Datum: | Artikel 2018

Festplatte Dualboot

Windows 10 setzt sich immer mehr durch und wird auf neuen Systemen durchgängig als Betriebssystem vorinstalliert. Es gibt allerdings auch Anwender, welche Windows 7 aus Gewohnheit oder wegen Problemen mit Windows 10 gerne ergänzend zu Windows 10 installieren würden. Der folgende Ratgeber gibt eine Hilfestellung zur Lösung von verschiedenen Problemen, welche bei dem Versuch auftreten können, Windows 7 neben Windows 10, aber auch ohne weiteres Betriebssystem als Dualboot zu installieren.

Anzeige

  • Im Dualboot können Sie Windows 7 und Windows 10 parallel installieren.
  • Die Installation von Windows 7 auf neueren Systemen ist mit vielen Problemen behaftet, welche wir in der Folge ansprechen.
  •  Sofern Sie weiterhin auf Windows 7 ergänzend angewiesen sind, raten wir zur manuellen Installation von Windows 7 in einer virtuellen Umgebung über Hyper-V, VMWare oder VirtualBox.

Windows 7 kommt mit UEFI und Secure Boot nicht zurecht

Windows 7 kam 2009 auf den Markt und wurde in den Bereichen Sicherheit und Technik bereits mehrfach von seinen Nachfolgern Windows 8.x und Windows 10 überholt.  Die Zeit von Windows 7 ist gezählt: 2020 ist mit dem Support für Endkunden Schluss.

Windows 10 richtig installieren

Microsoft bietet auch weiterhin die Möglichkeit, kostenlos auf Windows 10 upzugraden. Sofern Sie Windows 10 aus einem bestehenden Windows 7 heraus starten, können Sie Windows 10 ergänzend installieren und eine Dualboot-Umgebung problemlos nutzen. In unserem Ratgeber Installation von Windows 10 als Upgrade oder Neuinstallation haben wir in einer Anleitung für Sie zusammengefasst, wie Sie Windows 10 zu einem bestehenden Windows 7 oder Windows 8 als weiteres Betriebssystem oder Windows 10 komplett neu installieren.

Auch die Hardware hat sich seit der Einführung von Windows 7 grundlegend geändert. So verfügen neuere Systeme kaum noch über optische Laufwerke, statt eines klassischen BIOS nutzen moderne Hauptplatinen ein UEFI-System und Festplatten haben Kapazitäten über 2 TB und sind im GPT-Schema statt im altbekannten MBR-Schema eingerichtet. Dazu kommt noch, dass neue Mainboards die USB-Controller nur noch im XHCI-Modus ansprechen und damit beim Starten des Setups von Windows 7 weder Tastatur noch Maus erkannt werden. Kurzum: Auf neueren Systemen handelt man sich beim Versuch mit Windows 7 nur Probleme ein, die man aber mitunter lösen kann.

Die Probleme bei der Installation von Windows 7 liegen an vielen anderen Stellen.

Windows 7 als virtuelles Betriebssystem

Statt Windows 7 als echtes System ergänzend zu installieren, sollten Sie über den Einsatz von Windows 7 als Gastsystem in einem Virtualisierer wie VMWare Player, Hyper-V oder VirtualBox nachdenken. Der Vorteil liegt darin, dass Sie in der virtuellen Umgebung in aller Regel ohne größere Probleme wie gewohnt installieren können, keine Veränderungen an der UEFI-Firmware, Bootsicherheit oder Partitionsgrößen vornehmen müssen. In dem Artikel „Fertiges, virtuelles Windows von Microsoft zum Testen nutzen“ beschreiben wir, wie Sie mit den drei Virtualisieren umgehen. Der eigene Virtualisierer Hyper-V, welcher seit Windows 8.x und auch in Windows 10 zum Lieferumfang gehört, kann zur Virtualisierung von Windows 7 genutzt werden, wie unser Ratgeber Virtualisierung mit Hyper-V unter Windows erklärt.

