Datum: | Tests 2016

Surface Book Tastatur

Bereits bei der ersten Vorstellung des Surface Books im Oktober 2015 staunte die Fachpresse über das Premium-Detachable, da man Microsoft so viel Design und technische Innovation nicht mehr zugetraut hatte. Der Dino lebt und will mit der neuen Hardware beweisen, dass nicht nur Apple schicke und funktionelle Computer bzw. Tablets bauen kann, wenn auch zum Premium-Preis. Wir durften das Surface Book einige Wochen testen und konnten uns nur schweren Herzens von diesem wieder trennen.

Liebe auf den ersten Blick

Am 06.10.2015 auf dem Windows 10 Devices Event in New York stellte Microsoft neue Hardware vor. Eigentlich keine große Sache. Neben Gimmicks wie dem Fitness-Wearable „Band“ für knapp 250 Euro gab es auch neue Lumia-Smartphones und – wie erwartet – die 4. Auflage der Surface Tablets, welche bereits mit verbesserter Hardware und neuer Tastatur für Begeisterung sorgte und mit einem tollen Video eingeführt wurde.

Anzeige

Womit aber niemand gerechnet hatte, war das, was Microsoft als finale Show präsentierte: das Surface Book. Bereits das Intro-Video begeisterte viele Zuschauer wegen der vielen Details und erzeugte den „Haben-Will-Effekt“, den man sonst nur von Herstellern wie Apple kennt.

Mehr als Tablet oder einfaches Detachable

Die Begeisterung für das Surface Book ist mehreren Dingen geschuldet: gefälliges Design, hochwertige Komponenten und Verarbeitung. Beispiele sind der Magnesium-Body oder die beleuchtete Tastatur sowie der hervorragende Bildschirm und vieles mehr. Microsoft hat mit dem Surface Book aber nicht einfach ein Tablet mit angesteckter Tastatur entwickelt, welches in der Erscheinung eines Notebooks daherkommt. In den Body steckte Microsoft einen weiteren Akku, USB-3.0-Anschlüsse, SD-Card-Reader sowie einen DisplayPort-Anschluss und – in teureren Modellen – auch eine schnellere Grafikeinheit von Nvidia, während sich im Tablet die CPU, Arbeitsspeicher, ein weiterer Akku und die schnelle SSD befinden. Damit erreicht Microsoft bei Nutzung als Notebook eine viel längere Akkulaufzeit.

Neuartiger Klappmechanismus und Halterung für das Tablet

Im Vergleich zu anderen Detachables mit abnehmbarer Tablet-Einheit hat sich Microsoft sichtlich Gedanken gemacht und etwas völlig Neues entwickelt: Die Verbindung zwischen Tablet und Body nennt Microsoft Fulcrum-Gelenk – sie erinnert an eine Gliedkette von Armbändern oder Kettenfahrzeugen.

Surface Book im zugeklappten Zustand, Surface Pen haftet magnetisch an der Seite

Surface Book im zugeklappten Zustand, Surface Pen haftet magnetisch an der Seite

Über diesen Mechanismus kann zum einen die Neigung des Tablets zum Body stufenlos angepasst werden. Er verhindert durch das „abrollen“ nach hinten auch, dass das Gerät nach hinten kippt, wodurch der Body weniger Gewicht im vorderen Bereich benötigt.

Surface Book im aufgeklappten Zustand

Surface Book im aufgeklappten Zustand

Fulcrum-Gelenk

Fulcrum-Gelenk

Fulcrum-Gelenk

Fulcrum-Gelenk

Am oberen Ende der Halterung findet sich der neu entwickelte Haltemechanismus, welcher das Tablet mit dem Body verbindet. Dieser wird über eine Taste auf der Tastatur aktiviert und signalisiert mit einer grünen LED, dass das Tablet nun abgenommen werden kann, gibt dabei dieses mechanisch frei.

Abnahme des Tablets

Abnahme des Tablets

Surface-Hilfsprogramm im SysTray

Das Anstecken dagegen funktioniert ohne Tastendruck und magnetisch.

Die Trennung über eine Taste ist auch deshalb notwendig, da sich im Gerät – je nach Konfiguration – eine NVIDIA GeForce-GPU im Body befindet. Wenn diese von der Leistung her angefordert wird, muss die Applikation, welche gerade darauf zugreift, erst beendet werden.

Das Surface Book kann aber noch mehr. Das Tablet kann auch um 180 Grad gedreht aufgesteckt werden. Zusammengeklappt nennt Microsoft dies den Canvas-Modus, in welchem das Tablet zusammen mit dem Body und der leichten Schrägstellung, welche durch das Fulcrum-Gelenk entsteht, ideal als Zeichen- oder Notizblock funktioniert.

