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USB-Sticks haben die herkömmliche Diskette fast vollständig verdrängt und finden sich in vielen Haushalten als mobile Speicherträger. Dank USB 2.0 und Speichergrößen auch jenseits von 1 GByte sind die handlichen Flash-Speicher auch als externes Laufwerk vielseitig einsetzbar. In dem folgenden Artikel gibt PCDMicha wertvolle Praxistipps und stellt verschiedene Anwendungsszenarien von USB-Sticks vor.

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Unterschiede in der Hardware

Stick ist nicht gleich Stick. Von außen lassen sich meist nur optische Unterschiede feststellen. Derzeit gilt das Motto: Je bunter desto besser. Das Styling und der Preis sagen aber nichts über das Innenleben und die Leistungsfähigkeit des Sticks aus.

Geschwindigkeit

Ausnahmslos findet sich auf den neueren Sticks das Hi-Speed-USB-Logo. Damit wird aber nur ausgedrückt, dass der Stick sich als USB-2.0-Gerät am Bus anmeldet, nichts jedoch über die maximale Transferrate beim Lesen und Schreiben. Diese Informationen finden sich oft auf den Verpackungen der Sticks und hängen vor allem von dem verwendeten Flash-Speicher und dem Controller im Stick ab. In einem Test der PC Professionell (Ausgabe 09/2005, Seite 108ff) wurden 20 USB-Sticks unter die Lupe genommen. Die Messwerte beim Lesen lagen zwischen 8 und 31 MB/sec, die Schreibraten zwischen 7 und 24 MB/sec.

Wer umfangreiche Dateien vom Stick lädt oder diesen als "Arbeitslaufwerk" nutzt, sollte auf jeden Fall darauf achten, einen "schnellen Stick" zu bekommen. Einige Webshops (z.B. Alternate) bieten weitere Informationen zu den Produkten, unter anderem die Transferraten. Wenn Sie den Stick im Vorfeld testen können, lässt sich die Transferrate mit Tools wie Sandra Lite oder FreeMeter feststellen.

Größe

Derzeit werden Sticks mit einer Größe von bis zu 8 GByte angeboten. Weniger als 256 MByte rechnen sich bei den aktuellen Preisen kaum. Wer den Stick als Arbeitslaufwerk nutzen möchte, sollte nicht zu klein kalkulieren: Mailarchive können schnell mehrere hundert MByte auf dem Stick belegen. Auch Windows oder Linux lassen sich komplett vom Stick starten, brauchen aber Platz. Mit einem Speicherplatz von 1 GByte ist man für die meisten Anwendungsgebiete gut gerüstet.

Datenverschlüsselung

USB-Sticks sind klein, handlich und eignen sich daher auch perfekt zum Verlieren. Während der materielle Schaden dann noch zu verschmerzen wäre, ist es der Zugriff auf persönliche Daten durch Dritte sicher nicht. Im Idealfall sollte der Stick daher eine Verschlüsselung bieten. Manche Hersteller liefern eine Software mit, welche den Stick in einen sichtbaren und privaten (verschlüsselten) Bereich unterteilt. Zunächst sieht der Anwender nur den "öffentlichen Bereich" des Sticks.

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Aufteilung in geschützten und ungeschützten Bereich beim Verbatim-Stick.
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Erst nach dem Login in den geschützten Bereich werden die dort befindlichen Daten angezeigt.

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Login erforderlich

Wenn der Stick von Haus aus keine Verschlüsselung bietet, kann man diese nachrüsten. Das Sharewareprogramm Carry it Easy bietet neben vielen weiteren Features auch eine Verschlüsselung wie im Beispiel von Verbatim, die aber nicht auf allen USB-Sticks aktivierbar ist. Dies hängt vom verwendeten Controller im Stick ab.

