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Im Internet tauchen immer wieder Berichte und Fragen zu einem Windows PE (Preinstalled Environment) auf. Wir möchten mit diesem Artikel kurz erklären, um was es sich dabei handelt und beschreiben, wie man sein eigenes Notwindows mit dem kostenlosen Barts PE Builder erstellen kann.

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Achtung: Der Artikel ist bereits mehrere Jahre alt. Beachten Sie auch unsere Neufassung Komfortables Notfallwindows auf Basis von Windows PE erstellen

Windows statt DOS

Die Wiederherstellungskonsole von Windows XP ff. soll nach Ansicht von Microsoft das Problem beheben, dass man mit alten DOS-Medien heute kaum noch etwas ausrichten kann, da hier der Zugriff auf NTFS-Datenträger und Partitionen über 2 GB nicht möglich ist. Lange Dateinahmen sind DOS seit eh und je fremd. Allerdings ist die Wiederherstellungskonsole für Laien nicht zu zugänglich und lässt sich auch nicht einfach durch eigene Tools erweitern. Findige Freaks nutzen daher Knoppix oder eine Notfall-CD wie die WinTotal-Support-CD, welche mit kostenlosen Treibern und Erweiterungen Probleme lindert, wenn auch nicht beseitigt.

Windows PE bietet hier Abhilfe. Hierbei handelt es sich um ein eingeschränktes, aber dennoch voll lauffähiges Betriebssystem, welches keine Schreibzugriffe benötigt und damit auch auf CD-ROMs etc. startet. Es beinhaltet alle notwendigen Funktionen um beispielsweise vollen Zugriff auf NTFS-Medien oder Active Directory zu haben. Zudem läuft Windows PE mit einer grafischen Oberfläche und kann nachträglich noch Treiber einbinden, da es auch Plug & Play unterstützt. Microsoft sieht in Windows PE ein Tool zum Vorbereiten von Rechnern für eine Installation. Das Fummeln mit den unhandlichen Antwortdateien beim Setup (Unattended-Installation) wäre damit erledigt. Windows PE ist für viele leider nicht auf legalem Wege zu bekommen. Es wird als sog. OPK (OEM Preinstallation Kit) nur an große Firmenkunden vergeben. Nur PowerQuest nutzt Windows PE bei Drive Image 7 als Notfallsystem und ist damit hier für Endkunden verfügbar.

Legal dank Barts PE Builder v3

Abhilfe schafft das kleine Tool Barts PE Builder, entwickelt von dem Niederländer Bart Lagerweij, mit dessen Hilfe man eine bootfähige, abgespeckte Windows-CD erstellen kann. Der PE Builder war schon einmal kurzfristig in der Version 1.x verfügbar, musste aber wegen Copyright-Verletzungen von der Webseite genommen werden.

Was macht der PE Builder?

Der Autor hat auch ein originales Windows PE zu Gesicht bekommen und sich gefragt, auf welchen Dateien dieses basiert. Dabei erkannte er, dass man zum Erstellen eines solchen Notwindows eigentlich nur ein Original-Windows XP Home oder Pro benötigt, wobei das Service Pack 1 bzw. 2 auf dem Datenträger per Slipstream eingebunden sein muss. Eine Anleitung, wie man dies anstellt, findet sich auf WinTotal im Bereich Artikel. Zudem lässt sich ein solches Notwindows auch mit Windows 2003 Server erstellen. Windows 2000 ist hierfür untauglich, da der entsprechende Befehlsschalter /minint für den Kernel fehlt und das System nicht auf schreibgeschützten Datenträgern läuft (z.B. CD-ROM).

Barts PE-Builder im Einsatz

Nach dem Download der Barts PE Builder entpackt man das Programm und startet die Datei pebuilder.exe.
Im folgenden Dialog legt man zum einen den Pfad zur Installations-CD (XP mit SP1) oder Windows 2003 fest. Der untere Pfad ist für Erweiterungen oder eigene Programme/Dateien, die mit eingebunden werden sollen.

Pfad zur Installations-CD
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Der folgende Dialog stellt dar, welche Plugins bereits mitinstalliert werden.

Wahl der Plugins
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Auf jeden Fall sollte man „BootFix (Enabling „Press …)“ aktivieren. Damit verhindert man, dass der Rechner bei eingelegter CD ohne Nachfrage von dieser bootet.

Möchte man weitere Plugins aktivieren, müssen die dazu benötigten Dateien bereits im Plugin-Ordner von PE-Builder vorhanden sein. Ein Teil der Plugins ist bereits in der Installationsdatei enthalten. Werden weitere benötigt, erscheint ein entsprechender Warnhinweis. Dann sollte man sich im Softwarearchiv die „Plugins von nu2.nu“ oder „Plugins von datenrettung-etc.de“ runterladen oder unter http://www.nu2.nu/pebuilder/#plugin die Dokumentation des entsprechenden Plugins anschauen und ggf. die fehlenden Dateien ergänzen.