Canvas-Modus

Canvas-Modus

Brillantes Display, hochwertige Tastatur

Das Laptop im Magnesium-Gehäuse hat Abmessungen von 232,1 x 312,3 x 13 – 22,8 mm. Das Tablet kommt auf 220,2 x 312,3 x 7,7 mm. Als Gewicht gibt Microsoft 1515 Gramm (ohne gesonderte GPU) respektive 1578 Gramm (mit GPU) an, währen das Tablet alleine 726 Gramm auf die Waage bringt.

Das 13,5-Zoll-PixelSense-Display mit 3000 x 2000 (267 PPI) kommt im 3:2-Format daher, was gegenüber den herkömmlichen 16:9-Panels mit 14 Zoll dennoch mehr Bildschirminhalt bedeutet. Das Touch-Display zeichnet Texte und Grafiken gestochen scharf, strahlt in den schönsten sRGB-Farben und kommt nach Messungen verschiedener Fachmagazine auf 370 bis fast 400 cd/m2 Bildschirmhelligkeit. Damit zählt das Display zum Besten, was man derzeit auf dem mobilen Sektor kaufen kann. Einzig die Spiegelungen des Schirmes stören etwas, sofern sich eine Lichtquelle ungünstig im Hintergrund befindet.

Fast genauso begeistert waren wir von der Tastatur, sonst eher ein Schwachpunkt vieler mobiler Geräte. Microsoft hat sich bei der Tastatur an dem Surface Cover der Surface Pro-4-Serie orientiert. Die Tasten im Chiclet-Design mit geringer Aufbauhöhe von 2 mm, aber dennoch ordentlichem Druckpunkt sind nicht nur beleuchtet, sondern auch gut auf den Body in Größe und Abstand angepasst. Einzig die Steuerkreuztasten für „hoch“ und „runter“ fallen atypisch klein aus. Die obere Reihe der Tastatur dient Sonderfunktionen wie Lautstärke und Co, kann aber auch als Funktionstastenreihe über „FN“ genutzt werden. Einen Ziffernblock gibt es nicht.

Tastatur mit verkleinerten Steuerkreuztasten

Tastatur mit verkleinerten Steuerkreuztasten

Surface Book Tastatur

Surface Book Tastatur

Unter der Tastatur findet sich ein großes Touchpad mit Glasoberfläche, welches sich bei Verwendung einer externen Maus (z.B. Bluetooth) auf Wunsch aber automatisch abschaltet.

Anschlüsse und Co.

Neben den drahtlosen Verbindungsmöglichkeiten über 802.11ac WLAN-Drahtlosnetzwerk (802.11a/b/g/n kompatibel) oder Bluetooth 4.0 Drahtlostechnologie finden sich im Body linksseitig auch 2 Anschlüsse nach USB 3.0 sowie  ein SD-Kartenleser. Wegen der geringen Höhe des Geräts und der Anschlüsse lassen sich sperrige USB-Sticks nicht ohne Probleme an dem Gerät verwenden.

Rechtseitig wurden ein Mini-DisplayPort-Anschluss sowie der Surface-Connector untergebracht, welcher das Netzteil (welches wiederum einen USB-Anschluss zum Laden von Smartphones und Co. besitzt) oder ein Surface Dock aufnimmt, welches die Geräte der Surface-Reihe (Surface Pro 3 und 4 sowie Surface Book) mit 4 USB-3.0-Anschlüssen, davon 2 an der Frontseite, 2 Mini-DisplayPorts, 1 Gigabit-LAN-Anschluss und Audioausgang nachrüstet. Laut Microsoft werden an den Mini-DisplayPorts des Surface Dock auch 4K-Bildschirme unterstützt. Das Surface Book kann 2 Displays bei 4096 x 2304 mit 30 Hz oder mit 60 Hz, dann aber nur mit 2560 x 1600 betreiben. Für den Anschluss von einem Display gilt diese Limitierung nicht, sprich: 4096 x 2304 mit 60 Hz als maximale Auflösung.

Surface Dock

Surface Dock

Das Tablet-Modul bietet die vom Surface Pro 4 bekannten Video/Fotosensoren von 5,0 Megapixel für die Frontkamera und 8,0 Megapixel für die rückwärtige Kamera, welche auch Autofokus und 1080p-HD-Videoaufzeichnung beherrscht. Auch die vom Surface Pro 4 bekannte Infrarotkamera für Windows Hello ist integriert. Eigene Anschlüsse hat es mit Ausnahme einer Kopfhörerbuchse und Tasten für die Lautstärke sowie einem Einschalter leider nicht. Ein USB-Anschluss am Tablet wäre hier sehr wünschenswert gewesen, ist man für die Nutzung externer Speicher so doch auf den Betrieb mit dem Body angewiesen.