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Die Aufteilung in einen öffentlichen und privaten Bereich funktioniert nur bei USB-Sticks mit bestimmten Controllertypen (einsehbar unter Device Information).
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Es gibt aber auch kostenlose und für alle Sticks verfügbare Lösungen zur Dateiverschlüsselung:
TrueCrypt, welches unter Open Source-Lizenz verfügbar ist, erzeugt verschlüsselte Volumes, welche sich wie normale Festplatten in das System einbinden lassen.

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TrueCrypt mit einem AES-verschlüsselten Containerfile auf einem USB-Stick (E).
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Ein Volume kann dabei eine Containerdatei oder eine echtes Laufwerk (USB-Stick, Festplattenpartition) sein. Ohne Entschlüsselung sind weder Dateistruktur noch Inhalte der Volumes einsehbar.
Alternativ können Sie auch nur sensible Dateien gezielt verschlüsseln. Zu diesem Zweck eignen sich Programme wie Advanced File Security oder Challenger, welche direkt auf den Stick kopiert und von dort zum Ver- oder Entschlüsseln gestartet werden können.

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Advanced File Security
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Weitere Informationen zu TrueCrypt und dem Thema Verschlüsselung finden Sie in dem Artikel Dateiverschlüsselung - Möglichkeiten und Programme.

Startmenü

Auf einigen USB-Sticks findet sich das U3-Logo der Firma u3.com, welche im Juni 2010 abgeschaltet wurde.
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Hierbei handelt es sich um eine Erweiterung für USB-Sticks, welche Hersteller in ihre Produkte implementieren können. Mit dieser Erweiterung lassen sich speziell für U3 entwickelte Programme direkt auf dem Stick installieren und nisten sich in das "Launchpad" ein, welches als Startmenü des USB-Sticks fungiert. Beim Abziehen des Sticks hinterlassen die Programme nach Angaben des Herstellers keine Spuren auf dem Rechner. Der Nachteil der U3-Technologie ist, dass man nur speziell für U3 entwickelte Programme in das Menü einbinden kann.

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U3-Startmenü

U3 ist aber kein Muss. Es gibt auch Free- und Sharewarealternativen:
Ceedo Personal installiert sich auch auf einem USB-Stick. Die Software dient als Startcenter für Programme, welche sich über die Webseite des Herstellers herunterladen und installieren lassen. Im Vergleich zu U3 ist die Auswahl der Programme wesentlich umfangreicher. Auch bei Ceedo kann man derzeit keine eigenen Programme mit in das Startmenü aufnehmen.

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Startmenü von USB-Stick über Ceedo Personal
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PStart simuliert ein Startmenü für USB-Sticks.

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Programme auf dem Stick über PStart
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Ausführbare Programme werden manuell oder automatisch in die Liste aufgenommen und sind dann über das Tray-Symbol schneller aufrufbar.

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Startmenü von PStart im Tray

Im Gegensatz zu Ceedo und U3 lassen sich in PStart beliebige Programme als Verknüpfung mit aufnehmen. Noch dazu ist das Programm kostenlos.

Eigene Dateien mobil

Spätestens wenn man an mehreren Rechnern arbeitet, die nicht alle miteinander vernetzt sind, kann der USB-Stick als universelles Datenlaufwerk wertvolle Dienste leisten. Alle Daten, welche der Benutzer benötigt, können auf dem Stick abgelegt werden und sind damit auf jedem System nutzbar.

Der einfachste Weg wäre es, den Pfad des Ordners "Eigene Dateien" von beiden Rechnern auf den Stick zu verlegen. Regelmäßig finden sich in dem Ordner allerdings Unterordner und Dateien, welche nicht unbedingt auf den Stick müssten und die Kapazität schnell überschreiten würden (Eigene Musik, Eigene Bilder).