UEFI-Modus und Secure Boot funktionieren nicht mit Windows 7

Neuere Systeme nutzen statt eines BIOS eine UEFI-Umgebung und sind daher auf ein 64-Bit-Betriebssystem angewiesen.  Mit UEFI hält auch die GUID Partition Table (GPT) Einzug. Windows bootet im UEFI-Modus nur von GPT-Partitionen.

Eine Kombination aus einem 32-Bit Windows 7 und einem 64-Bit Windows 10 ist daher nur möglich, wenn das Mainboard nicht im UEFI, sondern im BIOS-Modus läuft und die Festplatten nicht im GPT-Schema, sondern im MBR-Schema formatiert sind.

Sie können im Gerätemanager sehen, in welchem Modus die Festplatten eingerichtet sind.

Anzeige der Volumes im Gerätemanager

Anzeige der Volumes im Gerätemanager

Infos zu UEFI, GPT und MBR:
Hintergründe und Details zu UEFI, GPT und MBR finden Sie in unserem Ratgeber UEFI – der BIOS-Nachfolger: Grundlagen und Hilfestellung.

Windows 7 startet nicht mit Secure Boot

Eine weitere Hürde ist Secure Boot, welches auf UEFI-Systemen in aller Regel standardmäßig aktiviert ist und verhindern soll, dass unsignierter und damit eventuell gefährlicher Code gestartet wird. Leider zählt auch Windows 7 zu unsicherem Code. Wenn Sie ein Windows 7 daher installieren und nutzen wollen, müssen Sie im UEFI des Mainboards die Secure Boot-Option abschalten. Die Wege hierzu sind von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Der Eintrag wird entweder als „Secure Boot“, „OS Select“ oder „Other“ gekennzeichnet. Schauen Sie bitte im Handbuch des Mainboards oder auf der Herstellerseite nach, wie sich Secure Boot abschalten lässt.

Asrock Secure Boot, UEFI

Asrock Secure Boot, UEFI

Kein freier Platz für die ergänzende Installation von Windows 7

Für die Installation von Windows 7 sollten Sie mindestens 20 GB Speicherplatz auf einer neuen Partition bereitstellen. Mit der Datenträgerverwaltung können Sie bestehende Partitionen verkleinern und so hinter der verkleinerten Partition neuen Speicherplatz für eine weitere Partition schaffen.

Verkleinern über die Datenträgerverwaltung

Verkleinern über die Datenträgerverwaltung

Verkleinern über die Datenträgerverwaltung

Verkleinern über die Datenträgerverwaltung

Wir raten aber zum Einsatz von Partitionierern wie AOMEI Partition Assistant, EaseUS Partition Master oder MiniTool Partition Wizard, welche sich im Vergleich zur Datenträgerverwaltung viel einfacher bedienen lassen und die Größenanpassung unter einer zugänglichen Oberfläche erledigen.

Auf dem neuen, freigewordenen Platz erstellen Sie dann über die Datenträgerverwaltung oder das Partitionsprogramm ein neues Volume für Windows 7.

Windows 7 Installations-USB-Stick funktioniert nicht mit UEFI ohne weitere Eingriffe

Wenn die Secure-Boot-Hürde genommen ist und Sie eine freie Partition erstellt haben und über ein 64-Bit-Windows 7 verfügen, könnte die Installation beginnen. Allerdings haben viele moderne Rechner kein optisches Laufwerk mehr.  Wenn Sie nun versuchen, mit Tools einen bootfähigen USB-Stick zu erstellen, wird dieser auf einem UEFI-System nicht booten. Hintergrund sind fehlende Startdateien für ein UEFI-Boot über USB. In unserem Artikel „Bootfähigen USB-Stick als Installationsmedium für Windows erstellen“ finden Sie im Abschnitt „UEFI-Boot für Windows 7“ eine Anleitung, wie Sie das Problem einfach selbst lösen können.

