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Ein werbefreies und datensicheres soziales Netzwerk als Alternative zu Facebook? Das möchte das neue Projekt Okuna realisieren und setzt auf Open-Source statt Tracking. Welche Ideen dahinter stecken, welche Vorteile es den Nutzern bietet und welche Schwierigkeiten es zu überwinden hat, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

  • Okuna ist ein soziales Netzwerk aus den Niederlanden, das ohne Werbung und Datenhandel auskommen möchte.
  • Eine Beta-Version ist bereits online. Die Anmeldung hierzu findet man auf der Website.
  • Vom Konzept erinnert Okuna an Google Plus, möchte jedoch einen starken Fokus auf einen Online-Marktplatz legen.

1. Konkurrenz zu Facebook?

Hinweis - Namensänderung: Am 13.06.2019 wurde bekanntgegeben, dass sich "Openbook" zukünftig "Openspace" nennen wird. Grund war eine Klage von Facebook, welches den Begriff "book" in digitalen Kontexten weitgehend patentiert hat.

Die ursprünglich angedachte Umbenennung in "Openspace" scheiterte jedoch erneut, da ein deutsches Unternehmen gleichen Namens dem sozialen Netzwerk mit einer Klage drohte. Der neue offizielle Name lautet nun "Okuna" und wurde in diesem Artikel dementsprechend angepasst.

Jeder weiß, welche praktischen Funktionen Facebook zu bieten hat. Aber der Internet-Gigant fordert auch eine ganze Menge, nämlich unsere Daten. Diese nutzt er nämlich dazu, uns personalisierte Werbung anzuzeigen. Folglich sind viele Nutzer sehr skeptisch geworden gegenüber dem Umgang mit ihren persönlichen Informationen. Zudem sorgten Fake-News und politische Manipulation auf Facebook immer wieder für Negativschlagzeilen.

Es scheint also nicht verwunderlich, dass viele Nutzer sich eine Alternative wünschen. Diese sind jedoch rar. Erst im April 2019 wurde das gescheiterte Google Plus beendet. Zahlreiche andere soziale Netzwerke wie Vero, Ello oder Diaspora haben es ebenfalls nicht geschafft, sich als wahrhaftige Konkurrenz zu Facebook zu etablieren.

Nun gibt es einen neuen Hype um ein Projekt mit dem Namen "Okuna". Im Gegensatz zu Facebook möchte es quelloffen, transparent, unabhängig und vor allem sicher im Umgang mit Daten sein.

2. Okuna: Entwicklung und Funktionen

okuna Open Source Joel hernandez

Okuna gibt es als mobile App und Desktop-Version.

Die Idee für Okuna stammt von Joel Hernández Fernández, der in Den Haag studiert und gemeinsam mit einem Team in den Niederlanden das soziale Netzwerk aufbaute. Wie so oft, war das größte Problem erst einmal die Frage der Finanzierung. Die erste Crowdfunding-Kampagne sollte 100.000 Euro einbringen und ist schließlich an der Höhe der Summe gescheitert.

Das Team begann also neu zu planen, ihre Ideen etwas abzuspecken und das ganze langsamer anzugehen. Und siehe da, der zweite Versuch auf Kickstarter brachte die erhofften 30.000 Euro ein. Seit März 2019 war die erste Alpha-Version von Okuna für die Crowdfunding-Unterstützer online und seit August 2019 wird die Beta ausgiebig getestet. Es wird bewusst zunächst auf einen kleinen Nutzerkreis gesetzt, um innerhalb dieser Testphase anfängliche Fehler zu korrigieren.

2.1. Okuna will Spaß machen

Das Konzept des Unternehmens ist es, eine einfache Plattform im Stil von Facebook zu entwickeln, die aber neben Open-Source auch Wert auf Datenschutz und Sicherheit legt. Demnach soll Okuna gänzlich ohne Tracking und Werbung auskommen. Neben den üblichen Funktionen, die auch Facebook, Twitter und Co. anbieten, gibt es einen größeren Fokus auf eine Marktplatz-Funktion, wo Nutzer mit einer plattformeigenen Währung Produkte und Dienstleistungen anbieten und erwerben können.

Aber was macht Okuna darüber hinaus noch besonders? Schließlich haben auch schon andere soziale Netzwerke damit geworben, keine Nutzerdaten zu sammeln und sind dennoch gescheitert.