Wenn Sie dennoch den Ordner Eigene Dateien komplett auf den Stick legen möchten, gehen Sie wie folgt vor:

  • Erstellen Sie auf dem USB-Stick einen Ordner (z.B. Eigene Dateien Mobil).
  • Selektieren Sie den Ordner "Eigene Dateien" auf dem Desktop des Hauptrechners (der mit den Daten) und wählen Sie im Kontextmenü Eigenschaften.
  • Klicken Sie nun auf Verschieben und wählen Sie den zuvor erstellten Ordner Eigene Dateien Mobil als Ziel aus.
  • Windows verschiebt nun die Inhalte des Ordners auf den USB-Stick und ändert auch den Verweis. Ab diesem Zeitpunkt wird immer der Ordner Eigene Dateien Mobil auf dem USB-Stick als Ziel angesprochen, wenn man auf den Ordner Eigene Dateien zugreift.
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    Eigene Dateien auf dem Stick

  • Auf dem 2. Rechner (z.B. Laptop) wechseln Sie ebenfalls in die Eigenschaften von Eigene Dateien, wählen hier aber Ziel suchen, um den Pfad zu ändern und verweisen auf den Ordner Eigene Dateien Mobil. Jetzt ändert Windows nur die Pfadangabe, verschiebt aber nicht die Inhalte.

Die beschriebene Variante hat aber den Nachteil, dass man den Stick dann immer angesteckt haben muss und auch Dateien auf den Stick kommen, die man unter Umständen nicht unbedingt immer benötigt, die aber Platz auf dem Stick verbrauchen. Eine bessere Variante ist daher die Synchronisation benötigter Ordner und Dateien mit dem "Hauptrechner". Viele Hersteller legen ihren Sticks kleine Programme bei, welche Dateien zwischen dem Stick und dem PC abgleichen können.

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Tool zum Abgleich von Ordnern

Die Möglichkeiten der kostenlosen Beigaben sind aber im Regelfall sehr beschränkt.
Speziell für USB-Stick-Benutzer bieten sich auch die Programme MobileAssistant oder Carry it Easy zum Datenabgleich an. Als sehr gute Alternative zum Synchronisieren beliebiger Dateien und Ordner hat sich zudem die Shareware Second Copy bewährt.

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Second Copy: Backup mit Profilen in Perfektion
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Mit dem Assistenten geben Sie vor, welche Ordner zwischen dem Hauptrechner und dem Stick synchronisiert werden sollen. Second Copy unterstützt dabei auch den Namen des USB-Sticks.

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Second Copy unterstützt auch den Volume-Namen
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Wenn Sie nun den USB-Stick anschließen, erkennt dies Second Copy anhand des Volume-Namens automatisch und fragt nach, ob die erstellten Backupprofile ausgeführt werden sollen. So können Sie durch einfaches Anstecken die Daten zwischen Stick und Hauptrechner synchronisieren. Auf dem 2.Rechner öffnen Sie die Dateien direkt auf dem Stick. Werden diese dort verändert, erkennt das Second Copy beim Synchronisieren mit dem Hauptrechner und gleicht die Daten automatisch ab.

Eine Alternative auf dem Freewaresektor ist Z-DBackup.

Outlook und Outlook Express auf dem Stick

Mit etwas Handarbeit lassen sich auch Mailarchive von Outlook und Outlook Express auf den Stick legen. Damit kann das Mailprogramm auf mehreren Rechnern mit einem Datenbestand genutzt werden. Wie Sie die Daten von Outlook bzw. Outlook Express an einen anderen Speicherort (z.B. auf ein USB-Laufwerk) legen, beschreibt der Artikel Datensicherung mit Outlook und Outlook Express.

Damit auf beiden Systemen (Hauptrechner und 2. Rechner) die Mailclients gleich konfiguriert sind, richten Sie am besten den Mailclient auf dem ersten System komplett ein, legen die Maildaten auf den USB-Stick und sichern den Status komplett mit OutBack Plus für Outlook bzw. Express Assist für Outlook Express.

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OutBack Plus zum Transfer von Maileinstellungen zwischen 2 Rechnern für Outlook
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Beide Programme sind Shareware und speichern alle Einstellungen des Mailclients in eine Datei. Wenn Sie diese Datei auf dem 2. Rechner wieder einspielen, sind die Einstellungen der Mailkonten, Regeln sowie Speicherort der Maildaten identisch und Sie vermeiden Konfigurationsfehler.