Windows 7 erkennt Tastatur und Maus nicht

Wenn Sie versuchen, auf ein neueres System mit Skylake-Prozessor oder neuer Windows 7 zu installieren, werden eventuell Tastatur und Maus nicht mehr erkannt.  Ursache sind die Chipsätze für die Skylake-Prozessoren von Intel, welche nur noch den xHCI-Modus beherrschen, den wiederum Windows 7 nicht kennt. Die einzige Lösung (mit Ausnahme von eventuellen PS/2-Anschlüssen am Mainboard) liegt nun darin, das Installationsmedium von Windows 7 im Vorfeld mit den notwendigen Treibern zu impfen. Asrock bietet mit dem Asrock Win7 USB Patcher ein praktisches Tool an, welches den Installationsdatenträger entsprechend „impfen“ kann und die passenden Treiber in das Installationsmedium mit einbindet. Auch andere Hersteller wie GIGABYTE (Windows USB Installation Tool) bieten gleichartige Tools an. Sie können im Grunde jedes der Tools verwenden, da alle die generischen Treiber von Intel verwenden.

Windows 7 und moderne Hardware: Neben dem Maus- und Tastaturproblem können bei dem Versuch, Windows 7 zu installieren, noch weitere Probleme auftreten. Für neue Grafikkarten und Grafikkerne von Intel gibt es keine passenden Windows-7-Treiber mehr, so dass sich Windows nur in geringer Auflösung mit einem generischen Treiber benutzen lässt. Ist in dem Notebook oder PC eine SSD verbaut, welche nicht über die SATA-Schnittstelle, sondern über PCIe angeschlossen ist, erkennt Windows 7 mitunter gar keinen Datenträger zur Installation. Generell stehen die Chancen für ganz neue PCs eher schlecht, dass Windows 7 hier noch fehlerfrei oder überhaupt läuft.

Windows 7 trägt sich in das Bootmenü von Windows 10 ein

Sofern Sie die vorherigen Schritte und Anpassungen vorgenommen haben, wählen Sie im UEFI-Menü den USB-Stick von Windows 7 (oder das optische Laufwerk) aus, um davon Windows 7 in die neu erstellte Partition zu installieren.

Früher war es üblich, das ältere System zuerst zu installieren, um den Bootloader des neueren Windows nicht zu überschreiben. Für eine Kombi aus Windows 7 nach Windows 10 ist dies nicht mehr von Belang, da Windows 7 sich in den Bootloader bestehenden von Windows 10 einträgt und ergänzt.

Nach der Installation von Windows 7 ändert sich aber wieder die Darstellung des Bootloaders auf den reinen Text statt der aus Windows 10 bekannten Darstellung. Sie können mit dem Tool msconfig (Start-> Ausführen: msconfig) sowohl unter Windows 7 als auch unter Windows 10 festlegen, welches Windows standardmäßig gestartet wird und wie lange der Bootloader auf eine Eingabe wartet.

msconfig

msconfig

Hier können Sie auch, sollten Sie Windows 7 wieder loswerden wollen, den Bootmenüeintrag zu Windows 7 entfernen.

Wenn Sie nach der Entfernung von Windows 7 wieder die neuere Darstellung des Bootmenüs von Windows 10 wünschen, müssen Sie dazu in der Eingabeaufforderung als Administrator den Befehl

bcedit /set {default} bootmenupolicy standard

eingeben.

Fazit

Windows 7 ist auf modernen Systemen nur noch mit viel Aufwand und Wissen problemlos zu installieren. Und selbst dann ist nicht gewährleistet, dass sich das System wie gewohnt oder fehlerfrei verhält. Sofern Sie unbedingt auf Windows 7 angewiesen sind, raten wir daher zu einer Installation in einer virtuellen Maschine mit Hyper-V, VMWare oder VirtualBox. Dies erspart Ihnen viele Probleme und Windows 7 lässt sich wie gewohnt benutzen.

41 Bewertungen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne Ø 3,93
Loading...

PDF herunterladen

Hinterlasse eine Antwort

(wird nicht veröffentlicht)

Nutzungsrichtlinien beachten