Okuna soll "Spaß machen" betont der Gründer in Interviews immer wieder. Doch worin dieser Spaß genau besteht und was das neue Alleinstellungsmerkmal des Unternehmens sein soll, ist wohl auch den Entwicklern noch nicht hundertprozentig klar. An Ideen scheint es wohl nicht zu mangeln und mit der Beta-Version der Plattform testen die Entwickler anscheinend aktuell aus, was bei den Nutzern ankommt.

Eine kleine Einführung in Okuna erhalten Sie im folgenden Video:

2.2. Features des sozialen Netzwerks

Welche Features Okuna genau zu bieten hat, können derzeit nur ausgewählte Beta-Tester erfahren. Aktuelle Release-Notes und Neuigkeiten zum Projekt finden Sie im offiziellen Blog.

Okuna scheint sich demnach eher an Google Plus zu orientieren und weniger an Facebook. Es geht vorrangig um Communities, die den Austausch unter Gleichgesinnten anregen. Des Weiteren kann man sich natürlich auch mit anderen Mitgliedern verbinden und diese in speziellen Kreisen organisieren.

Beiträge können die Nutzer sowohl in der eigenen Timeline als auch in den Communities verfassen, wobei der Fokus wohl auf letzteren liegt. So landen Informationen speziell dort, wo sich andere Mitglieder auch dafür interessieren.

Der Großteil der Nutzer wird in einem Artikel der Website Golem.de als sehr technikaffin beschrieben und kommen anscheinend größtenteils von Google Plus. Sie sind die Strukturen bei Okuna also bereits gewohnt. Wie Nutzer von anderen Netzwerken mit Okuna zurecht kommen, wird leider nicht erwähnt.

3. Okuna hat viele Ideen, wie es weitergehen könnte

Die Gründer von Okuna planen die Plattform langsam zu vergrößern, um in der Entwicklung immer wieder Fehler beheben zu können. So haben die Kickstarter-Unterstützer je drei Einladungen erhalten, um damit Freunde für das soziale Netzwerk zu werben. Die Beta-Version ist seit dem 05. August 2019 online. Interessenten können sich auf der Homepage auf die Warteliste setzen

3.1. Wie sieht die weitere Finanzierung aus?

Gebühren aus dem Marktplatz

In Interviews von 2018 sprach Joel Fernández noch von einer Finanzierung über den Marktplatz. Bei jeder Transaktion könnte eine Gebühr an Okuna abgeführt werden, die das Unternehmen finanziert. Ob diese Option noch besteht oder nicht, ist derzeit jedoch ungewiss.

Die große Frage bleibt natürlich, wie sich Okuna weiterhin finanzieren möchte. Schließlich möchte es auf Werbeeinnahmen verzichten. Nachdem das Crowdfunding die Anfangsfinanzierung sicherte, gibt es derzeit noch die Möglichkeit auf Patreon ein Fördermitglied zu werden. Mit einem monatlichen Geldbetrag können Sie das Projekt dadurch finanziell unterstützen.

Langfristig muss aber ein anderes Modell her, um Okuna zu finanzieren. Im Golem-Beitrag beschreibt der Redakteur ein Abonnement-Modell, bei dem die Nutzer für 5 Euro im Monat zusätzliche Funktionen erwerben  können. Die Funktionen sollen jedoch nur banale Erweiterungen sein, sodass eine kostenfreie Nutzung von Okuna keine Einschränkungen der Hauptfunktionen beinhaltet.

3.2. Die Zukunft von Okuna ist ungewiss

Darstellung mobile App Okuna

So wird Okuna auf der mobilen App aussehen.

Ob der Fokus auf Privatsphäre-Maßnahmen ausreichen wird, damit sich neue Mitglieder anmelden, sobald die Plattform die Testphase verlässt, ist ungewiss. Für viele Nutzer stellen die strengeren Datenschutz-Richtlinien sicherlich eine Verlockung dar. Dennoch haben es neue soziale Netzwerke nicht sonderlich leicht, sich gegen Facebook durchzusetzen. Datenschutz alleine ist anscheinend kein ausreichender Anreiz, um die Menschen wegzulocken, wie man am Scheitern andere Konkurrenten bereits sehen konnte.

Die ersten Berichte über Okuna in Verbindung mit den Aussagen der Entwickler selbst klingen grundsätzlich sehr interessant und lobenswert. Die Idee stimmt, die erste Umsetzung anscheinend auch. Was jetzt noch fehlt, ist eine klare Richtung, die Okuna von Facebook abhebt.

Das Interesse an einer Alternative zu Facebook mit echtem Datenschutz ist sicherlich groß. Ob Okuna die entsprechende Alternative bietet, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

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