Das zuvor schon erwähnte Programm Carry it Easy bietet für Outlook Express eine eingebaute Sync-Funktion.

Mobiler Arbeitsplatz

USB-Sticks werden grundsätzlich wie jedes andere Laufwerk unter Windows über den Laufwerksbuchstaben angesprochen. Was spricht also dagegen, Programme direkt auf dem Stick zu installieren? Nur wenige Programme richten sich selbst so ein, dass sie ohne Registry-Einträge und weitere Dateien im System außerhalb des Programmordners arbeiten. Würde man den Stick daher in einen anderen Rechner stecken und das Programm dort versuchen zu starten, wäre eine Fehlermeldung die Folge.

Gerade die Freeware- und OpenSource-Szene hat aber erkannt, dass so genannte Portable-Apps, welche keiner Installation bedürfen, sehr praktisch sind. So gibt es zwischenzeitlich eine große Auswahl an Programmen, welche entweder speziell für den Stick-Einsatz konzipiert wurden oder als "Portable"-Edition so modifiziert wurden, dass das Programm ohne Einträge in die Registrierdatenbank auskommt.

Bekannte Vertreter sind der Browser Firefox, der Mailclient Thunderbird oder OpenOffice in den Portable-Editionen, welche alle Daten komplett auf dem Stick führen. Sie können die eigene Mail- und Webumgebung mit solchen Programmen bequem am heimischen PC und dem Firmen-PC einsetzen (sofern zulässig).

Auch viele Tools wie FTP-Clients (FileZilla), Messenger (Miranda), Sicherheitsprogramme, wie McAfee AVERT Stinger, Dateibetrachter (IrfanView, Foxit PDF-Reader, VLC Media Player) oder Passwort-Tools (AMP, Keep Password Safe) sind direkt auf einem Stick startbar, ohne auf Einträge in Windows angewiesen zu sein.

Eine breite Auswahl solcher Programme bieten die Webseiten http://portableapps.com, http://www.portablefreeware.com und natürlich WinTotal im Softwarebereich. Grundsätzlich ist jedes Programm "sticktauglich", wenn es keine Einträge in Windows hinterlässt, welche zum Starten oder Betrieb des Programms notwendig sind. In vielen Fällen hilft einfach Ausprobieren (Programmordner auf den Stick kopieren und auf einem anderem Rechner starten).

Toolsuites speziell für USB-Sticks

Neben den Portable Apps gibt es aber auch speziell für die Bedürfnisse von USB-Stick-Nutzern angepasste Programmsuites mit vielen Spezialfunktionen.

MobileAssistant

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MobileAssistant

MobileAssistant speichert Eigene Dateien, Favoriten, Cookies und sonstige Dateien von verschiedenen Userprofilen auf einen USB-Stick.
Die Daten können optional verschlüsselt und komprimiert gespeichert werden.

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MobileAssistant

Man ist somit in der Lage, seinen "eigenen" Arbeitsplatz auf andere Rechner zu übertragen. Einzig und allein die Speicherkapazität des USB-Sticks ist eine Einschränkung. Am besten eignet sich die Software daher für sensible Daten wie Verlauf des IE, Cookies, Favoriten etc.

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MobileAssistant

Dazu gibt es noch einen eingebauten Passwort-Safe, Adressen-Manager und Mobile Sync zum Abgleich beliebiger Dateien zwischen Stick und lokalem System.

Ein weiteres Feature ist der USB-Computerschutz. Hiermit legen Sie fest, ob der gerade aktive Stick als "Schlüssel" zum Starten des Rechners benötigt wird. Zudem kann man einstellen, wie sich das System verhält, wenn der Stick abgezogen wird (herunterfahren, sperren etc.). Eine Notfalldiskette dient als 2. Schlüssel, wenn der Stick mal abhanden kommt oder defekt ist.

