Datum: | Tests 2013

Nur 8 Monate nach Markteinführung von Windows 8 hat Microsoft bereits einen Nachfolger kurz vor dem finalen Release, welcher mehr als nur ein schnödes Service Pack darstellt. Wir stellen die Neuerungen von Windows 8.1 vor.

Einstürzende Neubauten?

Nach dem finalen Release von Windows 8 im Oktober 2012 spaltete das neue Bedienkonzept die Windows-Welt ganz deutlich in zwei Lager: Anhänger des bisherigen Bedienkonzepts und Freunde der Kachelwelt. Nicht nur der fehlende Start-Button, sondern auch die Kollision von zwei unterschiedlichen Bedienkonzepten in einem Betriebssystem sorgten bei den Kritikern – auch bei uns  – für Frust.

Anzeige

Mit Windows 8 ging und geht es für Microsoft aber um mehr: um die Rückeroberung verlorener Marktanteile auf mobilen Geräten, allen voran Tablets und natürlich auch der Smartphone-Sektor, durch eine gemeinsame Bedienphilosophie und Infrastruktur mit Apps, Cloud-Anbindung und Co.

Das vorhersehbare Medienecho, welches sich schon bei den Beta- und Preview-Fassungen abzeichnete, das Kundenfeedback sowie der doch eher schleppende Absatz von Surface-Tablets dürften Microsoft dazu bewogen haben, die Falten und Kanten im neuen Windows 8 zeitnah auszubügeln und abzuschleifen. Das Ergebnis ist Windows 8.1, im Vorfeld auch als Windows Blue bezeichnet, welches in rekordverdächtiger Zeit nachgeschoben wurde und als Final Release noch in diesem Jahr erwartet werden darf.

Service Pack Deluxe

Windows 8.1 ist dabei kein gewöhnliches Service Pack. Seit dem legendären Service Pack 2 von Windows XP, mit dem das Betriebssystem mit neuen Sicherheitsfunktionen wie der Firewall ausgerüstet wurde, oder der zweiten Ausgabe von Windows 98 gab es keinen solchen Feature-Zuwachs mehr wie bei dem kommenden Windows 8.1, welches für Besitzer von Windows 8 als kostenloses Upgrade angeboten wird und sonst im Markt Windows 8  ersetzt.

Download und Installation

Der Download der Preview-Fassung kann unter Windows 8 über den Store bezogen werden.

Windows 8.1 im Store

Windows 8.1 im Store

Hierzu ist auf Windows 8 noch ein Update notwendig, bevor das Upgrade auf Windows 8.1 dann über den Store angeboten wird.

Windows 8.1 im Store

Windows 8.1 im Store

Die Hardwarevoraussetzungen und Upgrade-Pfade haben sich gegenüber Windows 8 nicht geändert:

  • Prozessor: 1 Gigahertz (GHz) oder schneller
  • RAM: 1 GB (32-Bit) oder 2 GB (64-Bit)
  • Freier Festplatten-Speicherplatz: 16 GB (32-Bit) oder 20 GB (64-Bit)
  • Grafikkarte: Microsoft DirectX 9-Grafikkarte mit WDDM-Treiber
  • Für Windows RT 8.1 Preview ist ein PC erforderlich, auf dem bereits Windows RT ausgeführt wird und der 10 GB freien Speicherplatz aufweist.

Dies bedeutet, dass ein Update mit Übernahme aller Eigenen Dateien möglich ist. Für Windows 8 werden auch die meisten Apps sowie Windows-Enstellungen übernommen. Alle Besitzer von vorherigen Systemen müssen über das Installationsmedium den PC starten und Windows 8.1 neu installieren.

Windows 8.1, Installation

Windows 8.1, Installation

Weitere Informationen finden sich auch in der FAQ zu Windows 8.1 Preview.

Die Neuerungen

Alles zurück auf Start

Nach dem Wegfall des klassischen Start-Buttons mit Startmenü ging ein Sturm der Entrüstung durch das Netz. Microsoft wollte konsequent die Start-Oberfläche in den Bedienfokus rücken, was vor allem bei der Arbeit auf dem Desktop immer wieder zum optischen Bruch in den Bedienoberflächen führte. Die Lücke haben zwischenzeitlich zahlreiche Softwarelösungen geschlossen, von denen Classic Shell den meisten Zuspruch findet.

