klappt es aber. Verkleinern Sie mit solchen Tools die erste Windows-Partition am Anfang und vergrößern Sie dann durch den freigewordenen Platz die Wiederherstellungspartition auf eine Größe von 350 MByte.

Hardware auf Kompatibilität prüfen

Ob die eigene Hardware noch unter Windows 10 läuft, hängt nicht nur vom Alter ab. Windows 10 unterstützt „out of the box“ eine Vielzahl von Geräten. Microsoft hat das Kompatibilitätscenter, um den Anwendern die Möglichkeit zur Prüfung zu geben, ob die verwendete Hardware, z.B. Drucker, unter Windows 10 funktioniert. Das Center bietet hierbei – sofern notwendig – einen Link zum Hersteller für neue Treiber.

Kompatibilitätscenter

Kompatibilitätscenter

Sofern auf Ihrem PC auch die GWX-App erscheint, bietet diese eine Prüffunktion der Hardware auf Windows-10-Tauglichkeit.

PC prüfen

PC prüfen

Sollte das GWX-Tool übrigens die Hardware als nicht kompatibel ansehen und ein Upgrade verweigern, können Sie immer noch mit dem Windows 10 Media Creation Tool den Download anstoßen und darüber ein Upgrade vornehmen, wie unser Artikel zur Installation von Windows 10 beschreibt.

BIOS-Update

In Foren ist auch immer wieder zu lesen, dass bei Usern ein BIOS-Update Installationsprobleme mit Windows 10 löst. Schauen Sie daher beim Hersteller des Mainboards, ob dieser neue BIOS-Versionen für Ihr Mainboard anbietet. Der genaue Typ kann mit vielen Tools wie SIV, CPU-Z, Speccy oder Sandra Lite angezeigt werden.

Nicht benötigte Hardware vorab entfernen

Eine weitere Störquelle ist externe Hardware. Bei Fehlern wie 0xC1900101-0x2000c sollten Sie daher nicht benötigte Hardware vor dem Upgrade abziehen und nach dem Upgrade Zug um Zug wieder anschließen.

Virenscanner deinstallieren

Deinstallieren Sie jeden Virenscanner, auch den Microsoft Security Essentials, bevor Sie ein Upgrade über ein bestehendes Windows vornehmen. Wir haben viele Leser, bei denen der Virenscanner beim Upgrade für massive Probleme sorgte. Eine vorübergehende Deaktivierung reicht im Zweifel nicht aus. Der Scanner kann später – sofern für Windows 10 freigegeben – wieder neu installiert werden. Auch für etwaige Internetprobleme kann ein Virenscanner mit Firewall bei einem Upgrade verantwortlich sein, wie Bitdefender selbst schreibt.

Vielleicht ist es bei diesem Schritt auch an der Zeit, über die bisherigen Virenlösung nachzudenken. Günter Born hat in seinem Blog zum Thema Antivirus-Lösung unter Windows 10 Stellung bezogen. Ein Test der üblichen Virenscanner unter Windows 10 steht noch aus, AVTest hatte aber zuletzt aktuelle Sicherheitsprodukte für Windows 8.1 im Test.

„Systemtools“ deinstallieren

Viele Systemtools verankern sich tief im System. Dazu zählen nicht nur Firewalls von Drittherstellern, Image- und Backup- oder Partitionsprogramme, sondern vor allem viele Tweak- und Tuningtools. Wir raten aus eigener und fremder Erfahrung dringend, solche Programme vorab zu deinstallieren, da diese eventuell nicht mit Windows 10 kompatibel sind und darüber hinaus den Upgradeprozess behindern können.

Autostartprogramme deaktivieren

Auch Autostarteinträge von Windows, z.B. zur Überwachung von Kartenlesern, sollten Sie ggf. deaktivieren. Dafür bieten sich Hilfsprogramme wie etwa Starter oder Autoruns an.

Systemlaufwerke entschlüsseln

Wer sein Systemlaufwerk mit Tools wie TrueCrypt verschlüsselt hat, sollte diese Verschlüsselung vorher aufheben. Mit Ausnahme von BitLocker dürften Verschlüsselungen bei einem Upgrade Probleme bereiten.

Für den Fall der Fälle

Bei dem Upgrade auf Windows 10 gibt es mehrere Störquellen. Microsoft hat eine Hilfe bei Windows-10-Upgrade- und -Installationsfehlern zusammengestellt und dort die häufigsten Fehlercodes näher beschrieben. Die Liste ist aber nicht vollständig und wurde in der Windows Community weiter ergänzt.

Seit Windows 8.1 führt das Setup bei einem Upgrade Logfiles, welche zur Fehlersuche herangezogen werden sollten, wenn ein Upgrade scheitert.

Die Logfiles finden sich in den versteckten Ordnern

$Windows.~BT\sources\Panther
$Windows.~BT\sources\Rollback

welche erst über die Registerkarte „Ansicht“ sichtbar gemacht werden müssen.

Logfiles

Logfiles

Die Fehlermeldungen stehen in den Logfiles in aller Regel im Klartext.

Als letzter Ausweg lohnt sicher ein Blick in die Microsoft Community zu Windows 10. Dort werden viele Probleme angesprochen und auch – zum Teil von Microsoft-Mitarbeitern – gelöst. Und natürlich wird unser Tipparchiv sowie die FAQ zu Windows 10 Zug um Zug erweitert.

Intrografik: Microsoft

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