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MobileAssistant

USB-Toolbox

Die Shareware USB-Toolbox versucht mit vielen Features, den USB-Stick zum universellen Werkzeug zu machen. Unter der gemeinsamen Oberfläche verbergen sich ein Kalender, Kontakteverwaltung, Notizen und Aufgaben, Passworttresor, Image-Viewer, Textverwaltung und Tabellenkalkulation sowie File-Tools zum Dateisplitten, Shreddern, Verschlüsseln, Entpacken.

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USB-Toolbox
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Speziell für die Internet-Nutzung können die IE-Favoriten ausgelesen und in der Toolbox gespeichert werden. Eine weitere Funktion speichert verschiedene Call-by-Call-Anbieter. Ein eingebauter FTP-Client, Webbrowser sowie ein Mail-Programm runden die Toolbox ab.

Carry it Easy

Carry it Easy richtet sich vorwiegend an USB-Stick-Nutzer. Die Software ermöglicht den Datenabgleich zwischen Host-System und USB-Stick und kann die Daten optional komprimieren und verschlüsseln.

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Carry it Easy
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Als weiteres Feature kann Carry it Easy ein Outlook Express-Konto mit allen Einstellungen, Mails und Adressbuch auf den Stick sichern und diese Daten auf einem anderen System wieder einspielen. Beim Beenden von Carry it Easy werden die Daten dann auf dem Rechner wieder gelöscht. Sie können damit Outlook Express mobil auf jedem Rechner mit diesem Mailclient nutzen.

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Carry it Easy
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Für den Internet Explorer und Firefox bietet das Programm die Möglichkeit, die Favoriten bzw. Bookmarks mit dem Host-Rechner zu synchronisieren und spurlos auf dem Rechner zu surfen. Hierzu löscht das Programm nach dem Surfen alle Spuren (Verlauf, Cookies, WebCache) oder nutzt die Einstellungen vom Stick und überschreibt damit die Einstellungen des Host-Rechners. Nach dem Beenden schreibt Carry it Easy die Ursprungsdaten wieder zurück.

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Carry it Easy
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Auf USB-Sticks mit bestimmten Controllern (OTI, Silicon Motion and ST Microelectronics) lässt sich der Speicherplatz (wie im Abschnitt Datenverschlüsselung bereits beschrieben) in einen öffentlichen und einen geschützten Bereich unterteilen.

Betriebssysteme vom Stick booten

Rund ums BIOS

Dank ihrer Speicherkapazität bieten sich USB-Sticks auch als ideale Notfallmedien an. Linux, DOS und selbst Windows XP lassen sich von den Sticks mit einigen Kniffen starten.

Der Schlüssel zum erfolgreichen Booten von USB-Geräten ist das BIOS: Sie gelangen ins BIOS unmittelbar nach dem Einschalten mit [F1], [F2], [ENTF] oder einer anderen Taste. Konsultieren Sie hierzu das Handbuch des PCs bzw. der Hauptplatine.

Damit USB-Geräte bereits beim Systemstart ohne Betriebssystem verfügbar sind, muss der USB Legacy Support aktiviert werden. Ohne diesen kann das System im Regelfall USB-Geräte ohne Betriebssystem nicht ansprechen.

Als 2. Voraussetzung muss die Bootreihenfolge im BIOS auch USB-Devices bieten, meist als USB HDD oder Removable Devices bezeichnet, und auf dieses Gerät umgestellt werden. Manche BIOS-Varianten erlauben beim Hochfahren mit [F8] oder [F12] das Einblenden eines Bootmenüs mit Auswahlmöglichkeit des Boot-Devices.

Eine Frage des Formats

Die 3. Hürde ist der Stick selbst. Ein solcher kann entweder als Superfloppy oder als Festplatte formatiert sein. Ist der Stick als Festplatte formatiert, besitzt er einen MasterBootRecord (MBR), eine Partitionstabelle und eine Partition. Ist der Stick dagegen als Superfloppy formatiert, verfügt er nur über einen Bootsektor ohne Partitionstabelle (analog einer Diskette).

