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Instant-Messenger sind heutzutage aus der modernen Kommunikation nicht mehr wegzudenken und allein WhatsApp bringt es weltweit auf rund 1,5 Milliarden Nutzer. Seit der Übernahme durch Facebook gerät der einst beliebteste Dienst vor allem wegen Datenschutzproblemen immer häufiger in die Kritik. Glücklicherweise gibt es aber bessere und sicherere Alternativen. Eine davon ist der Kurznachrichten-Dienst Telegram, der sich vor allem seit Beginn der Corona-Krise immer größerer Beliebtheit erfreut. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte rund um die cloudbasierte Messenging-App „Made in Russia“.

Wer steckt hinter Telegram?

Telegram wurde 2013 von den Brüdern Pavel und Nikolai Durov gegründet, von denen auch das in Russland populärste sozialen Netzwerkes vk.com stammt. Die meisten Entwickler stammen ursprünglich aus St. Petersburg, der Sitz des Unternehmens befindet sich allerdings im arabischen Dubai.

Wie sicher ist Telegram?

Telegram ist im Gegensatz zu den meisten anderen Messaging-Diensten cloubasiert. Das bedeutet, dass die Speicherung der Chats nicht auf dem Smartphone oder Tablet, sondern in der Cloud erfolgt. Dadurch können Sie die App zwar auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen, die Nachrichten können dafür aber theoretisch von jedem gelesen werden, der Zugriff auf den Server hat.

Was kostet Telegram?

Die App ist kostenlos und kommt komplett ohne Werbung aus, was laut Entwicklern auch so bleiben soll. Allerdings könnten, falls dem Dienst die Geldmittel ausgehen sollten, bestimmte Inhalte zukünftig per In-App-Kauf angeboten werden (Quelle: https://telegram.org/)

1. Was ist Telegram und was kann ich damit machen?

Telegram ist eine kostenlose Messenger-App, mit der Sie Direktnachrichten an Ihre Freunde, Familie oder Bekannte senden und auch empfangen können. Voraussetzung dafür ist, dass diese ebenfalls Telegram nutzen. Bei den Nachrichten kann es sich entweder um reinen Text, aber auch um Medien (z.B. Bilder, Videos) oder andere Dateien und Dokumente handeln, deren maximale Größe bei 1,5 GB liegt. Darüber hinaus stehen Ihnen neben den gängigen Emojis auch zahlreiche Sticker zur Verfügung.

Gut zu wissen: Telegram lässt sich nicht nur auf mobilen Endgeräten (unter iOS und Android) nutzen, sondern kann auch im Browser oder als Software auf dem PC verwendet werden.

Die Registrierung bei Telegram erfolgt genau wie bei WhatsApp über die eigene Telefonnummer. Die App ist cloudbasiert, das bedeutet, dass Sie von überall und von verschiedenen Geräte auf alle Ihre Chat-Nachrichten zugreifen können. Sie erlaubt außerdem das Anlegen von Gruppen mit bis zu 200.000 sowie Kanälen mit einer unbegrenzten Anzahl von Mitgliedern.

Screenshot der Telegram Messenger App

Neben den gängigen Emojis stehen auch zahlreiche Sticker und Animationen zur Verfügung.

1.1. Datenverschlüsselung und 2-Faktor-Authentifizierung

Telegram verschlüsselt Chats standardmäßig nur vom Nutzergerät zum Cloud-Server. Dadurch können Sie von verschiedenen Geräte aus auf alle Ihre Chats zugreifen, ohne ein Backup anlegen zu müssen. Die auf dem Server abgelegt Daten können aber theoretisch vom Betreiber oder jedem anderen zugriffsberechtigten Dritten eingesehen werden.

Aus diesem Grund verfügt Telegram neben offenen Chats auch über eine Funktion für „geheime“ Chats, bei denen auf eine Speicherung in der Cloud verzichtet wird. Diese sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und können immer nur auf dem Gerät verwendet werden, auf dem die Unterhaltung begonnen wurde. Bei Gruppenchats ist eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht möglich. Dafür sind Anrufe, die Sie aus der App heraus tätigen, standardmäßig verschlüsselt.