In Windows 8.1 ist der Start-Button nun wieder enthalten, bringt aber nicht die noch von Windows 7  bekannte Funktionalität.  Auf Klick springt er zur Start-Oberfläche oder zeigt mit der rechten Maustaste ein Aktionsmenü, welches auch vorher schon über die Tastenkombination Windows-X abrufbar war, in Windows 8.1 aber ein paar neue Einträge bietet (Herunterfahren, PowerShell, Netzwerkverbindungen).

Startbutton Windows 8.1

Startbutton in Windows 8.1

In den Einstellungen zur Taskleiste kann man auch festlegen, dass statt der Start-Oberfläche eine Liste der Apps erscheint, welche sich auch sortieren lässt, quasi ein „Startmenü light“. Auch die Mausgesten für die „Hot Corners“ lassen sich hier deaktivieren.

Einstellungen für Desktop

Einstellungen für Desktop

Alle Apps, Sortierung

Alle Apps, Sortierung

Über den Pfeil am unteren Rand kann man jederzeit zwischen der App-Liste und dem Startschirm wechseln. Damit wird der Zugriff auf die Programme gegenüber Windows 8 etwas vereinfacht.

Kachel Deluxe

Der Startbildschirm lässt sich nun viel leichter und individueller anpassen, da mehrere Kacheln selektiert und auch gemeinsam bewegt werden können. Es gibt zwei neue Kachelgrößen, Filter für Apps nach Kategorie, Häufigkeit der Nutzung oder Namen.

Windows 8.1, Kacheln

Neue Kachelgrößen

Webseiten, Kontakte oder Apps lassen sich nun viel einfacher als Kacheln auf den Start-Bildschirm legen.

Windows 8.1, Webseiten als Favoriten auf Start-Oberfläche

Webseite als Kachel

Zudem werden neue Apps nicht mehr automatisch an den Start-Bildschirm geheftet, um diesen übersichtlicher zu gestalten. Ein Rechtsklick auf eine App-Kachel bringt den dazu notwendigen Dialog.

Kachel für Apps anlegen

Optionen für Kacheln

Der Startbildschirm kann nun mit anderen Hintergrundbildern personalisiert und beispielsweise auch der Hintergrund des Desktops für die Startoberfläche verwendet werden.

Start-Oberfläche, Hintergrund, Windows 8.1

Anpassung des Start-Bildschirms

Auch der Sperrbildschirm bietet neue Möglichkeiten der Individualisierung, z.B. eigene Hintergrundbilder oder eine Diashow von eigenen Fotos.

Sperrbildschirm anpassen

Sperrbildschirm anpassen

Die Windows-Suche, welche von Bing unterstützt wird, findet nun auch Dokumente und Inhalte, unabhängig vom Speicherort. Ob diese auf dem lokalen System oder in OneDrive (ehemals SkyDrive) liegen, spielt dabei also keine Rolle – mögliche Aktionen werden beim Treffer  angezeigt.

Windows 8.1, Suche

Suche in Windows 8.1

Die Suche lässt sich dabei noch den eigenen Wünschen anpassen.

Windows 8.1, Suche

Suche in Windows 8.1

Systemsteuerung a la Metro

Der ständige Wechsel zwischen Desktop-Systemsteuerung und der  Windows-UI-Oberfläche wird dadurch etwas entschärft, dass Microsoft die Möglichkeiten der Systemeinstellungen über die UI-Oberfläche deutlich ausgeweitet hat. Mit zahlreichen Untermenüs kommt man weitestgehend ohne die „große Systemsteuerung“ aus.

Windows 8.1, Systemeinstellungen

Systemeinstellungen

Zurück auf den Desktop

Neben dem Start-Button ist das „Booten zum Desktop“ eines der häufigsten Features, welches unter Windows 8 mit Freeware nachgerüstet wurde. In Windows 8.1. ist dies nun nicht mehr notwendig. Microsoft hat die Möglichkeit eingebaut, dass Windows 8.1 direkt zum Desktop bootet und nach dem Login nicht erst die Start-Oberfläche zeigt.  Die Funktion versteckt sich in den Eigenschaften der Taskleiste unter „Navigation“.