Benutzung als Tablet

Benutzung als Tablet

Der neue Surface Pen, welcher 1024 Druckstufen bietet und durch das optional erhältliche Stiftspitzen-Kit für 10 Euro auch im Härtegrad (4 Spitzen: 2H, H, HB, B) verändert werden kann, gehört beim Surface Book zum Lieferumfang.

Surface Pen

Surface Pen

Der Stift liegt gut in der Hand und muss nur selten kalibriert werden. Auf dem Gerät waren bereits einige Apps installiert, mit denen man die Funktionalität des Stifts unter Windows 10 testen kann. Malen ist damit ebenso wenig ein Problem wie Notizen über OneNote oder die Journal-App erfassen. Bei Nichtbenutzung kann der Pen an der linken Seite (oder oben bei Nutzung als Tablet) magnetisch angedockt werden.

Stift an der linken Seite mit magnetischer Halterung

Stift an der linken Seite mit magnetischer Halterung

Und die inneren Werte? Power und Speed

Hinsichtlich des Innenlebens bietet Microsoft das Surface Book in verschiedenen Ausbaustufen an. Der Käufer hat die Wahl zwischen einem Intel-Prozessor der 6. Generation Skylake als i5 oder i7-CPU mit 8 oder 16 GByte DDR3-Arbeitsspeicher und einer SSD-Speicherkapazität von 128 bis 512 GB.

Ausstattung unseres Testsystems mit 2 GPU, schneller SSD und i7 CPU

Ausstattung unseres Testsystems mit 2 GPU, schneller SSD und i7 CPU

CPU in dem i7-Modell

CPU in dem i7-Modell

Die verwendete SSD PM951 (MZFLV512) von Samsung im M2-Format kommt dank NVMe-Protokoll und PCIe-Anbindung auf traumhafte Übertragungsraten, wie unsere Messung mit ATTO-Disk Benchmark zeigt. In der Spitze schreibt die SSD 600 Mbyte/sec und liest mit 1.5 GByte/sec die Daten.

Benchmark der SSD

Benchmark der SSD

Neben dem Intel HD Graphics 520-Grafikchip, welcher in dem Tablet-Teil des Surface Books steckt, baut Microsoft in die teuersten Ausbaustufen auch einen 2. Grafikchip in den Body ein.

Intel HD Graphics 520

Intel HD Graphics 520

Dieser Chip von Nvidia mit der internen Bezeichnung GM108 ist auch als GeForce 940M bekannt und besitzt 384 Shader sowie 1 GByte GDDR5-RAM, welcher mit einem 64-Bit-Interface angebunden ist.

Nvidia GPU im Body

Nvidia GPU im Body

Damit ist der Chip gerade für 3D-Anwendungen zwar deutlich schneller als die Intel-Grafik, kann aktuellen „Spiele-GPUs“ aber bei weitem nicht das Wasser reichen und ist zu schwach, aktuelle Spiele ruckelfrei in der nativen Auflösung für das Display wiederzugeben. Für ältere Spiele mag das ausreichen, ein Spiele-Surface-Book ist das Gerät von Microsoft damit aber nicht. Der weitere Grafikchip wird nur dann in Betrieb genommen, wenn dies auch erforderlich ist. Der Stromverbrauch steigt damit nicht schon bei normalen Aktivitäten, bei denen die gesonderte GPU mit Nvidia-Technik keinen Vorteil bringt; selbst das Transkodieren von Videos gelingt mit den Skylake-Chips und der integrierten Grafikeinheit mit QuickSync in aller Regel schneller als mit der Nvidia-Technik.

Praxistest als Notebook

Als Notebook macht das Surface Book eine hervorragende Figur: geringes Gewicht, tolle Tastatur, enorme Leistungsreserven und genug Akku-Leistung durch zwei Akkus (18 Wh im Tablet und etwa 50 Wh im Body) mit einer Laufzeit von bis zu 14 Stunden. Die anfänglichen Probleme beim Stromverbrauch im Standby-Modus hat Microsoft mit einem Update, ausgeliefert über Windows Update, seit Februar 2016 behoben.

Geschätzte Laufzeit unter Last ohne aktivierten Stromsparmodus

Geschätzte Laufzeit unter Last ohne aktivierten Stromsparmodus

Bei längerer, intensiver Nutzung ist der Lüfter der CPU zu hören, erreicht aber keine störende Lautstärke. Da der Body keine Warmluft nach unten abgibt, wie es sonst viele Notebooks machen, kann das Gerät auch auf einer Unterlage wie dem Bett oder zur Not auch auf den Beinen genutzt werden, ohne dass das Gerät einen Hitzetod oder der Anwender Brandverletzungen erleidet. Dank des festen Bodys ist generell die Nutzung auf wackeligen Auflagen wie dem Schoß schon systembedingt besser als mit dem flexiblen Type Cover des Surface Pro 4.