Und genau hier liegt das Problem: Es gibt keine gültige Norm, wie das BIOS das USB-Gerät anspricht. Nicht jedes BIOS kann von beiden Formaten booten. Sucht das BIOS nach einem MBR, findet es bei einem Stick im Superfloppy-Format hier nur einen Bootsektor. Umgekehrt: Kann das BIOS nur von einem Stick im Superfloppy-Format booten, findet es an der Stelle einen MBR statt den einfachen Bootsektor.

Einige BIOS-Varianten bieten auch hier Abhilfe: Bei neueren AMI-BIOS-Varianten kann man unter Advanced -> USB Mass Storage Device Configuration -> EmulationType festlegen, wie das USB-Gerät angesprochen werden soll (HDD, FD, CD, Auto).

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BIOS Einstellungen

Dem Stick kann man unter Windows mit Bordmitteln nicht ansehen, ob dieser als Superfloppy oder Festplatte formatiert ist. Windows bietet auch keine Möglichkeit, das Format des Sticks zu ändern. Während in einigen Magazinen die Umwandlung des Formats mit Knoppix beschrieben ist, gibt es unter Windows eine elegante Lösung:

Mit dem USB Disk Storage Format Tool von HP können Sie den Stick als Festplatte formatieren. Das Tool schreibt einen MBR, Partitionstabelle und Partition. Sie können auch das Dateisystem (FAT, FAT32 und NTFS) wählen. Als Bootmedium ist NTFS im Regelfall aber untauglich. Sofern Sie über eine bootfähige DOS-Diskette verfügen, kann das Programm direkt die Startdateien auf den Stick zum Booten übertragen. Achtung: Damit werden alle Daten auf dem Stick gelöscht.

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HPs Tool formatiert Sticks als Festplatte

Sollte es beim Formatieren zu einer Fehlermeldung kommen, sollten Sie den ersten Sektor des Sticks mit einem Hexeditor überschreiben. Bei Tiny Hexer wählen Sie hierzu unter Datei -> Datenträger öffnen den USB-Stick aus.

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Tiny Hexer, Sektor 0 auf dem Stick überschreiben
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Hier überschreiben Sie nun den ganzen Sektor mit Nullen und speichern die Modifikation über Datei -> Datenträger -> Änderung schreiben. Versuchen Sie dann den Einsatz des HP-Tools erneut.

FreeDOS und DOS

Nachtrag 10.07.2012: Das Tool Rufus bringt in der "F"-Fassung neben einem Formatierungstool auch gleich FreeDOS mit. Darüber hinaus kann das Tool auch viele ISO-Images direkt auf einen Stick bringen.

FreeDOS und DOS sind relativ leicht auf einen Stick zu bringen. Alles, was Sie dazu brauchen, ist eine bootfähige DOS-Diskette.

Benutzen Sie das oben genannte USB Disk Storage Format Tool von HP. Beim Formatieren können Sie direkt die Bootdateien einer DOS-Startdiskette einspielen lassen. Legen Sie die Diskette dazu in das Laufwerk A: ein.

Wer lieber von Hand die Dateien einspielen möchte, muss das System von Diskette booten und dem unter DOS ansprechbaren Stick mit SYS X (X für den Laufwerksbuchstaben des Sticks) einen neuen Bootsektor einpflanzen, damit der Stick bootfähig wird. Neben dem Bootsektor werden mit dem SYS-Befehl auch die weiteren Startdateien auf den Stick kopiert. Achtung: Bootdisketten von Windows ME und Windows XP besitzen keinen SYS-Befehl. Sie brauchen daher eine DOS- oder Win9x-Bootdiskette.

Fertige DOS-Bootdisketten finden Sie unter anderem unter http://www.bootdisk.com. Zudem bieten wir eine Bootdiskette auf FreeDOS-Basis als selbst auf Diskette oder in eine Image-Datei entpackendes Programm zum Download an. Diese Bootdiskette können Sie beliebig erweitern.

