Datum: | Tests 2012

Während viele Hersteller von NAS-Geräten ihre älteren Produkte nur noch marginal pflegen oder mit neuen Funktionen versorgen, geht Synology als Hersteller einer großen Bandbreite von NAS-Lösungen einen anderen Weg. Das Unternehmen bietet  auch mit dem kürzlich erschienenen Synology DiskStation Manager 4 wieder ein komplett überarbeitetes Betriebssystem mit vielen neuen Funktionen, welches sich auch auf älteren Geräten des Herstellers (bis xx8-Serie) installieren lässt. Wir haben uns das neue Major-Release näher angeschaut und stellen die neuen Funktionen vor.

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Mehr als nur ein NAS - DiskStation Manager

Der DiskStation Manager (in der Folge als DSM bezeichnet) ist das Betriebssystem und Herzstück der Synology-Geräte und geht weit über die immer noch vorkommenden HTML-Baustellen anderer NAS-Weboberflächen hinaus. Synology nennt seine Benutzeroberfläche daher zu Recht "Server OS".

Die Benutzeroberfläche, welche über den Webbrowser aufgerufen wird, präsentiert sich als echter Desktop mit allem, was dazugehört: Multifenster-Technik, Kontextmenüs, Multitasking und vieles mehr. Mit HTML5 und CSS3 wird die Drag-and-Drop-Funktionalität über den Browser hinaus bis auf den Desktop Ihres PCs erweitert.

Der DiskStation Manager in der Version 4  steht  zum  freien  Download  für  Besitzer  einer  DiskStation  der  x08-Serie  oder  aktueller  zur  Verfügung. Dies beinhaltet folgende Modelle:
DS712+,  DS212,  DS212+,  DS212j,  RS212,  RS812,  DS1512+,  DS1812+,  DS3612xs,  RS3412xs,  RS3412RPxs, DS3611xs,  RS3411xs,  RS3411RPxs,  DS2411+,  RS2211+,  RS2211RP+,  DS1511+,  RS411,  DS411,  DS411+II, DS411+,  DS411j,  DS411slim,  DS211+,  DS211,  DS211j,  DS111,  DS1010+,  RS810+,  RS810RP+,  DS410,  DS410j, DS710+,  DS210+,  DS210j,  DS110+,  DS110j,  DS509+,  RS409+,  RS409RP+,  RS409,  DS409+,  DS409,  DS209+II, DS209+, DS209, DS209j, DS109+, DS109, DS109j, DS409slim, DS508, DS408, RS408, RS408RP, DS108.

Der Download ist verfügbar unter:   http://www.synology.com/support/download.php. Synology bietet auf seinen Webseiten eine Live-Demo des DSM 4 an, mit welcher man die Funktionalität sowie das Look and Feel selbst erleben kann.

Wesentliche Neuerungen der Version 4

Gleich nach der Installation fällt der neue, optisch sehr ansprechende Desktop des DSM 4 auf.

Neue Oberfläche

Dieser neue Desktop zeigt sich sehr aufgeräumt und übersichtlich. Am rechten Rand informieren Widgets, wie man sie von Windows her kann, über Zustand, Auslastung und Aktionen des NAS.  Icons auf dem Desktop lassen sich verschieben und auch in Gruppen zusammenfassen. Die Taskleiste am oberen Bildrand zeigt die laufenden Applikationen, da das NAS auch Multitasking beherrscht und man zwischen den Applikationen umschalten kann.

Apps statt Pakete

Der DSM war bereits in den Vorversionen sehr leistungsfähig und mit Hilfe einer Paketschnittstelle auch durch Lösungen von Synology oder Fremdherstellern erweiterbar. Wenngleich der Hersteller nun modern von „Apps“ spricht, sind damit dennoch die Pakete zur Erweiterung gemeint.

Paketzentrum

Installierte Pakete werden im Paket-Zentrum angezeigt und lassen sich hier auch anhalten oder entfernen. Neue Pakete kann man auch über dieses Zentrum hinzufügen. Pakete von Drittherstellern sind allerdings nach wie vor nur über die Webseite von Synologyabrufbar.