Folgende Plugins benötigen keine ergänzenden Downloads (Stand Version 3.0.18):

  • Nu2menu by Henk de Jong
  • Network support by Bart Lagerweij and others
  • Bart’s Stuff Test v5 by Bart Lagerweij
  • Boot Fix (Enabling „Press any key to boot from CD“) by Bart Lagerweij
  • Check Disk (chkdsk.exe) by Bart Lagerweij
  • Custom by Bart Lagerweij
  • Document by Bart Lagerweij
  • QSoft Ramdisk by Christiaan Ghijselinck
  • Remote Desktop Client by Microsoft
  • Startup Group (autorun) by Erwin Veermans
  • DOS Support for WinPE by Erwin Veermans
  • Keyboard Layout by Boris Mebarek

Alle weiteren Plugins benötigen noch einen Download (im Regelfall das Programm selbst wie IrfanView oder Ad-Aware Antivirus) oder die gekaufte Vollversion. Zudem gibt es Fremd-Plugins von anderen Entwicklern.

Um beispielsweise Total Commander einzubinden, müssen die folgende Dateien aus dem Programm-Verzeichnis nach \pebuilder\plugin\Total Commander\ kopiert werden: cabrk.dll, default.bar, no.bar, sfxhead.sfx, share_nt.exe, totalcmd.exe, totalcmd.hlp, totalcmd.inc, unacev2.dll, unrar.dll, wcmicons.dll, wcmzip32.dll.

Für Nero Burning ROM müssen aus dem Programmverzeichnis von Nero alle Dateien unter dem Verzeichnis Nero in \pebuilder\plugin\Nero Burning ROM\files kopiert werden. Des Weiteren muss die Datei penero.inf editiert werden. Dort müssen der Username, Firma und Seriennummer eingetragen sein.

Für Ad-Aware Antivirus müssen aus dem Programm-Verzeichnis Ad-Aware Antivirus folgende Dateien in das Verzeichnis \pebuilder\\plugin\adaware kopiert werden: aawhelper.dll, ad-aware.exe, reflist.ref, english.bmp, english.det, english.ini.

Sind diese Dateien vorhanden, können die entsprechenden Plugins aktiviert werden.

Im folgenden Dialog wird die Ausgabe festgelegt.

Ausgabe als ISO
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Der Builder erstellt die fertigen Daten als Verzeichnis und auch als ISO-Datei. Man sollte auf jeden Fall die ISO-Datei erstellen, welche man anschließend mit jedem Brennprogramm als ISO-Image auf eine CD brennen kann. Nach einem Klick auf „Next“ legt das Programm dann los und schreibt die benötigten Dateien.

Ausgabefenster bei der Arbeit
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ISO-Test

Die Test-CD bootet zunächst wie Windows XP. Danach zeigt sich aber eine eigene Oberfläche.

Die Oberfläche der PE-Edition von Bart
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Der „Go„-Button unten links entspricht dabei dem Start-Button von Windows. Hier öffnet sich ein Startmenü, allerdings in englischer Sprache. Zumindest das Keyboard-Layout kann aber über System -> Keyboard-Layout auf „gr“ für German geändert werden.

Startmenü wie unter Windows
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Bereits in der Basis-Version sind einige Programme enthalten, um mit dem Notwindows zu arbeiten. So wurde z.B. die „Remote Desktop Connection“ aufgenommen, um einen anderen Rechner zu steuern. Dies klappt allerdings nur, wenn das Network-Plugin aktiviert und vor dem ISO konfiguriert wurde. Ein Highlight ist der volle Zugriff auf NTFS-Datenträger. Als Dateimanager wurde in der Basis-Version 2x Explorer aufgenommen. Weitere können aber manuell eingebunden werden (siehe oben z.B. Total Commander).

Komfortabler Dateimanager
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Werden alle verfügbaren Plugins eingebunden, kann das Startmenü eine beachtliche Größe erreichen:

Alle Plugins installiert
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Viel Bekanntes aus dem „normalen“ Windows ist auch in der PE -Umgebung vorhanden. Neben der Kommandozeile können der Taskmanager gestartet, Uhrzeit und Datum konfiguriert und mit Chkdsk die Platten geprüft werden .Goodies wie Paint, Wordpad und der Taschenrechner sind gleich mit auf der CD vorhanden.

Fazit: Erweitern und loslegen

Barts PE ist die Rettung für viele gestresste Anwender. Da ein legales Windows benötigt wird ist es verwunderlich, warum Microsoft selbst nicht diese Möglichkeit anbietet. Barts PE ist kostenlos und auch für Laien einfach zu bedienen. Seine Stärken spielt die PE-Umgebung aber erst nach Aufrüstung durch die vielen Plugins und vor allem die Netzwerkunterstützung aus.

Weg mit der alten DOS-Diskette und rein in die PE-Umgebung. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fan-Gemeinde weiter fleißig Plugins schreibt, um auch Programme wie den Acrobat Reader und Co. mit einzubinden.

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