Sofern Ihr Rechner über kein Diskettenlaufwerk mehr verfügt, können Sie die Image-Dateien mit Virtual Floppy Drive virtuell in das System einbinden und dieses Laufwerk als Quelle für das HP USB Disk Storage Format Tool angeben.

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Virtual Floppy Drive, sofern das System nicht mehr über ein Diskettenlaufwerk verfügt.

Damm Small Linux

Damm Small Linux, basierend auf dem Knoppix-Linux, eignet sich auf Grund der geringen Größe (knapp 50 MByte) des Linux-Derivats ideal als Notfallsystem für USB-Sticks. DSL bringt eine (fast) vollständige Desktopumgebung und zahlreiche Programme für die Kommandozeile mit. Bei der Auswahl der enthaltenen Anwendungen wird auf das wichtige Maß von Nutzwert, Geschwindigkeit und Speicherverbrauch geachtet. Das Betriebssystem lässt sich direkt aus DSL (Tools -> Install to USB Pendrive) auf einem USB-Stick einrichten und von dort booten.

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DSL
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Im Wiki von Damn Small Linux finden Sie eine Beschreibung, wie man DSL auf einem USB-Stick installiert, wenn es über DSL selbst nicht klappt, und weitere Konfigurationshinweise.

Neben DSL lassen sich auch Knoppix und andere Linux-Derivate von einem USB-Stick booten, sofern diese entsprechend angepasst werden. Die FAQs und Hilfeforen im Internet zu Linux und USB-Sticks bieten hierzu zahlreiche Beispiele.

Windows PE

Windows XP selbst ist derzeit ohne sehr viel Handarbeit und Eingriffe in das System nicht in der Lage, von USB zu booten. Es bleibt zu hoffen, dass Microsoft mit Vista diesen Umstand verbessert.

Windows PE verhält sich hier anders. Hierbei handelt es sich um ein eingeschränktes, aber dennoch voll lauffähiges Betriebssystem, welches keine Schreibzugriffe benötigt und damit auch auf CD-ROMs etc. startet. Es beinhaltet alle notwendigen Funktionen, um beispielsweise vollen Zugriff auf NTFS-Medien oder Active Directory zu haben. Zudem läuft Windows PE mit einer grafischen Oberfläche und kann nachträglich noch Treiber einbinden, da es auch Plug and Play unterstützt. Microsoft sieht in Windows PE (steht für Preinstallation) ein Tool zum Vorbereiten von Rechnern für eine Installation. Das Fummeln mit den unhandlichen Antwortdateien beim Setup (Unattended-Installation) wäre damit erledigt. Windows PE ist für viele leider nicht auf legalem Wege zu bekommen. Es wird als sog. OPK (OEM Preinstallation Kit) nur an große Firmenkunden vergeben. Nur PowerQuest nutzt Windows PE bei Drive Image 7 als Notfallsystem und ist damit hier für Normalverbraucher verfügbar.

Abhilfe schafft das kleine Tool Barts PE (Preinstalled Environment) Builder, entwickelt von dem Niederländer Bart Lagerweij, mit dessen Hilfe man eine bootfähige, abgespeckte Windows-CD erstellen kann. Barts PE war bereits Gegenstand eines älteren Artikels, der aber noch immer Gültigkeit besitzt. Wir ersparen uns daher an dieser Stelle weitere Ausführungen zu Barts PE.

Wie kommt Barts PE aber nun auf den USB-Stick?

Hierfür gibt es 2 Möglichkeiten. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass selbst beide Varianten nicht auf allen Systemen funktionieren. In vielen Fällen hilft aber zumindest eine davon.

1.) pe2usb.cmd
Der PE Builder wird mit der Lösung pe2usb.cmd ausgeliefert, welche ein vollständiges PE-ISO in eine RAM-Disk lädt.