Paketzentrum

Zu den neuen Paketen im DSM 4 zählen hier Cloud Station, DHCP Server  und Antivirus Essentials, bei dem es sich um einen kostenlosen Virenschutz für die DiskStation handelt, welcher mit Live-Update, Quarantänebereich, geplantem Scan und Ereignisprotokoll zumindest einen ersten Grundschutz darstellt, einen Virenscanner auf den Clients aber keinesfalls ersetzt.

Ab in die Cloud

Eine der spannendsten Neuerungen im DSM 4 ist die neue Cloud Station. Damit wird der Netzwerkspeicher zur eigenen Cloud. Statt Daten zwischen Clients über externe Lösungen wie Dropbox oder OneDrive abzugleichen, dient das NAS als zentrale Instanz und gleicht Dateien auf den verschiedenen Clients ab.

Cloud Station

Technisch ist dies so realisiert, dass man nach Installation und Aktivierung des Pakets zunächst die Berechtigungen vergibt, wer die Cloud Station nutzen darf.

Cloud Station

Auf der Client-Seite installiert man die dazu notwendige Client-Software, welche derzeit aber  nur für Windows-Systeme verfügbar ist.

Cloud Station

Im lokalen Netz kann man die IP-Adresse oder den Gerätenamen angeben, um sich mit der DiskStation zu verbinden. Befindet man sich außerhalb des lokalen Netzes, kann man entweder einen DynDNS-Dienst direkt auf der DiskStation sowie eine Portweiterleitung am Router einrichten oder die QuickConnect-Funktion der DiskStation nutzen. Dazu wird eine Verbindung zwischen den Clients und der DiskStation  über einen Relay-Server von Synology hergestellt, welcher auch Portweiterleitungen am Router entbehrlich macht. Der Zugriff selbst erfolgt mit Hilfe einer  ez-Cloud ID, welche auf allen Clients zusammen mit Benutzernamen und Kennwort der Accounts auf der DiskStation verwendet wird.

Quick Connect

Auf dem Client gibt man einen Computernamen und Ordnerpfad an, welcher nun als Austauschordner fungiert. Eine Möglichkeit, hier weitere Ordner außerhalb des „Cloud-Ordners“  anzugeben, besteht leider nicht. Ein Problem, das auch andere Cloud-Lösungen wie Dropbox mit sich bringen.

Cloud Station

Auf der DiskStation kann man über das Cloud-Paket im Papierkorb alte Dateiversionen abrufen und verwalten. Die Cloud-Lösung ist insgesamt eine Bereicherung, krankt aber an der Beschränkung auf Windows-Clients, da es derzeit keine Apps für mobile Geräte oder Mac-Systeme gibt. Zudem wird sicher nicht jeder gerne unverschlüsselt seine Daten über das Internet übertragen.

Cloud Station

Was  ich selbst vermisst habe, ist eine Lösung zur Anbindung von Dropbox auf der DiskStation. Mit Ausnahme der Cloud-Lösung von Strato werden derzeit keine anderen Cloud-Dienste unterstützt. Dabei haben – wie Anfragen im Internet zeigen – viele Anwender den Wunsch, bestimmte Daten auf der DiskStation mit Diensten wie Dropbox oder OneDrive zu synchronisieren. Hier sollte Synology unbedingt nachlegen und entsprechende Pakete anbieten.

Weitere Neuerungen

Die Photo Station in der Version 5 wurde nun flexibler. Anwender können Bilder per Mausklick zu Diensten wie Flickr, Facebook, Twitter oder Picasa hochladen.

Photo Station

Gerade für Picasa hätte ich mir aber  eine Funktion gewünscht, dass zuvor bestimmte Ordner automatisch in Picasa hochgeladen werden,  da sich dieser Cloud-Speicher wegen seiner günstigen Preise geradezu für das Online-Backup von Bildern anbietet. Auch hier könnte Synology noch nachbessern und – analog zu den Cloud-Wünschen von mir – ein weiteres Paket anbieten.