Windows 8.1, Boot2Desktop

A Boot2Desktop

App-Darstellung

Die Darstellung von Apps war bisher sehr starr auf 2 Apps begrenzt, wobei sie hälftig oder im Verhältnis 2/3 zu 1/3 möglich war. In Windows 8.1 können 2 Apps nun schon ab 1.024 x 768 Pixel gleichzeitig dargestellt werden. Zudem sind – bei höheren Auflösungen ab 1.920 x 1200 – bis zu 4 Apps gleichzeitig auf dem Bildschirm möglich, wobei die Fenstergröße jeweils festgelegt werden kann.

2 Apps, Windows 8.1

Darstellung von 2 Apps variabel

Ergänzend kann der Anwender nun festlegen, dass weitere Fenster nebeneinander geöffnet werden. So öffnet sich ein Bildanhang einer Mail auf Wunsch neben der Mail, so dass beide Inhalte sichtbar bleiben.

App-Store 2.0

Der Windows Store wurde überarbeitet und attraktiver gestaltet. Das Stöbern in den Apps wird damit insgesamt etwas einfacher. Eine neue Kategorie-Leiste erscheint am oberen Bildschirmrand, wenn man mit dem Finger vom Rand zur Mitte zieht oder die rechte Maustaste drückt.

Windows 8.1, Appstore

Neuer Appstore

Analog zu Apples „Genius“ schlägt der Store anhand vorher ausgewählter Apps neue Apps vor.

Windows 8.1, Appstore

Vorschläge

Apps werden nun automatisch im Hintergrund aktualisiert, ohne dass der Anwender dies extra auswählen oder anstoßen muss.

Neue Apps

Viele der in Windows 8 automatisch enthaltenen Apps wurden oder werden (wie die kommende Mail App) noch verbessert und optimiert. OneDrive zeigt nun auch Dateien vom lokalen System an, die Wetter-App zeigt mehr Informationen an, Xbox Music spielt nun auch Radio-Streams als dynamische Wiedergabelisten anhand von Lieblingskünstlern und deren Genre-Verwandten.

Windows 8.1, XBox Music

XBox Music

Auch neue Apps wie Wecker, Taschenrechner und Audiorecorder im UI-Style sind hinzugekommen.

Windows 8.1, Wecker

Wecker

Cloudanbindung

OneDrive rückt bei Windows 8.1 noch stärker in den Mittelpunkt als zentrale Dateiablage in der Cloud. Bei Nutzung des Microsoft-Kontos werden alle damit verbundenen PCs, Tablets, Xbox, Windows-Phones und auch Dienste wie Skype oder Outlook synchronisiert – inklusive dem kompletten Startbildschirm mit allen Einstellungen wie Farben und Hintergrund, aber auch der Apps und deren Anordnung. Die Nutzung des „bisherigen“ Kontos ist bei einem Upgrade wie auch bei der Neuinstallation aber (noch) weiterhin möglich.

Sicherheitsfeatures

Windows Defender als eine in das System integrierte Virenschutzlösung bekommt nun ergänzend zur Signaturdatenbank auch eine Verhaltensanalyse mit der Funktion, eine Nachricht an Microsoft zu übersenden, damit der neue Fund in die Signaturdatenbank übernommen wird. Über die Qualität der Verhaltensanalyse dürften aber erst die kommenden Monate Aufschluss geben. Neu ist auch die Überwachung des Netzwerkverkehrs beim Öffnen, Kopieren oder Verschieben von Dateien.

Windows 8.1, Defender

Defender

Ein neuer Dienst mit dem Namen PC Health überprüft ständig die Systemintegrität und schlägt dann Alarm, wenn die Messdaten dazu Anlass geben. Im Hintergrund agiert hier ein Cloud-Dienst von Microsoft. Eine neue Fingerabdruckerkennung macht Softwarelösungen von Drittanbietern, wie sie beispielsweise von Dell verwendet werden, sicherlich mittelfristig entbehrlich. Die neue Erkennung dient der Anmeldung, aber auch dem Kaufen im Windows Store und den Xbox-Diensten. Ob hier technisch ein Missbrauch möglich ist, wird auch die Zukunft zeigen.

Ebenfalls neu ist die standardmäßige Verschlüsselung der Systempartition, unabhängig von der genutzten Windows-Edition. Dazu muss sich der Anwender allerdings einmal mit Administratorrechten und mit einem Microsoft-Konto anmelden. Der Schlüssel zur Wiederherstellung wird dabei im OneDrive des Nutzers gespeichert. Die automatische Verschlüsselung fordert allerdings ein UEFI-System mit einem TPM.