  • Für die RAM-Disk werden auf jeden Fall 2 Dateien aus dem Service Pack1 für Windows Server 2003 benötigt, welche nur in dem Service Pack enthalten sind. Sie finden die knapp 350 MB große Datei auf WinTotal.
    Entpacken Sie diese Datei mit dem Aufruf "WindowsServer2003-KB889101-SP1-x86-DEU.exe /x" in einen beliebigen Ordner, z.B.: c:server2003sp1.

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    Windows Server 2003 SP1 entpacken

    Nach dem Entpacken kopieren Sie die Dateien setupldr.bin und ramdisk.sy_ in einen Unterordner im Programmverzeichnis von Barts PE mit dem Namen srsp1, den Sie erst noch erstellen müssen.
    Jetzt wechseln Sie über die Kommandozeile in diesen Ordner und entpacken mit dem Befehl expand ramdisk.sy_ ramdisk.sys die noch gepackte Datei.
    Anschließend können Sie den Ordner server2003sp1 komplett löschen.
    Erstellen Sie nun mit dem PE-Builder ein fertiges PE-System im PE-Builderverzeichnis in einen Unterordner mit dem Namen BartPE. Sie brauchen keine ISO-Datei anzulegen.

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    Verzeichnisstruktur
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  • Starten Sie nun über die Kommandozeile aus dem PE-Builder-Verzeichnis die Datei pe2usb mit dem Parameter pe2usb -f (Drive ist der Laufwerksbuchstabe des Sticks). Der Parameter -f bewirkt, dass der Stick formatiert wird. Das Script führt alle Aktionen selbstständig aus.
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    pe2usb
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    Sollte das Betriebssystem später nicht starten, formatieren Sie vor pe2usb den Stick mit dem USB Disk Storage Format Tool von HP und verzichten dann auf die Angabe des Parameters -f. Der Befehl lautet dann: pe2usb und kann auch zum Auffrischen einer PE-Version genutzt werden.

  • Die Variante über die RAM-Disk benötigt eine Menge Arbeitsspeicher. Die ISO-Datei wird erst in eine RAM-Disk geladen. Dieser Speicher steht für den Betrieb von Barts PE später nicht mehr zur Verfügung. Je nach Größe der PE-Installation kann es selbst bei 512 MB sehr schnell eng werden.

2.) PEToUSB

Im Gegensatz zur ersten Variante benötigt die Lösung PEToUSB keine RAM-Disk und damit auch weniger RAM auf dem System. Die Handhabung ist ebenfalls sehr simpel. Zunächst erstellen Sie ein Barts PE-System, auch ohne ISO-Datei. Anschließend starten Sie PEToUSB, geben den Quellpfad des BartPE-Systems an und das Ziellaufwerk.

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PEtoUSB

Fazit

USB-Sticks sind der würdige Nachfolger von Disketten: hohe Geschwindigkeit, leichte Handhabung und sehr viel Speicherplatz. Je nach Einsatzgebiet kann man sich mit einem USB-Stick viel Arbeit ersparen. Auch als Notfallmedium kann der Stick überzeugen, wenn man die damit verbundenen Besonderheiten beachtet. Leider lassen sich noch immer nicht alle Rechner problemlos mit einem USB-Device booten.

Einen Nachteil von USB-Sticks möchten wir aber nicht verheimlichen: Nach Aussage verschiedener Quellen (z.B. CT, Ausgabe 2006/Heft 2, Seite 190) sind die Speicherzellen in den Sticks nur für 10000 bis 100000 Schreibzugriffe (je nach Hersteller) im Mittel ausgelegt. Wer den Stick als "Arbeitslaufwerk" nutzt, sollte dies bedenken. Die Sticks sind eher zur gelegentlichen Dateiablage anstatt als "Festplattenersatz" ausgelegt. Es mag sein, dass sich dieser Umstand mit neueren Produkten ändert. Vor diesem Hintergrund sollte man daher nie vergessen, auch von den Daten auf dem Stick eine Sicherung anzulegen.

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