Für die Nachrichten im privaten Kanal lässt sich außerdem ein Zerstörungs-Timer einrichten, der diese nach einer von Ihnen bestimmten Zeit vernichtet. Beachten Sie aber, dass der Timer auch ungelesene Nachrichten mit einbezieht. Als weitere Sicherheitsmaßnahme besteht ferner die Möglichkeit, eine zweistufige Anmeldung zu aktivieren, bei der zusätzlich zum SMS-Code noch die Angabe eines (selbst gewählten) Passwortes erforderlich ist.

1.2. Terminierte Löschung von Chat-Nachrichten 

Telegram speichert zwar sämtliche Nachrichten (ausgenommen geheime Chats) auf den Cloud-Servern, dort werden diese aber nach einer Weile wieder gelöscht. Alternativ können Sie Unterhaltungen oder einzelnen Messages natürlich auch selbst löschen. Damit entfernen Sie diese allerdings nicht nur von Ihrem Gerät, sondern auch von allen anderen – also beispielsweise auch vom Handy des Empfängers.

2. Telegram und der Datenschutz: Wie sicher ist die Messaging-App?

Die Krux bei der Frage nach dem Datenschutz bei Telegram ist, dass sich die Aussagen der Entwickler kaum überprüfen lassen und sich die meisten Nutzer auch gar nicht so recht im Klaren sind, was Sie in Bezug auf den Datenschutz generell erwarten.

Die Stiftung Warentest kritisiert beispielsweise, dass Telegram die Nutzer-Kontakte zum Abgleich auf einem der Server ablegt. Laut Entwickler ist dieses Vorgehen obligatorisch, da ansonsten nicht angezeigt werden kann, welcher Ihrer Kontakte ebenfalls Telegram nutzt. Sie können den Zugriff auf Ihre Kontakte aber auch jederzeit untersagen. In diesem Fall müssen Sie Ihre Kontakt dann eben selbst fragen, ob Sie die Messenger-App ebenfalls verwenden.

Gut zu wissen: Laut Datenschutzerklärung speichert Telegram die IP-Adresse, die App-Version, Informationen über den verwendeten Gerätetyp und den Nutzernamen (samt Änderungshistorie) für maximal zwölf Monate. Das soll in erster Linie zur Einschränkung von SPAM dienen. Ansonsten ist über den Umgang mit Informationen und Standortdaten (z.B. in Hinblick auf die Funktion „lokale Gruppen“) leider nichts bekannt. Laut eigener Aussage haben die Betreiber bislang aber noch nie Daten an Behörden oder Regierungen weitergegeben.

3. Alternativ-Version Telegram X

Mit Telegram X bietet der Hersteller selbst eine Alternative an, die nicht nur schneller als das „normale“ Telegram sein soll, sondern neben ansprechenderen Animationen auch über eine Reihe experimenteller Funktionen verfügt. Zudem soll auch der Akku-Verbrauch im Vergleich zum Original deutlich geringer sein. Telegram X dient vornehmlich als Test-App für Funktionen, die später unter Umständen in die „normale“ App übernommen werden.

4. Fazit: WhatsApp oder Telegram?

In Bezug auf den Datenschutz und Verschlüsselung hat Telegram gegenüber dem grünen Giganten ganz klar die Nase vorn. Beide Messenger sind Ende-zu-Ende verschlüsselt. Allerdings versichern die Macher von Telegram, keine Informationen an Regierungen oder Behörden weiter zu geben, wohingegen WhatsApp deren Tradieren (nach ausdrücklicher Erlaubnis des Nutzers) sogar offen zugibt.

Ein weiteres Plus: Die API von Telegram öffentlich, was vor allem Entwickler erfreuen dürfte. So können Sie beispielsweise auch eigene Apps erstellen und Dank Bot API beliebige Dienste integrieren oder sogar Zahlungen von Nutzern akzeptieren.

Die russischen Entwickler spendieren Ihrem Messenger zudem in regelmäßigen Abständen neue Features, wodurch dieser WhatsApp auch diesbezüglich überlegen ist. Allerdings wird Letzterer von deutlich mehr Personen verwendet was im Fall von Instant-Messaging-Diensten ein elementares Kriterium ist. Denn eine Kommunikation ist immer nur dann möglich, wenn Ihre Kontakte dasselbe Chat-Programm nutzen wie Sie selbst.

Noch mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem "Telegram vs. WhatsApp" - Vergleich.

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Was ist Telegram? Wir stellen die beliebte Messenger-App vor
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