Das interne Backup kennt nun eine Versionsverwaltung und kann bis zu 99 Versionen einer Datei vorhalten. Damit entfällt für viele Anwender die bisherige manuelle Versionsverwaltung.

Versionsverwaltung im Backup

Neuerungen für Business

Die DiskStation kann nun einer VLAN-Umgebung hinzugefügt werden. Damit lassen sich flexibel verteilte Netze auf der gleichen physikalischen Leitung erzeugen. Dank dem DHCP-Server-Paket kann die DiskStation nun auch als DHCP-Server arbeiten und IP-Adressen selbstständig vergeben.

Der DSM 4.0 unterstützt  das Backup von iSCSI-LUNs mit Point-in-Time-Technologie,  inkrementeller     Datensicherung     und  Speicherplatzrückgewinnung zur Erstellung unmittelbarer Kopien und zur Optimierung der Arbeitseffizienz.  Für den  Betrieb als VPN-Server bietet dieser nun das sichere Teilen von Informationen zwischen mehreren Standorten. Zudem können nun Windows ACL-Einstellungen  über die Benutzeroberfläche des DSM bearbeitet werden.

Mobile Apps

Synology bietet für das perfekte Zusammenspiel zwischen einer DiskStation und mobilen Geräte auch kostenlose Apps wie DS File, DS Photo, DS Audio für Android, iOS, Windows 7 Phones und nun auch Amazon Kindle Fire. Diese Apps wurden im Zuge des DiskStation Managers 4 zwar auch aktualisiert und für iOS z.B. um eine Schnittstelle zur iCloud implementiert, eine Schnittstelle zur eigenen Cloud wurde aber bisher versäumt.

Speziell DS File ist dabei die mächtigste Applikation, weil sie nicht nur Dateizugriff auf die Inhalte der DiskStation bietet, sondern in vielen Fällen auch als Dateiviewer fungiert. Selbst Videos lassen sich mit DS File von einer Diskstation streamen, wenn auch nur MP4 als Format. Der Remote-Zugriff über die ez-Cloud ID funktionierte in unseren Tests übrigens über das Internet nicht. Es scheint so, als seien die Applikationen hierfür noch nicht vorbereitet und verlangen stattdessen den DynDNS-Namen.  Auch hier muss Synology noch nachbessern.

Fazit

Mit dem DSM 4 hat Synology erneut unter Beweis bestellt, dass ein NAS keine langweilige Textwüste als Oberfläche haben muss und zu weitaus mehr taugt als zum bloßen Bereitstellen von Festplattenspeicher im Netz. Die neue Cloud-Funktion ist zum Abgleich von Daten im lokalen Netz funktional, für den Abgleich über das lokale Netz hinweg aber gerade wegen fehlender Verschlüsselung derzeit für sensible Daten nicht zu empfehlen.
Zudem sollte Synology auch andere Cloud-Lösungen wie Picasa oder Dropbox in den Focus nehmen und in die Backup-Funktionalität als Quelle mit aufnehmen.
Die mobilen Apps bedürfen zudem dringend einer Anpassung, um auch die eigenen Cloud-Funktionen von Synology sinnvoll nutzen zu können.

Der Download ist verfügbar unter: http://www.synology.com/support/download.php

Live Demo unter http://www.synology.com/products/dsm_livedemo.php?lang

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2 Antworten auf “Synology DiskStation Manager 4.0 – NAS-OS mit Cloudfunktion”

  1. Alex

    Danke für de guten Bericht. Hatte schon gedacht ich hätte eine Lösung für die Frage nach dem Flickr Upload gefunden. Leider stimmt nicht ganz was Du schreibst. Flickr wird NICHT als Option angeboten (was bei dem 1TB Speicher hoch interessant wäre). Suche also weiter nach einer Möglichkeit die Bilder automatisch nach Flickr zu synchronisieren…

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