…und als Tablet

Für den Praxistest als Tablet verweisen wir auf unseren jüngsten Testbericht zum Surface 4 Pro, wo wir uns zu dem Thema schon ausgelassen haben. Kurzum: Mangels produktiver Apps machen Microsoft-Geräte als Tablets derzeit nur begrenzt Spaß. Microsoft kämpft aber an vielen Fronten, um das App-Angebot in Sachen Qualität und Quantität signifikant zu erhöhen. Wir drücken dabei ganz fest die Daumen.

Fazit

Erstmals müssen Windows-Anwender in Sachen Hardware nicht neidisch auf Apple-User blicken. Sie  bekommen mit dem Surface Book ein hervorragendes Notebook mit dem gewissen Extra, welches es in Sachen Stil, Verarbeitung und auch Leistung locker mit den Topgeräten von Apple aufnehmen kann. Es ist schon verwunderlich, dass gerade Microsoft als vorrangiger Softwarehersteller den alten „Hasen“ im Geschäft zeigen muss, wie man Windows-Detachables baut, welche das Premium-Segment bedienen. Denn gerade diese Käuferschicht wandert zu Mac-Systemen wegen Design, Haptik und Lifestyle ab, weniger wegen des Betriebssystems.

Schönheit hat aber auch bei Microsoft ihren Preis, der für das kleinste Surface Book bereits bei stolzen 1.649 € UVP beginnt. Für das „vernünftige Modell“ mit 256 GB SSD und einem i5 muss man bereits 2.069 Euro hinlegen, bekommt dafür aber die sekundäre Nvidia-GPU dazu.

Vielleicht findet Microsoft noch einen Weg, am Preis etwas zu schrauben, um so den Kauf des Gerätes noch größeren Käuferschichten zu ermöglichen. Es gibt viele gute und sicher auch bessere –  und vor allem günstigere – Notebooks, bessere Tablets und brauchbare Detachables. Zusammen mit dem optionalen Surface Dock bekommt man aber mit dem Surface Book das ultimative Windows-10-Erlebnis, mit dem – gerade von Microsoft – ehrlich gesagt niemand gerechnet hat. So geht erstmals ein Testgerät mit viel Wehmut wieder in den Rückversand…

Weitere Infos bei Microsoft.

Gehäuse Gehäuse: Magnesium • Farbe: Silber • Physische Tasten: Lautstärke, Ein/Aus
Abmessung Laptop: 232,1 x 312,3 x 13 – 22,8 mm, Clipboard: 220,2 x 312,3 x 7,7 mm
Gewicht 1515 Gramm (nicht-GPU) • 1578 Gramm (GPU), Clipboard allein: 726 Gramm
Speicher SSD von 128 bis 512 GB
Display Bildschirm: 13,5-Zoll-PixelSense-Display • Auflösung: 3000 x 2000 (267 PPI) • Seitenverhältnis: 3:2 • Touch-Funktionalität: 10-Punkt-Mehrfingereingabe
Akkulaufzeit Herstellerangabe bis zu 12 Stunden
Prozessor Intel Core i5 oder i7 der 6. Generation
Grafikkarte i5: Intel HD-Grafik 520 (dGPU) • i5/i7: NVIDIA GeForce-Grafik (GPU)
RAM 8 GB oder 16 GB RAM
WLAN 8802.11ac WLAN-Drahtlosnetzwerk; IEEE 802.11a/b/g/n kompatibel
Bluetooth 4.0 Drahtlostechnologie
Anschlüsse  Zwei USB 3.0-Anschlüsse in Originalgröße, Ultra-High Speed SD-Kartenleser in Originalgröße, Surface Connect, Kopfhörerbuchse, Mini-DisplayPort
Kameras, Video und Audio 5,0 Megapixel HD-Frontkamera, 8,0 Megapixel rückwärtige Autofokuskamera und 1080p HD- Videoaufzeichnung, Zwei Mikrofone, vorne und hinten, Stereolautsprecher mit Dolby-Audio
Sensoren Umgebungslichtsensor • Beschleunigungssensor • Gyroskop • Magnetometer
Preise 128 GB Intel® Core™ i5 der 6. Generation mit 8 GB RAM, 1.649 € UVP
256 GB Intel® Core™ i5 der 6. Generation mit 8 GB RAM und NVIDIA® GeForce® Grafikprozessor, 2.069 € UVP
256 GB Intel® Core™ i7 der 6. Generation mit 8 GB RAM und NVIDIA® GeForce® Grafikprozessor, 2.319 € UVP
512 GB Intel® Core™ i7 der 6. Generation mit 16 GB RAM und NVIDIA® GeForce® Grafikprozessor, 2.919 € UVP

Produktabbildungen: Alle Microsoft

Hinterlasse eine Antwort

(wird nicht veröffentlicht)

Nutzungsrichtlinien beachten