Weggefallen ist dafür die noch in Windows 8 enthaltene Windows-7-Dateiwiederherstellung und -sicherung, welche sich alternativ zum Dateiversionsverlauf nutzen ließ (siehe auch Artikel: Der Dateiversionsverlauf unter Windows 8). Für uns ein klarer Rückschritt, da der Dateiversionsverlauf nicht die gleiche Funktionalität wie die alte Sicherung aus Windows 7 bietet.

Internet Explorer 11

Der kommende Internet Explorer 11 bietet eine für das Surfen mit Touch-Systemen verbesserte Bedienung. In der UI-Version bietet der Browser eine Downloadliste und dauerhafte Anzeige der URL-Leiste.

Windows 8.1, Internet Explorer 11, UI-App

Internet Explorer 11

Windows 8.1, Internet Explorer 11, UI-App, Downloadliste

Downloadliste

Auch technisch wird der  Browser in Version 11 aufgemöbelt und  in wesentlichen Punkten wie Unterstützung von HTML5 und WebGL, in der Renderleistung und der Sicherheit verbessert.

Dies und das

Windows 8.1 unterstützt Bluetooth 4.0 LE mit höherer Leistung und einem verringerten Stromverbrauch. InstantGo ist ein neuer Standby-Modus für Windows 8.1-Geräte, welche in weniger als 300 Millisekunden aus dem Standby-Modus heraus einsatzbereit sind und selbst im Standby-Modus eine Netzwerkverbindung halten können.

Windows 8.1 bietet einen Hands-Free-Modus, welcher eine integrierte Webcam nutzt, um Gesten zu erkennen. Wie diese implementiert sind, regelt die jeweilige App.

Ein DirectX 12 wird es vorerst nicht geben. Die Grafikschnittstelle in Version 11.2 bekommt einige Neuerungen in der Speicherverwaltung und dem Umgang mit Texturen. Die neue Xbox One wird wohl die gleiche Schnittstelle nutzen.

Endlich können auch Windows-Geräte ohne Zusatzsoftware als mobiler Hotspot verwendet werden: Windows 8.1 bietet mit Broadband Tethering eine Funktion, um die mobile Datenverbindungen per WLAN mit anderen Systemen zu teilen.

Mit Wi-Fi Direct Printing soll es möglich sein, ohne weitere Treiber über WLAN zu drucken. Wie gut dieses Feature in der Praxis funktioniert und ob es als Alternative zu AirPrint taugt, wird die Zukunft zeigen.

Windows 8.1 führt keine Default-Bibliotheken mehr, diese können aber weiterhin angelegt werden.

ReFS steht als neues Dateisystem zur Verfügung, macht aber nur für Server-Systeme Sinn.

Fazit

Microsoft hat sich die Kritik an Windows 8 zur Herzen genommen und viele Details eingebaut, um die anfänglichen Bedienschwächen zu beseitigen. Damit fühlt sich Windows 8.1 auf der Modern-UI-Oberfläche nun wesentlich praxistauglicher an, wenngleich Startmenü-Fetischisten weiterhin das neue System ablehnen werden. Für Tablet-Besitzer gibt es viel Futter durch neue Gesten und verbesserte Bedienkonzepte – und damit immer weniger Grund, auf den Desktop zu wechseln.

Wer bisher den Wechsel zu Windows 8 wegen des Bedienkonzeptes scheute, wird vorerst auch weiterhin bei Windows 7 bleiben. Für den Rest bietet aber Windows 8.1 genug Gründe, auf die neue Version umzusteigen.

Bildquelle: Microsoft

Eine Antwort auf “Windows 8.1 Preview – Modernisierung eines Neubaus”

  1. SinTethnun

    Alles schön und gut. Allerdings finde ich Win8 update 8.1 nach wie vor nur für Geräte mit Touchscreen tauglich. Für normal PC / Laptops ist es sehr nervig mit der Maus richtig zu navigieren.
    Besonders die rechte Navigationsbar nervt unendlich, da diese ständig aufspringt, wenn man sie nicht braucht. Sollte man sie doch einmal benötigen erscheint das Ding nur unter großer Mühe. Am liebsten würde ich diese komplett deaktivieren, aber hierfür scheint es nach wie vor keine Möglichkeit zu geben.

Hinterlasse eine Antwort

(wird nicht veröffentlicht)

Nutzungsrichtlinien beachten